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50. Jahrestag der ersten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im Rathaus Schöneberg und 100. Jahrestag der ersten Parlamentssitzung im Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags

14.01.1999, Abgeordnetenhaus von Berlin, Plenarsaal

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Prof. Dr. Herwig Haase
14.01.1999, Abgeordnetenhaus von Berlin, Plenarsaal
Zwei Jahrestage anlässlich der ersten Sitzung des Parlaments

Bevor wir mit unserer Arbeit beginnen, möchte ich an zwei Ereignisse erinnern, die zu markanten Daten der Berliner Parlamentsgeschichte geworden sind.

Heute vor 50 Jahren - am 14. Januar 1949 - fand die erste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin im Rathaus Schöneberg statt. Das Stadtparlament war aus den Wahlen vom 5. Dezember 1948 hervorgegangen, die wegen der sowjetischen Blockade nur in den Westsektoren Berlins stattfinden konnten und mit einer Wahlbeteiligung von 86,3 % in der ganzen Welt als Bekenntnis zur Demokratie und als Ausdruck des Freiheitswillens verstanden wurden.

Bereits die erste Plenarsitzung im Rathaus Schöneberg stand verstä ndlicherweise im Zeichen der großen Herausforderungen, Probleme und Aufgaben der Blockadezeit. Mit dem Selbstbewußtsein des Parlamentariers legte Otto Suhr, der einstimmig zum Stadtverordnetenvorsteher wiedergewählt wurde, vor der Öffentlichkeit und den damaligen Besatzungsmächten die Position des Parlaments fest. Er sagte:

"Die neue Stadtverordnetenversammlung wird sich als Arbeitsparlament und zugleich als Tribüne des entschiedenen freien Willens der Berliner Bevölkerung erweisen müssen".

Mit der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde das Rathaus Schöneberg, das zuvor nur bezirkliche Bedeutung hatte, für Jahrzehnte zum politischen Zentrum und zum weltbekannten Symbol des freien Teils der Stadt. Für alle stand von Anfang an fest, dass es nur ein provisorischer Parlamentssitz sein sollte. Doch das "Provisorium" dauerte bis zum 28. April 1993, als das Abgeordnetenhaus von Berlin in sein neues Domizil im Herzen des nun wiedervereinigten Berlin einziehen konnte, das Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags hier in Berlin-Mitte.

Das zweite Datum betrifft unseren Tagungsort. Am 16. Januar 1899 fand hier die erste Parlamentssitzung statt. Einberufen durch "Allerhöchste Verordnung" des Königs von Preußen, tagte das "Haus der Abgeordneten" des Preuß ischen Landtags zum ersten Mal in dem neu errichteten Gebäude, das mit seiner architektonischen Gestaltung und Schönheit offensichtlich auch damals schon die Parlamentarier stark beeindruckte.

Bei der Eröffnung der Sitzung am 16. Januar 1899 sagte der Alterspräsident, der Abgeordnete von Voß:
"Wir sind mit Beginn dieser Session aus unserem alten Hause am Dö nhoffplatz mit seinen vielen, oft beklagten Missständen in dieses neue, monumentale Gebäude eingezogen, dessen prächtige Ein- und Aufgänge, dessen glänzende, weitgestreckte Räume und Hallen sich uns geöffnet haben... Zunächst fühlen wir uns doch von der Grö ße der Dimensionen, von Glanz und Licht und Schönheit fast beengt und geblendet... Gewiß aber müssen wir jetzt schon anerkennen, daß dem Abgeordnetenhaus hier ein überaus würdiges, stattliches Heim geschaffen ist. Hoffen wir, meine Herren, daß die Weite der Räume uns einander nicht ferner rückt, daß wir uns immer in eng geschlossenen Reihen zusammenfinden werden, wenn es das Wohl des Vaterlandes gilt; hoffen wir, daß die Werke dieses Hauses allezeit adäquat der glänzenden Umgebung erscheinen mögen." So weit damals der Alterspräsident.

Meine Damen und Herren, aus Anlass des bevorstehenden 100. Jahrestages der ersten Plenarsitzung haben wir heute im Eingangsbereich unseres Hauses den ersten Teil der Dauerausstellung "Der Preußische Landtag" eröffnet. Ich empfehle diese Ausstellung Ihrer Aufmerksamkeit.

Wir alle wissen, dass dieses Gebäude später alle Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts durchstehen musste. Seit 1993 ist es aber auch ein Symbol des neuen, des wiedervereinigten Berlin. Auch sein Standort zwischen der Topographie des Terrors und dem Rest der Berliner Mauer einerseits und den Neubauten am Potsdamer Platz andererseits wird immer symbolhaft bleiben.

Berlin wird immer der Ort sein, an dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hautnah berühren. Hier wird immer deutlich sein, dass die Erfahrungen und Lehren der Vergangenheit für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft unverzichtbar sind.
Meine Damen und Herren, die beiden Jahrestage, an die wir uns heute erinnern, stehen am Beginn eines für die deutsche Hauptstadt zukunftweisenden Jahres.

Berlin wird der Platz sein, an dem sich Deutschland den Herausforderungen der Zukunft stellt.
Das Abgeordnetenhaus von Berlin wird auch künftig seinen Beitrag leisten, wenn es darum geht, diese Herausforderungen zu bewältigen.

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