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Ansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper anlässlich der Verabschiedung des Gründungsdirektors des Alliiertenmuseums Dr. Helmut Trotnow

04.02.2010 16:30, Alliiertes Museum

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Walter Momper
04.02.2010, Alliiertes Museum

am Donnerstag, dem 4. Februar 2010, 16.30 Uhr, Alliiertes Museum

- Es gilt das gesprochene Wort. -
Sperrfrist 4.2.2010/ 16.30 Uhr

Dr. Helmut Trotnow geht nach einem bewegten und umtriebigen Arbeitsleben in den Ruhestand. Er ist bereits jetzt zu einer Legende für die Freundschaft und Verbundenheit West-Berlins mit den drei Westalliierten geworden.

Helmut Trotnow wurde am 23. Juli 1946 in Bad Segeberg in Schleswig-Holstein geboren. Als Jugendlicher in Malente spielt er begeistert Fußball - wie ich mir habe sagen lassen - mit der Fußballikone Uwe Seeler! Noch wichtiger als Fußball ist ihm die Musik. Er spielte in einer Gymnasiastenband, die sogar Auftritte im berühmten Hamburger Star-Club hat. Die Leidenschaft zur Musik hat Helmut Trotnow bis heute bewahrt. Die anderen Hobbies wie Fotografieren und Kochen sind dann später dazugekommen.

Die Studienzeit absolviert Helmut Trotnow von 1967 bis 1970 in Kiel, Cambridge und Stuttgart. Er studiert Geschichte und Englisch und promoviert von 1973 bis 1975 an der London School of Economics and Political Sciences in "International History". Von 1971 bis 1976 arbeitet er als Dozent für "German Studies" an verschiedenen Universitäten, bis er 1977 nach Deutschland zurückkehrt. Beim Akademischen Austauschdienst in Bonn nimmt Helmut Trotnow anschließend eine Tätigkeit als Referent auf. 1978 wechselt er in das Bonner Wirtschaftszentrum des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Er bleibt dort bis 1987. Im Jahre 1982 übernimmt er zusätzlich die Geschäftsführung des Vereins Bildung und Begabung in Bonn.

Von 1987 bis 1996 ist Helmut Trotnow als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Historischen Museum Berlin tätig. Hier zeichnet er verantwortlich für drei große Projekte: die Gedenkstätte Berliner Mauer, das Museum zur Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen in Berlin-Karlshorst und das Alliierten-Museum. Seit 1994 widmet sich Helmut Trotnow zuerst als Leiter des Aufbaustabs der Konzeption des künftigen Alliierten-Museums. Nach drei Jahren Vorbereitungszeit wird das Alliierten-Museum am 10.Oktober 1996 mit der Bildung eines internationalen Trägervereins gegründet. Neben den ehemaligen drei Westmächten USA, Großbritannien und Frankreich sind der Bund, das Land Berlin, das Institut für Zeitgeschichte in München und das Deutsche Historische Museum in Berlin Mitglieder des Vereins. Das Deutsche Historische Museum hat die Federführung bei der Planung. Historiker, Archivare und Museumsexperten aus den verschiedenen beteiligten Bereichen erarbeiten die konzeptionellen Grundlagen.

Heute ehren wir den Gründungsdirektor Dr. Helmut Trotnow, der mit großer Begeisterung und hohem Engagement über all die Jahre hinweg für sein Museum gekämpft hat. Hier, wo wir heute stehen, im ehemaligen US-Kino "Outpost" an der Zehlendorfer Clayallee wurde die erste Ausstellung eröffnet. Jedes Exponat - damals wie heute - dokumentiert ein Stück lebendiger Geschichte Berlins. Das berühmteste Exponat der ersten Ausstellung war die Ostfassade der ersten Kontrollbaracke des Checkpoint Charlie, die im September 1961 auf der Friedrichstraße errichtet worden war.

In den letzten rund eineinhalb Jahrzehnten hat sich Helmut Trotnow dafür eingesetzt, dass die Leistung der Schutzmächte für die Freiheit Berlins und die Verteidigung unserer Demokratie nicht in Vergessenheit gerät. Inzwischen beherbergt das Museum eine internationale und weltweit einzigartige Dokumentation mit über 30.000 Einzelstücken. Die kontinuierliche, hochkompetente und profilierte Arbeit von Helmut Trotnow lässt das Museum aus den Nähten platzen. Es ist zu klein geworden, um all die Schätze angemessen aufarbeiten und präsentieren zu können. Und es liegt ein wenig abgelegen, um die große Öffentlichkeit anzuziehen. Zudem steht das Kino Outpost unter Denkmalschutz.

Die einmalige Sammlung des historischen Erbes der Jahre 1945 bis 1994 sollte allerdings an einem authentischen Ort alliierter Präsenz gezeigt werden. Da ist der Vorschlag Flughafen Tempelhof ideal. Blockade und Luftbrücke sind unverbrüchlich mit der Freiheit der Menschen in Berlin verbunden. Beide Begriffe stehen symbolisch für die Leistungen der drei Schutzmächte in Berlin, für ihre Opfer und ihre Arbeit für diese Stadt. Aus Feinden wurden Freunde. Dieses Motto des Alliierten-Museums könnte treffender nicht sein und beschreibt in wenigen Worten die Entwicklung der letzten 65 Jahre. Ohne den Erfolg der Luftbrücke hätte es die deutsche Einheit so nicht gegeben. Das Museum ist deshalb auch Ausdruck tief empfundener Dankbarkeit der Berlinerinnen und Berliner gegenüber den westalliierten Soldaten und ihren Regierungen. Aus Siegern und Besatzern wurden erst Beschützer, dann Freunde und Partner. Es sei hier nur an die Berlin-Krise 1958 und an den Bau der Mauer 1961 erinnert. Mit dem Umzug des Museums an den Flughafen Tempelhof würde man die eindruckvollen Gebäude des Flughafens zugänglich machen und damit den Mythos Tempelhof lebendig und anschaulich erhalten.

Helmut Trotnow hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Leistungen der West-Alliierten und die Verbundenheit zwischen unseren Völkern zu dokumentieren und zeitgeschichtliche Exponate darüber zu sammeln. So entstand in vielen Ausstellungen ein beeindruckendes Bild aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Wir brauchen nicht nur die Aufarbeitung und Bewertung historischer Forschung, wir brauchen auch Berichte und Erzählungen von Zeitzeugen. Wir brauchen die historischen Ausstellungsstücke - ob militärisch oder privat - , um Geschichte lebendig und wahrhaftig erzählen zu können. Auf diesem Feld hat Helmut Trotnow wegweisende Arbeit geleistet. Er ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen in Büchern,wissenschaftlichen Zeitschriften, Katalogen und Zeitungen zur deutschen und internationalen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Für seine Arbeit erhielt Helmut Trotnow eine große Auszeichnung: Ihm wurde der "Order of the British Empire" verliehen.

Quasi bis zur letzten Minute nehmen Sie, sehr geehrter Herr Trotnow, Ihre Aufgabe als Direktor des Museums wahr: Im Dezember letzten Jahres stellen Sie Ihr Memorandum zur Zukunft Ihres Museums vor. Auch wenn Sie als Direktor Abschied nehmen und die Geschicke des Museums in die Hände von Frau Dr. Bavendamm legen, ihr Engagement für die Sache werden Sie - da bin ich mir sicher - auch im Ruhestand weiterhin einbringen.

Ich danke Ihnen.
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