1. zur Suche
  2. zur Hauptnavigation
  3. zum Inhalt
  4. zum Bereichsmenü
Logo des Abgeordnetenhauses

Ansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper anlässlich der Enthüllung des Ehrenbürgerporträts von George H. W. Bush

31.08.2011 14:00, im Festsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin

nach unten

Walter Momper
31.08.2011, im Festsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin

-Es gilt das gesprochne Wort-

Wir ehren heute George Bush, den früheren Präsidenten der USA, dessen Politik unsere Stadt Berlin die Einheit in Freiheit gebracht hat. Zugleich erinnern wir damit an die Leistungen der Vereinigten Staaten, die zusammen mit Großbritannien und Frankreich die Freiheit West-Berlins in den Jahren der Bedrängnis nach dem Krieg bewahrt haben.

Wir überqueren in Berlin jeden Tag eine unsichtbar gewordene Grenze – auf dem Weg zur Arbeit, beim Besuch unserer Angehörigen, beim Treffen mit Freunden. Doch diese Freiheit, die uns heute so natürlich vorkommt, war noch vor etwas über zwei Jahrzehnten undenkbar. Die Freiheit musste erarbeitet werden. Denn genauso wie die Mauer menschengemacht war, musste sie von Menschen überwunden werden.

Berlin ist heute eine der spannendsten Städte Europas. Die Weltoffenheit und die stete Veränderung Berlins faszinieren Menschen in aller Welt. Diese Stadt ist zum Sehnsuchtsort für so Viele geworden. All das wäre ohne den wachen Verstand und die Weisheit der amerikanischen Politik am Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre nicht möglich gewesen. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika George Bush hat für die Freiheit Berlins entscheidende Weichen gestellt.

Sein Außenminister James Baker hat vor einigen Jahren einmal gesagt: „Wir Amerikaner haben nie auf der Mauer getanzt.“ Damit spielte James Baker auf die ausdrückliche Besonnenheit von Präsident George Bush an. Im Angesicht der Bilder vom Herbst 1989 sagte George Bush: „Ich bin kein sehr emotionaler Mensch.“ Das mochte kühl klingen. Doch dahinter steckte diplomatische Weisheit: Präsident Bush brachte sein sowjetisches Gegenüber Michail Gorbatschow nie in Verlegenheit. Keine Siegerpose. Aber niemand darf sich täuschen: Gepaart mit dieser Besonnenheit waren immer das Vertrauen in ein friedliches Deutschland und der feste Wille, die Wiedervereinigung durchzusetzen. Dieses Nebeneinander von Besonnenheit und Klarheit in der Sache hat George Bush zu einem weitsichtigen Außenpolitiker gemacht.

Manchmal wird heute vom Fall des Eisernen Vorhangs so gesprochen, als sei das quasi das schicksalhafte Resultat der Implosion der Sowjetunion. Doch werfen wir einen Blick in die Gegenwart: An Nordkorea sehen wir, wie lange sich ein überholtes System halten kann. An den Revolutionen im arabischen Raum sehen wir den Blutzoll, den diese Völker für ihre Freiheit leisten müssen.

Der Fall der Mauer verlief ohne Blutvergießen und er kam sehr plötzlich. Aber die Gefahren waren groß. Die Entwicklung Europas in der kritischen Situation des Jahres 1989 war kein Schicksal. Es waren George Bush und Michail Gorbatschow, die die Vorgänge richtig gedeutet haben. Sie sind ihrer historischen Verantwortung an diesem Wendepunkt der Geschichte gerecht geworden. Die Geschichte ist für Deutschland und Berlin viel glücklicher verlaufen, als wir hoffen konnten und gehofft haben. Unser Dank dafür gebührt diesen beiden Staatsmännern.

Die Begründung der Ehrenbürgerschaft von George Bush bringt diesen Dank zum Ausdruck. Der Text von 1999 lautet:

„Wir, der Senat und das Abgeordnetenhaus von Berlin, bekunden hiermit, dass wir

Herrn George Bush

in Anerkennung seiner Verdienste um Berlin die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin verliehen haben.

Die Bürgerinnen und Bürger Berlins danken George Bush damit für seinen maßgeblichen Anteil an der Wiedererlangung der Einheit Deutschlands. Als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat er mit politischem Weitblick, Mut und Engagement Deutschland und seine alte und neue Hauptstadt auf ihrem Weg zur Wiedervereinigung nicht nur begleitet, er hat die Interessen unseres Landes auf internationaler Ebene entscheidend gefördert.

Mit seiner klugen Politik hat es George Bush verstanden, Hindernisse im Rahmen des Einigungsprozesses zu überwinden und weltweit das Vertrauen zu stärken, dass das geeinte Deutschland ein weltoffenes, stabiles und friedliebendes Mitglied der Völkerfamilie sein werde. Besonders Berlin, die Stadt, die die Jahrzehnte der Teilung am schmerzlichsten erfahren hat, gewann durch sein Wirken neue Perspektiven.

Mit seinem konsequenten Eintreten für die Einheit in Freiheit hat George Bush ein neues, glückliches Kapitel in der Nachkriegsgeschichte Berlins aufgeschlagen. Wir würdigen mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde einen aufrichtigen Demokraten und treuen Freund Berlins, der sich bleibende Verdienste um das Wohl unserer Stadt erworben hat.

Wir sagen George Bush Dank!

Diesen Dank für unseren Ehrenbürger werden wir mit seinem Portrait sichtbar machen. Über 100.000 Menschen haben in dieser Wahlperiode das Abgeordnetenhaus von Berlin besucht. Es werden also künftig viele Besucherinnen und Besucher dieses wunderbare Portrait von Chas Fagan in unserer Ehrenbürger-Galerie betrachten. Dadurch wird uns die Verbundenheit von George Bush mit uns Berlinerinnen und Berlinern stets bewusst bleiben.

In der Präsidentenbibliothek von George Bush in College Station, Texas, steht ein Teil der Berliner Mauer. Sie bildet – so habe ich mir sagen lassen – das Herzstück seiner Präsidentenbibliothek. Tausende Besucherinnen und Besucher sehen jedes Jahr dieses Symbol für die politischen Leistungen von George Bush. Ich denke, es wird George Bush freuen, wenn er hört: Auch im Herzen Berlins werden von nun an jeden Tag die Besucherinnen und Besucher des Abgeordnetenhauses an seine großen Leistungen für Berlin und für Deutschland erinnert.

- - -

nach oben

Auf dieser Website ist die Webstatistik Piwik datenschutzkonform installiert. | Mehr Infos & Datenschutz