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800-Jahr-Feier von Köpenick

10.02.2009, Rathaus Köpenick

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Walter Momper
10.02.2009, Rathaus Köpenick

Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, zur 800-Jahr-Feier von Köpenick am 10. Januar 2009 im Rathaus Köpenick
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- Es gilt das gesprochene Wort -

Zur 800-Jahr-Feier der Stadt Köpenick überbringe ich Ihnen die Grüße der Nachbarstadt Berlin und die neidlose Anerkennung, dass die Nennung Köpenicks eben 28 Jahre älter ist als die von Berlin. Immerhin, für das Jahr 2037 laden wir jetzt schon alle Köpenicker zur 800-Jahr-Feier nach Berlin ein.

Wenn wir Berliner an Köpenick denken, denken wir an die Müggelberge, den Müggelsee und an Dahme und Spree. Eine einmalige Erholungslandschaft aus Wäldern und Seen.

Treptow-Köpenick ist der flächenmäßig größte und der grünste Bezirk Berlins. Nicht nur dass der Bezirk älter ist als Berlin, er hat auch den höchsten Berg und den größten See in der Hauptstadt, den Müggelberg und den Müggelsee.

Durch den Zusammenschluss mit dem Bezirk Treptow hat Treptow-Köpenick das größte zusammenhängende Industrieareal in der Stadt, das sich mehr und mehr zu einem Standort mit Zukunftstechnologien entwickelt. Köpenick und Treptow stehen für eine großartige und ruhmreiche industrielle Vergangenheit. Hier war die Wiege des Blaudrucks in Treptow, des deutschen Flugwesens in Johannisthal, der Agfa, der Firma Büssing NAG und der AEG, um nur einige zu nennen. In Adlershof entstehen die Technologien und die Fabriken der Zukunft. Adlershof selbst als naturwissenschaftlich-technischer Ort ist Zukunft!

Der Name Köpenick ist im Berliner Raum der älteste überlieferte Ortsname. Es geht auf das altpolabische Wort "Kop'nik" zurück, das soviel wie "Ansiedlung auf einem Erd- oder Grenzhügel" bedeutet. Die Archäologen berichten, dass die spätslawische Burg Köpenick sich im frühen Mittelalter zu einem wirtschaftlich und politischen Zentrum mit stadtartigem Charakter entwickelte. Als einziger slawischer Fürst ist allerdings nur Jaxa de Copnic urkundlich erwähnt. Aus seiner Zeit stammt auch die Münze, die als Vorlage für eine Jubiläumsmedaille dient, die heute von der Berliner Sparkasse vorgestellt wurde und in limitierter Auflage in ihren Köpenicker Filialen angeboten wird. Kurzfristig eroberte er wohl Brandenburg, verlor die Mark aber 1157 wieder an Albrecht den Bären. Das Köpenicker Fürstentum konnte sich noch einige Jahrzehnte halten, um an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert in die Hände der Markgrafen von Meißen zu gelangen. Am 10. Februar 1209 stellte der Markgraf Konrad von Wettin eine Urkunde über Köpenick aus und auf dem Gebiet der heutigen Altstadt entwickelte sich eine frühdeutsche Siedlung. Das war der Anfang der Stadt Köpenick.

Wenn sie Köpenick hören, dann denken die Menschen deutschlandweit und international an den historischen Streich, der sich vor gut 100 Jahren ereignet hat und der Köpenick auch heute noch Weltruhm einbringt: Der Auftritt des berühmten Hauptmanns von Köpenick. Unvergesslich bleibt der 16. Oktober 1906, an dem der mittellose Schuster Wilhelm Voigt in einer zuvor erworbenen Hauptmannsuniform des 1. Garderegiments mit zehn Soldaten Bürgermeister Georg Langhans verhaftete, um sich der Stadtkasse zu bemächtigen. Der Coup flog erst nach dem Verschwinden des mehrfach Vorbestraften auf. Der zwei Tage später verhaftete Voigt ging als "Hauptmann von Köpenick" in die Geschichte ein.

Ganz Deutschland machte sich damals über den Geniestreich lustig. Der Kaiser forderte unverzüglich einen telegrafischen Bericht über die Affäre an. In Carl Zuckmayers Volksstück wird berichtet, dass der Kaiser gelacht haben soll und Schuster Voigt als "genialen Kerl" bezeichnet hat.

Heute steht der Hauptmann als Bronzefigur vor dem Rathaus und begrüßt die Besucher. Zudem erinnert eine Gedenktafel und eine Ausstellung an den Streich. Und bei Feierlichkeiten taucht der legendäre Hauptmann in Person auf, zur Freude der Köpenicker, der Touristen und der Fotografen.

Aber wie es in der Geschichte ist, es gibt auch dunkle Seiten. Das gilt auch für Köpenick. Immer noch eine schmerzende Wunde hinterlässt bis heute die Köpenicker Blutwoche, die als Menetekel der Machtergreifung durch die Nazis den Menschen im ganzen Reich Angst machte und den Terror verbreitet.

Im Juni 1933 misshandelte die SA in ihrer Folterstätte Regimegegner, vor allem Mitglieder der SPD und der KPD. Sie wurden brutal gefoltert und gequält. Mehr als 20 Regimegegner verloren das Leben oder wurden ermordet. Unter den Ermordeten war auch der SPD-Reichstagsabgeordnete Johannes Stelling. Und es war für alle Oppositionellen im Reich eine furchtbare Drohung, dass selbst ein bekannter Reichstagsabgeordneter nicht sicher war vor Verfolgung und Mord. Das musste alle Oppositionellen und alle anderen Menschen einschüchtern.

Die Opfer mögen unterschiedliche Auffassungen vertreten haben, aber gemeinsam waren ihnen, dass sie Gegner jenes Systems waren, das uns Deutschen das größte Unheil unserer Geschichte gebracht hat. Es entspricht ihrem politischen Vermächtnis, dass wir über unterschiedliche Auffassungen hinweg zusammenstehen, wenn es darum geht, Rechtsstaat und die Demokratie zu wahren und neues Unheil abzuwehren.

Angesichts der immer noch schwelenden Gefahr von Rechts und der NPD hier vor Ort ist es mehr denn je geboten, den Anfängen zu wehren. So gesehen ist die Präsenz der NPD hier in Köpenick für uns alle ständige Provokation. Wir wollen die braune Pest nicht in Köpenick und nirgendwo in Berlin und Deutschland. Das machen die Bürgerinnen und Bürger bei ihren Demonstrationen gegen die NPD immer wieder eindrucksvoll deutlich. Das zivilgesellschaftliche Engagement gegen die Neonazis wird im Ausland aufmerksam registriert. Das ist wichtig. Es ist meine persönliche Meinung, dass wir - der Staat und die Politik - die NPD endlich verbieten müssen. Das sind wir den Opfern der Köpenicker Blutwoche und unseren Bürgerinnen und Bürgern schuldig.

Heute fällt der Startschuss für das bunte Treiben zum 800-jährigen Jubiläum des Bezirks. Wettbewerbe, Konzerte, ein großer Festumzug im Juni, ein Wasserfest und ein Weinfest, das gemeinsame Feiern mit den Partnerstädten und die Erinnerung an den Mauerfall werden stattfinden. Die Organisatoren unterstreichen die Bedeutung des Jubiläums mit einer unüberhörbaren Berliner Note: Am 22. September werden die Berliner Philharmoniker Treptow-Köpenick mit einem Jubiläumskonzert begeistern. Das ist unser besonderer Gruß an die Nachbarn in Treptow-Köpenick. Sie sehen, es gibt nicht nur einen "heißen Sommer", sondern vieles mehr.

Ich wünsche den Bürgerinnen und Bürgern von Treptow-Köpenick zur 800-Jahr-Feier alles Gute, gelungene Veranstaltungen und gutes Wetter - und 2037 sehen wir uns in Berlin zur 800-Jahr-Feier wieder.

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