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Begrüßung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Hanna-Renate Laurien - Eine deutsche Europäerin“

03.03.2015, Plenarsaal

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Ich heiße Sie alle sehr herzlich zur Eröffnung der Ausstellung „Hanna-Renate Laurien – Eine deutsche Europäerin“ im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin willkommen.

Besonders freue ich mich Herrn Ministerpräsidenten a. D., Professor Dr. Bernhard Vogel, Herrn Regierenden Bürgermeister von Berlin a. D., Eberhard Diepgen, die langjährige Berliner Abgeordnete Frau Petra Merkel und den früheren Intendanten des Zweiten Deutschen Fernsehens, Herrn Professor Markus Schächter begrüßen zu können.

Ebenso möchte ich sehr herzlich die Angehörigen der Familie von Frau Dr. Laurien, Herrn Eckhard und Herrn Thomas Kutzer willkommen heißen.

Und auch besondere Ehrengäste aus Oppeln haben den weiten Weg auf sich genommen, um heute Abend bei uns sein zu können.

Ich darf sehr herzlich begrüßen Herrn Wojciech Lippa und Herrn Artur Wilpert.

An diesem Rednerpult nahm Dr. Hanna-Renate Laurien als Präsidentin des ersten Gesamtberliner Abgeordnetenhauses am 28. April 1993, nach Abschluss der zweijährigen Bauarbeiten zur Wiederherstellung des Gebäudes des ehemaligen Preußischen Landtages, den symbolischen Schlüssel für den neuen Sitz des Berliner Landesparlaments, aus den Händen des Baubeauftragten entgegen.

Wer war diese Frau, die mit großem Mut, Esprit, Entschlossenheit, Klugheit und Kompetenz über viele Jahre das politische Leben in Berlin maßgeblich mit geprägt hat?

„Temperamentvoll, resolut, kämpferisch – Hanna-Renate Laurien, die Grande Dame der Berliner Politik“ titelte einmal eine Berliner Tageszeitung. Genauso war „Hanna-Granata“ wie sie viele Berliner liebevoll genannt haben und so wird sie uns immer in Erinnerung bleiben.

Während sich die gebürtige Danzigerin von Beginn an als Lehrerin und Oberstudiendirektorin in Nordrhein-Westfalen, später in Rheinland-Pfalz als Staatssekräterin und Kultusministerin vor allem in der Bildungspolitik engagierte, prägte sie nach 1981 die Berliner Schulpolitik als zuständige Senatorin und später auch als Bürgermeisterin von Berlin.

Ihr Name wird immer eng mit unserer Stadt verbunden sein. Hanna-Renate Laurien hat sich stets der Auseinandersetzung gestellt, wenn ihr dies im Interesse der Sache erforderlich erschien. Sie hat gestritten und hart gekämpft, aber im Umgang mit dem politischen Gegner war sie immer fair.

Die CDU-Politikerin trug Ihre Auffassung immer geradlinig, konsequent und prinzipientreu vor. Mit dieser Haltung erwarb sie sich große Achtung und Autorität, weit über die Parteigrenzen hinweg. Dabei hat sie sich stets an ihren Erfahrungen und an ihrer christlichen Überzeugung orientiert.

Wer aber glaubte, eine konservative Politikerin wie sie könne zugleich nicht auch überraschend und erfrischend unkonventionell sein, der wurde oftmals von ihr überrascht.

Als sie nach den Wahlen 1989 aus dem Senat ausschied, arbeitete sie als Vorsitzende des Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses unbürokratisch und  mit großem Elan und griff so manches Mal tatkräftig, wie es so ihre Art war, in die Speichen der Verwaltung, wenn es darum ging, Bürgerinnen und Bürgern zu ihrem Recht zu verhelfen. Manch einem langsam mahlenden Mühlstein der Bürokratie verschaffte sie so ein wesentlich schnelleres Tempo.

In den vier Amtsjahren als Präsidentin des Abgeordnetenhauses von 1991 bis 1995 hat sie in bewegter Zeit viel bewirkt und auch jene für sich gewonnen, die zuvor Bedenken hatten, das Präsidentenamt einer so streitbaren Politikerin anzuvertrauen.

Sie leitete die Plenarsitzungen straff und achtete stets darauf, dass auch die Rechte und Ansprüche der Oppositionsparteien jederzeit gewahrt blieben.

In ihrer Amtszeit wurde das Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags für das Abgeordnetenhaus in der Rekordzeit von 22 Monaten wiederhergestellt. Sie leitete die Sitzungen der Parlamentarischen Baukommission und kontrollierte höchstpersönlich immer wieder den Baufortschritt.

1993 schließlich realisierte sie den Umzug des Abgeordnetenhauses vom Rathaus Schöneberg in den ehemaligen Preußischen Landtag.

Und dass in diesem Haus heute fünf Bilder des wohl bedeutensten Malers der Gegenwart, Gerhard Richter, hängen, ist der Initiative und nicht zuletzt ihrem Charme und ihrem Verhandlungsgeschick zu verdanken.

1995 kandidierte Frau Dr. Laurien nicht wieder für das Abgeordnetenhaus. Sie zog sich aus der Tagespolitik zurück, war aber weiterhin mit großem Engagement in ihren zahlreichen Ehrenämtern in Deutschland und im europäischen Ausland aktiv.

In der Katholischen Kirche war sie u. a. lange Jahre Mitglied im Zentralkommitee der Deutschen Katholiken und von 1991 bis 2000 Vorsitzende des Diözesanrates im Erzbistum Berlin.

Ebenso engagierte sie sich langjährig im Vorstand und Präsidiumn des Internationalen Bundes und war Mitbegründerin und Stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“.

Mit dem Abgeordnetenhaus blieb Frau Dr. Laurien in ihrer Funktion als Vorsitzende der Vereinigung der ehemaligen Mitglieder des Abgeordnetenhauses von 1996 bis 2010 eng verbunden. In Anerkennung ihrer Leistungen für Berlin verliehen ihr das Abgeordnetenhaus und der Senat von Berlin im März 1996 die Würde einer Stadtältesten von Berlin.

Mit zahlreichen weiteren hohen Auszeichnungen wurden ihre Verdienste in Politik, Kirche und Gesellschaft gewürdigt. An dieser Stelle möchte ich besonders das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und das Kommndeurskreuz des Verdienstordens der Republik Polen hervorheben, das ihr in Würdigung ihrer Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung 1996 verliehen wurde.

Dr. Hanna-Renate Laurien hat wärend ihres langen politischen und gesellschaftlichen Wirkens viel bewegt, viel erreicht und vor allem hat sie viele Menschen erreicht und dabei vielen ganz persönlich geholfen.

Und ich freue mich, dass die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf im Januar 2015 beschlossen hat, den Platz vor dem Rathaus Lankwitz nach ihr zu benennen; in dem Berliner Ortsteil also, indem Frau Dr. Laurien lange Jahre gewohnt hat.

Deshalb habe ich gerne die Idee der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ aufgenommen, anlässlich des bevorstehenden 5. Todestages von Frau Dr. Laurien die Ausstellung „Hanna-Renate Laurien – Eine deutsche Europäerin“ hier in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses von Berlin zu zeigen.

Die Ausstellung wurde im Oktober 2013 aus Anlass der Übergabe der umfangreichen Privatbibliothek von Frau Dr. Laurien an die Theologische Fakultät der Universität Oppeln erstmalig gezeigt und beinhaltet persönliche Statements von zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, in denen die Person und die Lebensleistung von Frau Dr. Laurien gewürdigt werden.

Daneben zeigt die Ausstellung, die in polnischer und deutscher Sprache verfasst wurde, eine Reihe von persönlichen Gegenständen aus ihrem privaten Nachlass.

Ich danke allen, die zum Gelingen der Ausstellung in Polen und in Deutschland beigetragen haben.

Mein besonderer Dank geht hier an Herrn Lippa und Herrn Wilpert. Ich danke der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ für ihre Initiative, und hier vor allem Herrn Kleine-Kraneburg und Herrn Dr. Parak.

Ich wünsche der Ausstellung zahlreiche Besucherinnen und Besucher und freue mich nun auf das Impulsreferat von Herrn Professor Schächter und die sich anschließende Gesprächsrunde mit Frau Merkel, Herrn Professor Vogel und Herrn Diepgen, die von der Journalistin, Frau Kupferberg moderiert wird. Zuvor sehen wir jedoch zur Einstimmung einen kurzen Film über Frau Dr. Laurien.

Im Anschluss an die Gesprächsrunde lade ich Sie alle zu einem Rundgang durch die Ausstellung und zu einem Empfang in die Wandelhalle und in das Casino des Hauses ein.

Hierzu darf ich Ihnen noch den Hinweis geben, dass sich Herr Professor Matthias Koeppel bereit erklärt hat, im Casino einige Erläuterungen zum Triptychon – „Die Öffnung der Berliner Mauer“ zu geben, das er im Auftrag des Abgeordnetenhauses für den neuen Parlamentssitz geschaffen hat und auf dem natürlich auch Frau
Dr. Laurien zu sehen ist.

Nochmals herzlich willkommen im Abgeordnetenhaus von Berlin!
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