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Begrüßung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „UNESCO-Welterbe: Ein Titel der verpflichtet“

05.06.2012 18:00, Abgeordnetenhaus

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-Es gilt das gesprochene Wort-

Ich begrüße Sie recht herzlich im Abgeordnetenhaus von Berlin zur Eröffnung der Ausstellung „UNESCO-Welterbe: Ein Titel der verpflichtet“. Konzipiert und umgesetzt wurde diese Ausstellung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und bietet Ihnen die Möglichkeit, einen besonderen Einblick in sechs denkmalgeschützte Siedlungen der Moderne zu erhalten.

Doch bevor ich meine Ansprache fortsetze, möchte ich unsere beiden jungen Künstlerinnen, Judith Franz und Theresia Harnisch von der Pankower Musikschule Belá Bartok begrüßen, die die heutige Ausstellungseröffnung – wie sie bereits schon hören konnten – auf dem Akkordeon und der Flöte musikalisch untermalen werden. Die beiden haben nicht nur am diesjährigen Regionalwettbewerb sondern auch am Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ teilgenommen und in beiden Wettbewerben hervorragende Ergebnisse erzielt. Herzlichen Glückwunsch euch beiden und herzlich Willkommen im Abgeordnetenhaus.

Es ist mir eine besondere Freude, diese Ausstellung gerade hier im Abgeordnetenhaus eröffnen zu dürfen. Und dies nicht allein deshalb, weil es die erste Ausstellungseröffnung seit meiner Amtsübernahme als Präsident des Abgeordnetenhauses ist, sondern weil ich mich auch einige Jahre beruflich mit städtebaulichen Projekten befasst habe und daher sehr wohl um die Bedeutung und Verantwortung für die Stätten des Welterbes weiß. Und nicht zuletzt finde ich es wichtig und richtig, den Abgeordneten des Berliner Landesparlamentes und den Besucherinnen und Besuchern dieses Hauses zu zeigen, was es für architektonische Kleinode in dieser Stadt gibt und welche Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung der Siedlungen des Welterbes durchgeführt wurden.

Die aktuelle Ausstellung stellt die Fortsetzung der Ausstellung „Siedlungen der Moderne“ dar, die mehrere Jahre lang sowohl national als auch international mit Erfolg gezeigt wurde. Während die erste Ausstellung die bauliche und architektonische Bedeutung der historischen Gebäude in den Vordergrund stellte, soll die aktuelle Ausstellung auf die energetische Sanierung, die Wohnumfeldverbesserungen und den aktiven Denkmalschutz aufmerksam machen. Fotografisch dokumentiert und mit Erläuterungen versehen, können Sie auf den hier ausgestellten Tafeln, die Entwicklung dieser Wohngebiete verfolgen. Zu ihnen gehören:
die Großsiedlung Britz in Neukölln,
die Weiße Stadt in Reinickendorf,
die Großsiedlung Siemensstadt in Charlottenburg und Spandau
die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg,
die Siedlung Schillerpark im Wedding und
die Gartenstadt Falkenberg in Treptow.

Bedeutende Architekten wie Bruno Taut, Walter Groupius oder Hans Scharoun sorgten mit ihren Bauten für neue Sachlichkeit und Funktionalität. Ich möchte an dieser Stelle nur ein Beispiel nennen. Denken Sie an die Hufeinsensiedlung in Britz, die Bruno Taut mit wenigen Mitteln zwar schlicht aber zweckmäßig gestaltete: Sprossenfenster und Klinkerverblendungen an den Gebäudeecken, Glatt­ und Rauputzflächen an den Außenwänden sowie hervorspringende Treppenhäuser. Besonders hervorzuheben ist die Farbgebung – die Außenfront in kräftigem Rot – das so genannte Berliner Rot – während die Eingänge in deutlichem Kontrast mit blauer Farbe gestaltet wurden. Mit bewundernswertem Blick für das Wesentliche wurde hier von Bruno Taut ein beeindruckendes bauliches Ensemble geschaffen.

Der heutige 5. Juni ist noch aus einem anderen Grund ein besonderer Tag. Vor genau sieben Jahren wurde zum ersten Mal in Deutschland ein UNESCO-Welterbetag ausgerufen. Initiatoren waren zum Einen die Deutsche UNESCO-Kommission und zum Anderen der UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. Seitdem findet der Welterbetag jedes Jahr am ersten Sonntag im Juni statt. Unter dem Motto "Auf Spurensuche im UNESCO-Welterbe", wurde er in diesem Jahr von der Welterbestätte „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ ausgerichtet. Berlin gehört im Übrigen zu den wenigen Städten Deutschlands, die auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten gleich mehrfach vertreten sind. Neben Schlössern und Parks von Potsdam und Berlin und der Museumsinsel Berlin gehören seit Juli 2008 auch die bereits genannten sechs Berliner Wohnsiedlungen der Moderne dazu.

Sie alle stellen einen bedeutenden Teil der Berliner Geschichte, Kultur und Architektur dar. In der Zeit ihrer Entstehung hoben sie sich stark von den zeitgenössischen Mietskasernen ab. Moderne, helle Wohnungen mit Küchen, Bädern und Balkonen, eingebettet in Gärten und Grünanlagen, ermöglichten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch ärmeren Bevölkerungs-schichten einen gesünderen und höheren Lebensstandard. Sie repräsentierten darüber hinaus einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus und übten in der Folgezeit beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau aus. Und doch tragen diese Orte keinen musealen Charakter; sie sind Wohnstätten und Lebensräume für die Menschen einer Großstadt. Und sie müssen Eines: den Anforderungen an ein modernes „Wohnen“ gerecht werden.

Bereits der Titel dieser Ausstellung macht deutlich, dass das Wohnen im Welterbe nicht nur etwas Besonderes ist, sondern auch eine Verpflichtung darstellt. Nämlich die Verpflichtung das Welterbe zu schützen, zu pflegen und für kommende Generationen zu erhalten.

Diese Verantwortung darf nicht unterschätzt werden. Ich erinnere nur an die Aberkennung des Welterbetitels für die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal im Juni 2009. Bereits zwei Jahre nach der Aufnahme in die Welterbeliste im Jahr 2004, beschloss die Stadt eine vierspurige Elbquerung mitten durch das Tal zu bauen. Das Elbtal rutschte auf die Rote Liste der geährdeten Stätten. Die UNESCO argumentierte, dass der Bau der Brücke die erhaltenswerte Kulturlandschaft des Elbtals zerstöre. Trotz eindringlicher Mahnung durch die Welterbehüter begann Ende 2007 der Bau der Waldschlösschenbrücke. Die Entscheidung der UNESCO kam daher nicht überraschend, traf die Stadt Dresden trotzdem sehr empfindlich, da die Aberkennung mit dem Entzug der finanziellen Zuwendungen verbunden war.

Welterbestätten verdienen besondere Aufmerksamkeit und Beachtung. In der Präambel der Welterbekonvention heißt es daher, dass Welterbestätten „..Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen…“ Es ist daher eine wichtige Aufgabe, den Denkmalschutz und die erforderliche Modernisierung so zu gestalten, dass die besondere Architektur und das einmalige Erscheinungsbild eines Gebäudekomplexes erhalten bleiben. Dieser Verantwortung ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bei der energetischen Sanierung und der Wohnumfeldverbesserung unter Beachtung der Auflagen des Denkmalschutzes gerecht geworden. Dafür möchte ich Ihnen meine Anerkennung aussprechen und Sie alle einladen, sich die Ausstellung genau anzusehen.

Ihnen wünsche ich einen schönen Eröffnungsabend mit spannenden Diskussionen und der Ausstellung wünsche ich, dass sie die verdiente Aufmerksamkeit und Anerkennung von allen Besucherinnen und Besuchern erhält.

Nochmals herzlich willkommen im Abgeordnetenhaus!

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