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Ansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, bei der Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille an Frau Prof. Barbara John

19.01.2008 18:00, Abgeordnetenhaus, Festsaal

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Walter Momper
26.04.2007, Abgeordnetenhaus, Festsaal

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- Es gilt das gesprochene Wort -

Ich begrüße Sie alle herzlich zu dieser Feierstunde im Festsaal des Abgeordnetenhauses.

In diesem Jahr werden Sie, sehr geehrte Frau John, mit der Louise-Schroeder-Medaille ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung ist 1998 auf Anregung der frauenpolitischen Sprecherinnen aller Fraktionen des Abgeordnetenhauses geschaffen worden. Das "Kuratorium Louise-Schroeder-Medaille", das vom Abgeordnetenhaus für die Dauer der Wahlperiode eingesetzt wird, und das sich aus 13 Parlamentarierinnen und nicht dem Parlament angehörenden Bürgerinnen zusammensetzt, schlägt dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses eine Persönlichkeit oder Institution zur Auszeichnung vor. Alle Bürgerinnen und Bürger können Vorschläge an das Kuratorium einreichen. Das Kuratorium berät über die eingegangenen Vorschläge. Der aus dieser Beratung hervorgegangene Entscheidungsvorschlag wird anschließend im Präsidium des Abgeordnetenhauses diskutiert und abgestimmt.

Die Louise-Schroeder-Medaille wird seit 1998 verliehen. Im ersten Jahr an Carola Stern, dann 1999 an Hanna-Renate Laurien, die sie allerdings 2002 wieder zurück gab. Im Jahr 2000 an den Verein "süd-ost Europa Kultur e.V.", 2002 an Daniela Dahn und 2003 an Ella Barowsky. Die Redaktion "Zeitpunkte" des Rundfunks Berlin-Brandenburg erhielt die Medaille im Jahre 2004. 2005 folgte Jutta Limbach und 2006 wurde die Ärztin Gisela Albrecht geehrt. 2001 konnte die Medaille nicht verliehen werden, weil der damalige Vorschlag nicht von allen Fraktionen getragen wurde.

Der diesjährige Vorschlag, Barbara John die Medaille zu verleihen, stieß auf einhellige Zustimmung, über alle Parteigrenzen hinweg. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Sie, sehr geehrte Frau John, fast 22 Jahre lang als Ausländerbeauftragte des Landes Berlin eine feste Größe in der Politik waren und sich mit großem Engagement und Durchsetzungsvermögen für die Integration der Zuwanderinnen und Zuwanderer in unserer Stadt eingesetzt haben.

Als allererste Ausländerbeauftragte bundesweit haben Sie wahre Pionierarbeit geleistet.

Als Sie 1981 vom Berliner Senat ernannt wurden, standen Sie vor der großen Aufgabe, eine neue Behörde zu einer kompetenten Anlaufstelle werden zu lassen. Im Laufe der Jahre haben Sie mit großer Sensibilität und Empathie nicht nur das Vertrauen von Menschen ganz unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft gewonnen, sondern Sie haben auch bei der Mehrheit der Berlinerinnen und Berlinern Verständnis, Anerkennung und Wertschätzung für Ihre Arbeit gefunden.

Sie haben mit dazu beigetragen, dass die Notwendigkeit der Integration von Zuwanderern und deren gleichberechtigte Teilhabe an unserer Gesellschaft Konsens geworden ist. Sie haben in Ihrer langen Dienstzeit als Ausländerbeauftragte dieses Amt geprägt und waren bundesweit ein Vorbild für alle die später in einem solchen Amt oder in der praktischen Integrationsarbeit gearbeitet haben oder noch arbeiten.

Zu Beginn Ihrer Amtszeit stand die Einzelfallbetreuung im Vordergrund. In einer Zeitungsausgabe der damaligen Zeit wurden Sie liebevoll als "Türkenmutter mit Diplom" bezeichnet. Sie sprechen selbst türkisch und strahlen Herzenswärme aus. Diese Benennung war für Sie also ein großes Lob. Die hohe politische Verantwortung und Ernsthaftigkeit mit der Sie ihre Arbeit geleistet und Ihr Amt ausgeführt haben, haben die Menschen gespürt. In Anerkennung dieser Arbeit wählte der Deutsche Staatsbürgerinnenverband Sie 1983 zur Frau des Jahres!

Bis heute setzen Sie sich aktiv und nachdrücklich in der Öffentlichkeit für die Teilhabe der Migrantinnen und Migranten an Bildung und Arbeit ein. Obwohl es Fortschritt auch in dieser Sache gab, sind immer noch Vorurteile und Abneigung gegen das Fremde zu bekämpfen. Es ist immer noch viel Aufklärung über Migration und Migranten zu leisten.

Nachdem Sie im Jahr 2003 als dienstälteste und bekannteste Ausländerbeauftragte Deutschlands in den Ruhestand gegangen sind, engagieren Sie sich in der ehrenamtlichen Arbeit. Besonders herausheben möchte ich Ihr Engagement beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin. Im letzten Jahr wählte Sie die Mitgliederversammlung zum zweiten Mal als Vorsitzende. Auch hier kämpfen Sie für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe der Schwächeren in unserer Gesellschaft.

Sehr geehrte Frau John, Sie sind Ihren Weg als Frau mit großem Selbstbewusstsein und Konsequenz gegangen. Sie haben sich nicht beirren lassen. In einem Zeitungsinterview nach Ihrem Lebensmotto gefragt, antworteten Sie "Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als über die Finsternis zu klagen." (Konfuzius)

Sehr geehrte Frau John, ich wünsche mir, dass Sie weiterhin mit so großem Optimismus tätig sind und möchte Ihnen für die geleistete Arbeit Danke sagen. Wir verleihen die Auszeichnung heute an eine Persönlichkeit, deren Name zum Markenzeichen für Integration und Toleranz geworden ist. Dafür danken wir Barbara John.

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