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Begrüßungsansprache zur Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille an Frau Dr. Birgit Rommelspacher

02.04.2009 10:30, Abgeordnetenhaus von Berlin, Festsaal

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Walter Momper
02.04.2009, Abgeordnetenhaus von Berlin, Festsaal

Begrüßungsansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper zur Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille an Frau Dr. Birgit Rommelspacher am 2. April 2009 um 10.30 Uhr im Festsaal des Abgeordnetenhauses
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- Es gilt das gesprochene Wort -

Wie jedes Jahr am 2. April kommen wir hier im Abgeordnetenhaus zusammen, um eine Frau auszuzeichnen, die dem politischen und persönlichen Vermächtnis von Louise Schroeder entspricht und sich in besonderer Weise Verdienste um Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die Gleichstellung von Männern und Frauen erworben hat. Heute würde Louise Schroeder ihren 122. Geburtstag feiern.

Der Schriftsteller Erich Kästner, der am 23. Februar 110 Jahre alt geworden wäre, hat einmal gesagt: „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Das hat auch Frau Prof. Dr. Birgit Rommelspacher geschafft, die in diesem Jahr mit der Louise-Schroeder-Medaille ausgezeichnet wird.

Die Psychologin und Pädagogin Birgit Rommelspacher lehrte von 1990 bis 2007 an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin Interkulturalität und Geschlechterstudien.

Mehr noch als ihre Arbeit an der Hochschule ist das gesellschaftliche Engagement von Frau Rommelspacher zu werten. Sie wirbt bei den Studierenden für ein demokratisches und friedvolles Miteinander und bringt sich mit ihrer Kompetenz in zahlreiche Vereinen, Projekten und Beiräten ein.

Diskriminierung von Behinderten, Gewalt gegen Frauen, eskalierende Konflikte an Schulen und vor allem der Kampf gegen Fremdenhass - diese Themen gehören zu den Herausforderungen unserer Gesellschaft heute und sind das Arbeitsfeld von Birgit Rommelspacher.

Dass Frau Rommelspacher eine würdige Preisträgerin ist, unterstreicht die fast einstimmige Entscheidung des Kuratoriums „Louise-Schroeder-Medaille“, dessen Vorsitzende unsere frühere Bürgermeisterin Ingrid Stahmer ist.

Seit 1998 wird die Louise-Schroeder-Medaille verliehen. In den ersten Jahren durch den Senat, seit 2002 durch das Abgeordnetenhaus. Preisträgerinnen waren die Schriftstellerin Professor Carola Stern, die Politikerin Dr. Hanna-Renate Laurien, der „Südosteuropa Kultur Verein", die Schriftstellerin Daniela Dahn, die FDP-Politikerin Dr. Ella Barowski, das rbb-Hörfunkmagazin „Zeitpunkte“, die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Dr. Jutta Limbach, die Chefärztin im Vivantes Klinikum Spandau, Frau Dr. Gisela Albrecht, die erste Ausländerbeauftragte Deutschlands Barbara John und im vergangenen Jahr die Journalistin Inge Deutschkron.

Was diese Frauen nun mit Ihnen, Frau Rommelspacher, verbindet, ist der Besitz dieser bronzenen Münze. Auf der Vorderseite ist das Bildnis von Louise Schroeder zu sehen. Ihre hohe Stirn und der fürsorglich wirkende Blick durch die Brille charakterisieren eine Frau, die als Politikerin in der schwersten Zeit Berlins standgehalten hat. Sie war die amtierende Bürgermeisterin am Beginn der Spaltung 1948 und in der Zeit der Blockade Berlins bis 1949.

Auf der Rückseite der Medaille steht eine verkürzte Fassung eines Zitats von Louise Schroeder aus dem Jahre 1955, zwei Jahre vor ihrem Tod: „Wenn ich als Frau eine besondere Aufgabe erfüllen konnte, so war es die, die Menschen einander näher zu bringen, ihre Abneigung gegen Diktatur zu stärken und ihnen zu helfen.“

Als am Tag nach der Blockadeaufhebung im Mai 1949 eine große Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus stattfand, auf der Konrad Adenauer, Carlo Schmid, Jakob Kaiser und Ernst Reuter sprachen, riefen die Teilnehmer immer wieder nach „Lou-i-se Lou-i-se“, die als Rednerin nicht vorgesehen war.

Es war ein weiter und beschwerlicher Weg dorthin. Louise Schroeder war am 2. April 1887 in der Bürgerstraße, der heutigen Thedestraße, in Hamburg-Altona als jüngstes von acht Kindern geboren. Sie besuchte die Mittelschule und die Kaufmännische Gewerbeschule und war dann als Bürokraft tätig. Früh engagierte sie sich in der Gewerkschaft, in der Arbeiterwohlfahrt und in der Frauenbewegung. Schnell machte sie in der SPD Karriere. 1919, also vor 90 Jahren, wurde sie als eines der jüngsten Mitglieder in die Nationalversammlung der Weimarer Republik gewählt, ein Jahr später kam sie als Abgeordnete in den Reichstag und blieb dort bis 1933. Am 23. März 1933 gehörte ihre Stimme zu den 94 Stimmen gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz.

Nach dem Krieg gehörte sie zu den Politikerinnen der ersten Stunde. Sie kam in die erste Stadtverordnetenversammlung in Berlin, war ab 1946 Bürgermeisterin und stand als erste und einzige Frau vom Mai 1947 bis 1949 als amtierende Oberbürgermeisterin an der Spitze der Stadt. Später wurde sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Das Abgeordnetenhaus von Berlin würdigte sie an ihrem 70. Geburtstag, am 2. April 1957, gut zwei Monate vor ihrem Tod, als erste Frau mit der Ernennung zur Ehrenbürgerin der Stadt.
Anrede,

wie aktuell die Botschaft Louise Schroeders ist und über die Grenzen Berlins hinaus wirkt, zeigt die Umbenennung einer Hamburger Lehreinrichtung in Louise-Schroeder-Schule. Auch ein Beispiel für gelungene Demokratie. Eine Findungskommission, in der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam Namensvorschläge sammelten, ebnete den Weg zu der Entscheidung. Die Schule in der Thedestraße soll an den Ort erinnern, wo Louise Schroeder geboren wurde. Am 16. Februar war bei der Umbenennung die Bundesregierung durch den Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vertreten, der auch in Altona zu Hause ist. Genauso wie einst Louise Schroeder, als sie von 1920-1933 Mitglied im Reichstag war.

Louise Schroeders Lebensweg und Lebenswerk bleibt auch heute für uns Orientierung und Maßstab. Deshalb verleihen wir die Louise-Schroeder-Medaille heute an Frau Prof. Dr. Birgit Rommelspacher.

Ich freue mich, dass Sie alle heute hier zu uns gekommen sind. Ich heiße Sie alle im Abgeordnetenhaus von Berlin herzlich willkommen.
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