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Ansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, anlässlich des Hoffests der Schornsteinfeger-Innung Berlin

03.09.2011 15:30, Westfälische Str. 87, Berlin Wilmersdorf

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Walter Momper
03.09.2011, Westfälische Str. 87, Berlin Wilmersdorf

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ich freue mich, heute wieder am Hoffest der Schornsteinfeger-Innung und an der Freisprechungsfeier teilzunehmen. Zunächst möchte mich an alle wenden, die heute ihren großen Tag haben:

Liebe künftige Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger,

die Freisprechung bildet für Sie ganz sicher nicht nur das formale Ende Ihrer Ausbildungszeit. Heute werden viele von Ihnen an die Zeit des Lernens zurückdenken. Sie werden aber nicht nur Wissen, sondern auch neue Freunde gewonnen haben. Und natürlich denken Sie alle mit Freude an ihre gütigen und weisen Ausbilder zurück, die Ihnen das Leben schwer gemacht haben.

An den heutigen Tag der Freisprechung werden Sie sich Ihr ganzes Leben über erinnern. Es wird eine Wegmarke sein, ein Abschluss und der Start eines neuen Lebensabschnittes.

Für Ihre Zukunft als Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger wünsche ich Ihnen allzeit viel Spaß an der Arbeit. Hoffentlich bringen Sie nicht nur anderen Glück, sondern sind auch persönlich glücklich mit Ihrer Arbeit.

Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger sind immer gern gesehen auf den Straßen und in den Häusern unserer Stadt. Nicht nur wegen des Aberglaubens, dass Schornsteinfeger Glück bringen. Auch, weil das ein Beruf ist, bei dem man sich um die Sicherheit anderer kümmert. Das macht Ihren Beruf zu einer angesehenen und respektierten Arbeit. Für Ihr berufliches und Ihr privates Leben will ich Ihnen allen an diesem wichtigen Tag in diesem Leben alles Gute wünschen.

Der Regierende Bürgermeister würde Sie jetzt sicherlich auffordern, diesen Anlass heute zu nutzen und ordentlich zu feiern. Diese Aufforderung muss ich heute übernehmen. Also: Feiern Sie schön, ein oder zwei Bierchen haben Sie sich verdient!

Die Aufgaben Ihres Berufsstandes gehen heute weit über das Reinigen von Schornsteinen hinaus. Daneben messen Sie auch Kohlenmonoxid-Ausstoß, Rußgehalt von Ölheizungen und vieles andere.

Damit sind Schornsteinfeger ein typisches Beispiel für moderne Facharbeiter in Deutschland. Ihr Beruf ist mit hohen Anforderungen und viel Gefühl für Sorgfalt und Verantwortung verbunden. Es ist eben so, dass Handwerk nicht mehr nur mit „den Händen arbeiten“ heißt. Heute braucht das Handwerk genauso viel Köpfchen. Und weil das Handwerk nah am Kunden arbeitet, brauchen gute Handwerker immer auch Herz und Schnauze.

Wir haben heute ja nicht nur dieses wunderbare Hoffest. Heute ist auch der „Tag des Handwerks 2011“. Unter dem Motto „Deutschland ist handgemacht“ sollen heute die fast Eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland hochleben. Ich finde, dazu gibt es allen Grund. Das Handwerk steht nicht nur für Qualitätsarbeit, es ist und bleibt ein Motor der Ausbildung und bietet Arbeitsplätze für Millionen Menschen in Deutschland. Das Handwerk ist das Rückgrat des Mittelstandes und als regionale Wirtschaftsstruktur eine starke Säule der deutschen Wirtschaft.

Ich finde, wir können froh und stolz auf die Traditionen von Handwerk und Facharbeit in Deutschland sein. Sie hat dazu beigetragen, unsere Wirtschaft stark zu machen und „Made in Germany“ zu einer Marke gemacht.

Deshalb bin ich mir auch ganz sicher, dass sich die Berliner Handwerker auch nach Beginn der Arbeitnehmerfreizügigkeit durchsetzen werden. Denn es ist doch ganz klar: Nur billig ist nicht immer gut. Das sagt schon das alte Sprichwort: Wer billig kauft, kauft zwei Mal.

Aber die Politik muss auch Rahmenbedingungen setzen, damit das Berliner Handwerk weiter erfolgreich bleibt. Gerade die öffentliche Hand muss dafür sorgen, dass nicht Dumping-Löhne, sondern faire Löhne gezahlt werden. Bei öffentlichen Ausschreibungen müssen Qualitätskriterien groß geschrieben werden, wenn wir den Bürgern gute Leistungen liefern wollen.

Genau darum wird es auch bei den großen Infrastruktur-Projekten gehen: Der neue Flughafen BBI wird auf die gesamte Wirtschaftsstruktur ausstrahlen, auch auf das Handwerk. Genauso wird das Areal des Flughafen Tegel ein neuer Motor für Investitionen und Jobs sein.

Die Zukunft der Berliner Wirtschaft wird auch, aber nicht nur mit Werbeagenturen und Dienstleistungen bestritten werden. Spezialisierte Industrien und ein Ausbau der wirtschaftlichen Basis stehen im Mittelpunkt der Landespolitik, und das sollte auch so bleiben.

Die Herausforderungen beim Klimaschutz werden nicht nur neue Investitionen mit sich bringen. Im Zuge von mehr Energie-Effizienz wird auch das Schornsteinfeger-Handwerk seine Rolle spielen – mit seiner Expertise als Ratgeber, aber auch bei der Kontrolle.

Als Präsident des Abgeordnetenhauses bin ich zwar jedes Jahr beim Sommerfest der Schornsteinfeger-Innung. Aber dieses Jahr ist natürlich kein Jahr wie jedes Jahr.

In 15 Tagen werden die Berlinerinnen und Berliner ein neues Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen wählen. Gerade weil heute so viele junge Menschen hier sind, möchte ich darauf zu sprechen kommen. Man hört immer wieder den Satz: „Ich interessiere mich nicht für Politik“.

Doch diese Haltung ist zu kurz gedacht. Denn die beeinflussen das Leben aller ganz konkret. Ob es um die Schulen, den Verkehr, die Sicherheit auf unseren Straßen oder das Wasser aus der Leitung geht: Jeder Bürger, jede Bürgerin ist von der Stadtpolitik betroffen.

Deshalb frage ich einmal provozierend: Sind uns die Schulen egal? Das Leitungswasser? Der Verkehr? Die öffentliche Sicherheit? – Ich glaube, wir alle sind stolz auf Berlin, auf unsere Kieze und unsere Stadtteile. Darum sollte es uns Berlin Wert sein, am 18. September wählen zu gehen.

Das Schornsteinfeger-Wesen ist ein stolzes Handwerk, und das vollkommen zurecht. Für Ihre Arbeit für unsere Stadt und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger Berlins möchte ich Ihnen an diesem Tag Dank sagen.

Jetzt wünsche ich Ihnen allen ein wunderbares Sommerfest mit guten Gesprächen und eine angenehme Zeit. Genießen Sie den Spätsommer – oder was davon übrig bleibt.

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