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50 Jahre Landesverband Berlin des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

24.11.2000, Berliner Dom

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Reinhard Führer
24.11.2000, Berliner Dom
Jubiläum des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

50 Jahre Landesverband Berlin im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Ein Jubiläum, das an die Geschichte, an zwei Weltkriege und das unermessliche Leid erinnert, das sie ausgelöst haben.

Ein Jubiläum aber auch, das dokumentiert, dass sich hier in Berlin - zunächst nur im westlichen Teil, seit 1990 in ganz Berlin - Menschen der Erinnerung gestellt und sie als Herausforderung angenommen haben.

Als Herausforderung: für die Opfer der Kriege würdige Formen und würdige Orte des Gedenkens zu finden.

Erinnerung als Herausforderung - und als Verpflichtung, aus der Vergangenheit Konsequenzen zu ziehen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge war nach dem Ersten Weltkrieg 1919 in Berlin gegründet worden. Er war zunächst ein privater, humanitärer Verein, erweiterte dann aber sein Arbeitsgebiet auf ganz Deutschland. Zu den 92 Persönlichkeiten, die den Gründungsaufruf 1919 unterschrieben, gehörten unter anderen Konrad Adenauer, Gerhart Hauptmann, Max Liebermann und Walter Rathenau.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Arbeit des Volksbundes dann unterbrochen, denn die Kriegsgräberfürsorge wurde direkt dem Oberkommando der Wehrmacht unterstellt.

Nach 1945 hatte der Volksbund seinen Hauptsitz zunächst in Oldenburg, dann in Nienburg und ab 1951 in Kassel. In der DDR war er bis zur Wiedervereinigung Deutschlands verboten. Im westlichen Teil Berlins konstituierte sich dann 1950 der Berliner Landesverband.

Zu den Vorstandsmitgliedern und Förderern der ersten Stunde gehörten Louise Schroeder, Ernst Reuter, Walther Schreiber, Otto Suhr, Bischof Otto Dibelius und zahlreiche andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Berlin.

1950 - damals lagen die Kriegsereignisse nur wenige Jahre zurück, trauerten ungezählte Menschen in unserem Land um Angehörige und Freunde, herrschte noch immer Ungewissheit über das Schicksal von Kriegsgefangenen.

Die schreckliche Vergangenheit war noch lebendig. Der Schmerz, die persönliche Betroffenheit war groß.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge machte es sich auch in Berlin zur Aufgabe, das Gedenken an die Opfer der Kriege lebendig zu erhalten, die Landesbehörden bei der Einrichtung von Kriegsgräberstätten zu beraten und die Angehörigen der gefallenen Soldaten und Kriegsopfer zu betreuen.

Eine Aufgabe, die über viele Jahre hinweg zu erfüllen war. Denn der zeitliche Abstand macht den Schmerz der Hinterbliebenen nicht geringer. Die Zeit heilt nicht alle Wunden.

Initiativen des Landesverbandes haben dazu beigetragen, dass in Berlin Kriegsgräberanlagen und Gedenkstätten eingerichtet wurden - nicht nur für deutsche Gefallene, auch für britische, italienische und russische. Heute ruhen in Berlin rund 150.000 Kriegstote auf 220 Kriegsgräberanlagen.

Zu den Aufgaben des Volksbundes gehört auch die Gestaltung der Gedenkfeiern am Volkstrauertag. Seit 1992 findet die zentrale Gedenkveranstaltung wieder in Berlin statt. Heute können wir mit Genugtuung feststellen, dass das Gedenken an die Opfer der Kriege nicht zum Ritual geworden ist.

Der Volksbund - und dies gilt für den gesamten Verband - konnte dazu beitragen, dass das Gedenken auch in die Zukunft weist. Es ist gelungen, viele junge Menschen in das große Werk der Versöhnung zwischen den Völkern einzubeziehen, für das der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit dem Zweiten Weltkrieg verstärkt tätig ist.

Der Landesverband Berlin arbeitet seit 1960 mit jährlich etwa 120 Berliner Jugendlichen auf ausländischen Friedhofsanlagen zur Pflege und Instandsetzung von Gräbern. Es hat mehr als symbolische Bedeutung, wenn Jugendliche aus vielen Ländern gemeinsam die Gräber auf Soldatenfriedhöfen pflegen. Diese Gemeinsamkeit, die persönliche Begegnung setzt Zeichen. Sie ist ein Beitrag zur Versöhnung und zu dauerhafter Freundschaft.

Meine Damen und Herren, gestatten Sie mir an dieser Stelle eine persönliche Bemerkung:

Es gibt viele Gründe, Mitglied im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu sein. Ich selbst hatte das große Glück, dass niemand aus meiner näheren Verwandtschaft im Krieg gefallen ist. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit. Ein Besuch auf dem Soldatenfriedhof in Halbe vor einigen Jahren ist für mich unvergesslich. Dort sind 22.000 Gefallene bestattet. Die langen Reihen der Grabkreuze und Grabsteine waren für mich ein Symbol des menschlichen Leids, das damals ungezählten Familien zugefügt wurde.

Und gerade weil ich in meiner Verwandtschaft nicht unmittelbar betroffen war, möchte ich dazu beitragen, den Hinterbliebenen der Opfer zumindest die Gewissheit zu geben, dass der Tod ihrer Angehörigen nicht vergessen wird - und dass er Mahnung bleibt, alles dafür zu tun, künftiges Unheil und Leid zu vermeiden.

Wir alle sind aufgerufen, schon den Anfängen zu wehren, wenn jetzt eine extremistische Minderheit in unserem Land wieder jenes Gedankengut vertritt, das so viel Leid über unserer Volk gebracht hat.

Alle Demokraten müssen gemeinsam Widerstand leisten gegen Extremismus und jegliche Gewalt in unserer Gesellschaft.

Gedenken müssen wir immer auch als Verpflichtung zum rechtzeitigen Widerstand gegen neues Unheil annehmen.

Denn: Arbeit im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge heißt auch künftig: Arbeit für den Frieden. Für den Frieden nach innen und außen.

In diesem Sinne wollen wir die Arbeit in unserem Landesverband fortsetzen - als eine große gemeinsame Aufgabe, die uns mit der Vergangenheit verbindet und Orientierung für die Zukunft gibt.

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