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Gedenkworte des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper für den verstorbenen ehemaligen Abgeordneten und Senator Horst Wagner (26.05.2011)

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- Es gilt das gesprochene Wort -

Am 21. Mai 2011 ist der ehemalige Abgeordnete und Senator Horst Wagner im Alter von 80 Jahren verstorben. Mit Horst Wagner verliert Berlin einen engagierten und mutigen Gewerkschafter und Politiker, der über 40 Jahre in der Landes- und Kommunalpolitik die Geschicke unserer Stadt mitgestaltet hat.

Horst Wagner wurde am 21. April 1931 in Berlin auf dem Wedding geboren. Nach Abschluss der Volksschule absolvierte er erfolgreich eine Ausbildung zum Industriekaufmann in einem Berliner Metallbetrieb. Zusammen mit seiner Frau zog er drei Söhne groß.

Noch als Lehrling trat er 1947 in die Industriegewerkschaft Metall ein. Damals war er der jüngste hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionär. In der Zeit, als die Stadt gespalten wurde, arbeitete er in der Unabhängigen Gewerkschaftsopposition UGO mit. Neun Jahre lang, von 1980 bis 1989, leitete er als Erster Bevollmächtigter die Verwaltungsstelle Berlin der IG Metall. Ein Jahrzehnt lang war Horst Wagner Chef der Metallarbeiter im alten West-Berlin. Er gehörte zu den großen Persönlichkeiten der Gewerkschaftsbewegung. Für seine Gewerkschaft saß er im Aufsichtsrat von Siemens, Osram, der Neuen Heimat und von Orenstein & Koppel.

Er hat die Substanz der Metallindustrie in West-Berlin gegen Schwund durch Wegzug und Schließung verteidigt – zusammen mit dem Senat und dem Abgeordnetenhaus. Das nannte er intelligente Interessenvertretung für die Arbeitnehmer.

Für seine langjährige engagierte Gewerkschaftsarbeit wurde er anlässlich seines 40-jährigen Dienstjubiläums mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. In der freien Gewerkschaftsbewegung, die in den Jahren nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg wieder entstanden war, galt die besondere Aufmerksamkeit von Horst Wagner den jungen Menschen. Aktive Jugendarbeit war für ihn unverzichtbarer Bestandteil des Prozesses der Demokratisierung in Deutschland. Damit verband er immer auch den Gedanken der Aussöhnung mit den Menschen in Israel und den Völkern Osteuropas. Dafür organisierte er Reisen und Begegnungen als Jugendvertreter und Gewerkschafter.

Nach der Wende wurde Horst Wagner am 9. Oktober 1990 zum Leiter des neu gegründeten IG-Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg bestellt. Horst Wagner arbeitete im Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Metall genauso wie im Landesbezirksvorstand Berlin des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit. Mit großem Enthusiasmus engagierte er sich auch im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen.

Eine klare wirtschaftspolitische Linie und die Vertretung einer allgemeinen wirtschaftspolitischen Position führten ihn als Arbeitnehmervertreter zwangsläufig in die Politik. Schon 1950 trat er in die SPD ein. Von Juni 1981 an bis 1991 gehörte er als Mitglied der SPD-Fraktion dem Abgeordnetenhaus von Berlin an. Während seiner Parlamentszugehörigkeit setzte Horst Wagner sich besonders für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein. Er war stolz darauf und die SPD war stolz darauf, ihn als Gewerkschafter in ihren Reihen zu haben. Er vertrat seine Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft als wirtschaftspolitischer Sprecher. Von 1983 bis 1989 war Horst Wagner stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion und ab 1979 war er auch Mitglied des Landesvorstandes der Berliner SPD.

1989 holte der damalige Regierende Bürgermeister Horst Wagner als Senator für Arbeit, Verkehr und Betriebe in den rot-grünen Senat. Für die Umsetzung des rot-grünen Verkehrsprogramms brauchte Horst Wagner starke Nerven. Was damals noch hoch umstritten war: Tempo 100 auf der AVUS und Tempo 30 im Wohngebiet sowie die Einführung von Busspuren, ist heute ganz selbstverständlich. Die Wiederverknüpfung des Verkehrsnetzes und die Zusammenarbeit mit den Ost-Berliner Eigenbetrieben waren nach der Öffnung der Mauer große Aufgaben, die Horst Wagner tatkräftig anging und erfolgreich bewältigte.

In seiner Amtszeit als Senator des rot-grünen Berliner Regierungsbündnisses fiel die Entwicklung des arbeitsmarktpolitischen Rahmenprogramms (ARP).

Horst Wagner war ein Freund und Förderer der Kunst. Er gründete 1963 zusammen mit Jule Hammer, Günter Grass und Wolfgang Neuss den Förderkreis „Haus am Lützowplatz“. Als Vorsitzender dieser Künstlerinstitution hat er sich auch im Ruhestand jahrelang für eine Symbiose von Kunst, Politik und Arbeitnehmern engagiert.

Humorvoll, schlagfertig, hart in der Sache und zuverlässig: Das zeichnete Horst Wagner aus! Selbst seine politischen Gegner wussten seine Offenheit und Gradlinigkeit zu schätzen.

Wir nehmen Abschied von unserem ehemaligen Kollegen Horst Wagner und gedenken seiner mit Hochachtung.

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