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Ausstellung zum 100.Geburtstag und 65.Todestag der Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner (30.09.2009 bis 12.10.2009)

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Der 100.Geburtstag und der 65.Todestag von Käthe Niederkirchner sind Anlass, in einer kleinen Ausstellung der Widerstandskämpferin zu gedenken. Zur Erinnerung an sie wurde die Straße vor dem Abgeordnetenhaus Niederkirchnerstraße benannt.

Für die Bereitstellung des Fotomaterials gilt der Dank der Gedenkstätte Ravensbrück. Die Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach hat die ausgestellte Büste Käthe Niederkirchner erschaffen. Ein großes Dankeschön dafür geht an die Neue Nationalgalerie Berlin für die Leihgabe dieser Büste.

Foto: Abgeordnetenhaus von Berlin

Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung

Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper anlässlich der Ausstellungseröffnung zum Gedenken an Käthe Niederkirchner am 28. September 2009 um 17 Uhr in der Wandelhalle:

"Wir wollen heute der kommunistischen Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner und ihres 100. Geburtstages gedenken. Es jährt sich zugleich ihr Todestag zum 65. Mal. In der Nacht vom 27. zum 28. September 1944 wurde sie im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück erschossen. Käthe Niederkirchner wurde nur 34 Jahre alt.

Käthe Niederkirchner wurde am 7. Oktober 1909 in der Pappelallee 22 in Prenzlauer Berg geboren. In einem Hinterhaus wächst sie mit ihren vier Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater Michael Niederkirchner, Sohn eines Steinbrucharbeiters, stammt aus einer ungarischen Arbeiterfamilie deutscher Abstammung und arbeitet als Rohrleger. Er engagiert sich zunächst in der SPD und dann in der Gewerkschaft sowie in der KPD und wird später Mitglied des Zentralkomitees der KPD. Die Behörden verweigern ihm und seiner Familie die deutsche Staatsbürgerschaft. Daher ist die Angst vor der Ausbürgerung in der Familie ständig gegenwärtig. Käthe Niederkirchners Mutter ist eine slowakische Tagelöhnerin und arbeitet in einer Autowäscherei, um für die Familie etwas dazu zu verdienen.

1919 nimmt Käthe Niederkirchner am Internationalen Jugendtag teil. Mit 11 Jahren wird sie Mitglied einer Kindergruppe der KPD. Im Alter von 16 Jahren tritt sie 1925 dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands und 1930 der KPD bei.

Nach dem Besuch der Volksschule erhält Käthe Niederkirchner 1924 die Jugendweihe. Sie möchte gerne Krankenschwester werden, doch die Ausbildung kann die Familie nicht bezahlen. So beginnt sie 1924 eine Lehre als Schneiderin. Immer wieder ist sie arbeitslos, in der Arbeitslosigkeit nutzt sie die Zeit zur Weiterbildung. Sie lernt Maschinenschreiben, Stenografie, Fremdsprachen und belegt Kurse an der Marxistischen Arbeiterschule. Ihre Schwester hilft ihr dabei, das Geld für die Lehrgangsgebühren aufzubringen.

Käthe Niederkirchner engagierte sich in der Arbeitersportbewegung. Sie übernimmt als Leiterin eine aus 100 Frauen bestehende Sportgruppe. 1931 wird sie von der Landeskonferenz Berlin-Brandenburg der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit in den Landesfrauenausschuss gewählt.

Beruflich war Käthe Niederkirchner von 1931 bis Dezember 1932 als Kontoristin im Internationalen Sekretariat für Metall-, Berg- und Landarbeiter der Roten Gewerkschaftsinternationale beschäftigt. 1933 ist sie allerdings wieder erwerbslos. Sie engagiert sich in der KPD. Bei einer von ihr organisierten Frauenversammlung am 4. November 1932 – während des Berliner BVG-Streiks – wird sie verhaftet. Vier Tage bleibt sie in Haft.

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird sie abermals verhaftet und aufgrund ihrer ungarischen Staatsbürgerschaft und ihrer Mitgliedschaft in der KPD aus Deutschland ausgewiesen. Danach emigriert sie im April 1933 in die Sowjetunion zu ihrer Familie, die dort Zuflucht gefunden hat. In Moskau geht sie zunächst wieder ihrem Beruf als Schneiderin nach. Anschließend ist sie bei der Roten Gewerkschaftsinternationale als Kontoristin tätig.

Im Oktober 1933 erhält die junge Frau die Möglichkeit, Lehrgänge an der Kommunistischen Marchlewski-Universität über Marxismus-Leninismus, Mathematik, Geschichte und Literatur zu besuchen. Die Komintern beschäftigt Käthe Niederkirchner ab 1934 als politische Mitarbeiterin.

In einem Lehrgang bereitet sie sich auf die illegale Untergrundarbeit vor und erlernt den Umgang mit Funkgeräten. Darüber hinaus besucht sie mit ihrer Schwester im Winter 1939/40 einen Lehrgang für Marxismus-Leninismus. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Antifaschist und ehemalige Spanienkämpfer Heinz Wieland. Sie heiraten im Juli 1941.

nach dem Angriff der Nationalsozialisten auf die Sowjetunion meldet sich die gelernte Schneiderin zum Dienst in der Roten Armee, wird aber abgelehnt. In den Folgemonaten wirkt sie beim Sender Moskau bei deutschsprachigen Radiosendungen mit. Später nimmt sie an einem Lehrgang über den illegalen Widerstandskampf in Deutschland teil. Im Herbst 1942 erhält sie die Genehmigung zum illegalen Einsatz in Deutschland. Sie bereitet sich auf ihren Einsatz vor und lässt sich als Fallschirmspringerin ausbilden. Im Juni 1943 reist sie zur Propagandaarbeit unter deutschen Kriegsgefangenen nach Tscheljabinsk.

Am 7. Oktober 1943 springt sie zusammen mit Theodor Winter, Wilhelm Piecks Schwiegersohn, von einem Flugzeug über polnischem Gebiet ab. Beide haben den Auftrag in Berlin eine Funkverbindung mit dem sowjetischen Nachrichtendienst aufzubauen. Nach dem Absprung erreicht aber nur einer den Boden, das ist Theodor Winter. Käthe Niederkirchner wird erst am nächsten Morgen bewusstlos in einem Baum gefunden. Ein paar Tage bleiben beide im Lager von Partisanen. Anschließend machen sie sich auf den Weg nach Deutschland.

Bei einer Zugkontrolle wird Käthe Niederkirchner festgenommen. Bei der Durchsuchung ihres Gepäcks entdeckt man das Funkgerät, mit dem sie die Funkverbindung herstellen sollte. Theodor Winter, der auf einem anderen Weg nach Berlin unterwegs ist, schafft es bis in die Hauptstadt. Dort wird er jedoch verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht, wo er vermutlich ermordet wurde.

Für Käthe Niederkirchner folgen qualvolle Monate mit Verhören und Folterungen durch die Gestapo, anschließend wird sie ab Ende Mai 1944 im KZ Ravensbrück inhaftiert. Dort sieht Käthe Niederkirchner ihre Jugendfreundin Hilde wieder. Von Käthe Niederkirchner ehält Hilde einen Kassiber mit der folgenden Mitteilung: „Meine liebe, gute Hilde. Ich bin so froh, daß wir uns noch getroffen haben. Du hast Dich wirklich wie ein treuer Kamerad gezeigt und mir noch so viel Liebe erwiesen, ich danke Dir. Alle Kameraden, die mich doch gar nicht kannten, alle waren so gut zu mir. Jeden Tag schließe ich mit dem Leben ab und denke, heute abend ist es soweit, und die Nacht ist entsetzlich. Dann fängt wieder ein Morgen an, und die Qual beginnt von neuem. Werden sie heute kommen?“

In der Nacht vom 27. auf den 28. September 1944 wird Käthe Niederkirchner von den Nazi-Schergen ermordet.

Wir müssen die politischen Auffassungen von Käthe Niederkirchner nicht teilen. Von der KPD der Weimarer Zeit und der NS-Zeit trennt uns vieles ganz grundsätzlich, wie hier jeder weiß und was vermutlich alle teilen.

Darum geht es hier aber auch nicht. Hier hat eine junge Frau die Emigration verlassen und ihr Leben im Kampf gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft eingesetzt. Das zählt. Deshalb ehren wir Käthe Niederkirchner als eine Heldin des Widerstandes, die das Höchste gab, was wir Menschen geben können: Ihr Leben."

Foto: Abgeordnetenhaus von Berlin

Ansprache von Dr. Käte Niederkirchner, der Nichte der ermordeten Käthe Niederkirchner

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