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Nie zweimal derselbe Blick - Berlin 1961 & Paris 60's Fotografien von Léon Herschtritt (17.11.2008 bis 30.11.2008)

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Ausstellung vom 17. bis 28. November 2008 in der Wandelhalle

Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin 2008 zeigt das Abgeordnetenhaus von Berlin eine Ausstellung mit Werken von Léon Herschtritt. Der Präsident des Abgeordnetenhauses Walter Momper eröffnete die Ausstellung am Dienstag, dem 18. November, um 17 Uhr im Beisein des Gesandten der französischen Botschaft Graham Paul und des Künstlers.

Beim 3. Europäischen Monat der Fotografie beteiligen sich 121 Institutionen, darunter 21 Museen und Sammlungen und 67 private Galerien und Projekträume.Unter dem Motto 'Noch nie gesehen' wird noch nie Gezeigtes der Öffentlichkeit präsentiert. Die Auseinandersetzung mit der Rolle der Fotografie im Hinblick auf die Erweiterung der menschlichen Wahrnehmung wird der thematische Leitfaden sein.

Seit 50 Jahren engagiert sich der französische Korrespondent der 'Camera Press of London' Léon Herschtritt für die Fotografie. Seine Fotografien erscheinen in über 50 Ländern der Welt. Mit seiner Frau eröffnete er das erste Fotografen-Bistro in Paris.

Rede des Präsidenten

- Es gilt das gesprochene Wort -

Ich begrüße Sie zur Eröffnung der Foto-Ausstellung „Nie zweimal derselbe Blick – Berlin 1961“ des französischen Fotografen Léon Herschtritt. Ganz besonders begrüße ich den Gesandten der Republik Frankreich, Herrn Paul, die Direktorin des Institut français de Berlin, Frau Dr. Delplanque und vor allem den hier heute anwesenden Pariser Fotografen und Bildjournalisten, Herrn Léon Herschtritt.

Am 1. November, vor knapp drei Wochen, habe ich in der Berlinischen Galerie gemeinsam mit Herrn Prof. Merkert den 3. Europäischen Monat der Fotografie eröffnet. Mit Interesse habe ich mir die Panoramen-Ausstellung und die Fotoinstallationen angeschaut. Auch die große Zahl der Gäste dieser Auftaktveranstaltung hat mich beeindruckt. An dem Abend sind 1967 Besucherinnen und Besucher gezählt worden. Eine kleine Sensation, die für die Bedeutung des Mediums Fotografie aber auch für die steigende Bedeutung Berlins als ein europäisches Zentrum fotografischer Aktivitäten steht.

Seit 2004 verwandelt sich Berlin alle zwei Jahre im November zum Ort internationaler Fotoausstellungen. Der Europäische Monat der Fotografie ist das größte Festival zur Förderung der europäischen Foto-Szene und wird zeitgleich in Paris, Wien und Bratislava veranstaltet. Luxemburg, Moskau und Rom werden unter dem gleichen Dach im Frühjahr 2009 große Fotoausstellungen präsentieren.

Mit dem Europäischen Monat der Fotografie zeigt sich Berlin als weltoffene Metropole, die den Austausch mit den großen Städten Mittel – und Osteuropas nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf kulturellem Gebiet vorantreibt und so ganz bewusst die Gemeinsamkeiten der europäischen Kultur betont.

Das Abgeordnetenhaus von Berlin möchte dazu ebenfalls einen interessanten Beitrag leisten. Gern haben wir das Angebot der ParisBerlin-Fotogroup angenommen, in diesem Monat Fotos zeigen zu können, die der Pariser Fotograf Léon Herschtritt im Dezember 1961 hier in unserer Stadt aufgenommen hat.

Berlin war am Ende des Jahres 1961 eine Stadt im Schock. Man war auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Die Teilung Berlins durch den Bau der Mauer quer durch die Stadt war gerade vier Monate zuvor erfolgt. Die Menschen spürten körperlich die Trennung der Familien, von Freunden und von Kollegen. Bisher vertraute Wege konnten nicht mehr begangen werden. Freunde, Familie und vertraute Teile der Stadt wurden unerreichbar.

Jeden Tag versuchten Flüchtlinge unter Lebensgefahr von einem Teil der Stadt in den anderen zu gelangen. Tunnel wurden gegraben, man seilte sich von Fassaden ab, versuchte durch Abflussrohre und Wasserläufe die Sperranlagen zu unterqueren. Mal mit Geschick und mal mit Gewalt wurde vieles erprobt, um die Mauer zu überwinden. Zahlreiche Versuche scheiterten
und nicht wenige der Wagemutigen verloren ihr Leben bei dem Versuch, in die Freiheit zu gelangen. Das war Berlin am Ende des Jahres 1961.

Aber die Trennung der Stadt war nicht so perfekt wie die Machthaber im Osten Berlins es anstrebten. Vielerorts konnte man durch den Stacheldraht und über die niedrige Mauer der ersten Generation schauen – wenn auch nur aus großer Dinstanz, um seinen Lieben zuzuwinken und sich zu zeigen. Diese emotionalen Momente spürte der Fotograf Léon Herschtritt mit großem Feingefühl auf.

Er zeigt eine geteilte Stadt, die Sichtkontakte zuließ und noch nicht die Perfektion der späteren Abschottung aufweist. Denjenigen, die diese Zeit in Berlin persönlich erlebt haben, ruft der Fotograf Typisches ins Gedächtnis zurück. So zum Beispiel der Blick auf die Bernauer Straße mit ihrer absurden geografischen Situation. Die südliche Häuserfront der Straße gehörte zu Ostberlin. Der Gehweg davor, der Fahrdamm und die gegenüberliegenden Gebäude zu Westberlin. Hier spielten sich dramatische Szenen ab, die durch die Weltpresse gingen. Eins der Fotos von Léon Herschtritt zeigt ein junges Paar mit Kind, das auf dem Westberliner Gehweg vor dieser unzugänglichen Ostberliner Fassade steht und zu Angehörigen nach oben schaut. Anfangs waren derartige Kontakte noch möglich. Dann wurden diese Häuser geräumt und die Fenster zugemauert. Ein weiteres Foto zeigt diesen Zustand. Einige Jahre später wurden diese Häuser völlig abgerissen, um freies Schussfeld zu schaffen.

Ende des Jahres 1961 befand man sich noch am Anfang der Teilung, aber schon auf dem Weg zur perfekten Abgrenzung. Selbst Kontakte Westberliner und Ostberliner
Polizisten, die sich ab und zu ergaben, waren noch möglich. Und man erfreute sich gemeinsam am Schneemann im Grenzstreifen. Alles wirkt stark eingeschränkt, aber die persönliche Note und menschliche Kontakte waren noch möglich. Über die Jahre der Teilung, der zunehmenden politischen Abgrenzung hat man das Typische der Anfangsphase vergessen.

Der Fotograf Léon Herschtritt bringt verlorene Erinnerungen zurück und leistet damit auf eine angenehme Art einen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte Berlins.

Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Herschtritt, für die Bereitstellung Ihrer Fotos, Frau Boget und den anderen Mitgliedern der ParisBerlin fotogroup für ihr großes Engagement, diese Aufnahmen der Berliner Öffentlichkeit zu präsentieren. Und ich danke dem Institut français de Berlin für die Zusammenarbeit bei diesem gemeinsamen Projekt. In zwei Stunden, um 19.00 Uhr, werden wir im Institut français de Berlin am Kurfürstendamm eine weitere Ausstellung von Herrn Herschtritt einweihen, die Aufnahmen aus Paris in den 60iger Jahren zeigt. Ich bin sehr gespannt und ich würde mich freuen, die hier Versammelten dort wiederzutreffen.

Beiden Ausstellungen wünsche ich viele interessierte Besucherinnen und Besucher. Nun bitte ich den Herrn Gesandten Paul zu uns zu sprechen.

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