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Begrüßungsrede des Präsidenten bei der Eröffnung der Ausstellung "50 Jahre Luftbrücke - Pioniergeist, Freiheit und Demokratie: Berlin im Aufbruch"

04.05.1998, Abgeordnetenhaus von Berlin

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Prof. Dr. Herwig Haase
04.05.1998, Abgeordnetenhaus von Berlin
Eröffnung der Ausstellung "50 Jahre Luftbrücke"

Ich begrüße Sie sehr herzlich zur Eröffnung einer Ausstellung, die hier im Abgeordnetenhaus von Berlin zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert und dann auf eine Reise durch mehrere Länder geschickt wird. Sie ist der Luftbrücke gewidmet, deren Beginn sich jetzt zum 50. Mal jährt. Sie wird ein Ereignis dokumentieren, das als eine der großen internationalen Gemeinschaftsleistungen in die Geschichte eingegangen ist.

Die Ausstellung wird bei den älteren unter den Besuchern Erinnerungen wecken: bei denen, die damals betroffen oder beteiligt waren, sicherlich persönliche Erinnerungen. Für die jüngeren Besucher wird sie - darauf hoffen wir - Anlaß und Ansporn sein, sich bewußt zu machen, daß auch sehr schwierige Situationen mit Solidarität, Gemeinschaftsgeist und dem persönlichen Engagement vieler zu bewältigen sind.

Diese Ausstellung erinnert an die Vergangenheit und gibt Orientierung für die Zukunft.

"Pioniergeist, Freiheit und Demokratie: Berlin im Aufbruch" - der Titel kennzeichnet die Situation damals - 1948/49 -, und er beschreibt auch die Situation heute.

Die Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen, mit Beharrlichkeit und Mut für Freiheit und Demokratie einzutreten, war damals - bei existentieller Bedrohung - eine der Grundlagen für das Überleben. Diese Bereitschaft ist auch heute - unter fundamental veränderten Rahmenbedingungen, aber wieder in einer Situation des Aufbruchs - eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung unserer Zukunft.

Die Luftbrücke ist Teil unserer Geschichte. Ihre Symbolkraft ist nicht verblaßt, auch wenn sich die weltpolitische Situation gewandelt hat. Sie bleibt ein Orientierungspunkt für alle, die davon überzeugt sind, daß Demokratie und Freiheit die Grundlagen eines menschenwürdigen Daseins sind.

Die Luftbrücke ist ein historisches Symbol des menschlichen Freiheitswillens und der Solidarität freier Völker. Als 1948 alle Landverbindungen zu den westlichen Sektoren Berlins blockiert waren, haben Flugzeuge der Westalliierten fast zwei Millionen Tonnen Versorgungsgüter in die Stadt gebracht. Die Berlinerinnen und Berliner haben monatelang Entbehrungen auf sich genommen, um ihre Freiheit zu erhalten. Damals entstand
die tiefe Verbundenheit und Freundschaft zu den Völkern der USA, Großbritanniens und Frankreichs. Aus den Besatzungsmächten wurden Schutzmächte.

Wir wissen, daß die Blockade der Westsektoren Berlins der Auftakt für die Teilung unseres Kontinents war. Für Jahrzehnte standen sich zwei Blöcke gegenüber; Europa wurde durch Mauer und Stacheldraht getrennt.

Die weltpolitischen Veränderungen seit 1989 und die Überwindung des Ost-West-Gegensatzes haben nun auch den Völkern Osteuropas die Chance zu Freiheit und Demokratie und zu einem gleichberechtigten Zusammenleben eröffnet. Wir alle sind aufgerufen, diese Entwicklung zu unterstützen, wo immer dies möglich ist; denn sie entspricht den Idealen und Werten, für die Berlin und seine Schutzmächte während der Luftbrücke einstanden.

Die Luftbrücke war der erste Schritt zu einer Zukunft unseres Kontinents in Selbstbestimmung und Freiheit. Sie sollte uns auch heute noch daran erinnern, daß die Unteilbarkeit von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten zu den wichtigsten Voraussetzungen unseres Zusammenlebens gehört. Sie kann uns aber auch die Zuversicht geben, daß schwierige und ausweglos erscheinende Situationen zu bewältigen sind - mit Mut, Entschlossenheit und Kreativität.

Berlin - heute das ganze Berlin - wird sich immer dankbar an das erinnern, was die Völker der USA, Großbritanniens und Frankreichs damals für uns getan haben. Ohne die Luftbrücke gäbe es heute kein vereinigtes Berlin und kein vereinigtes Deutschland.

Es ist nicht zuletzt auch ein Erfolg der Luftbrücke, daß wir heute in die Gemeinsamkeit auf internationaler Ebene, die Gemeinsamkeit der freien Völker, auch jene einbeziehen können, von denen wir damals durch politische Grenzen und Gegensätze getrennt waren. In diesem Sinne können wir das Jubiläumsjahr der Luftbrücke mit ihnen gemeinsam

begehen. Und gemeinsam mit ihnen richten wir unseren Blick und unsere Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden und Freiheit.

Auch das ist ein Teil der Botschaft, die diese Ausstellung mitnimmt, wenn sie auf ihre Rundreise geht. Im Mai 1999 - zum 50. Jahrestag der Beendigung der Blockade Berlins - wird sie dann in unsere Stadt zurückkehren.

Ich danke allen, die an den Vorbereitungen beteiligt waren. Der Ausstellung wünsche ich, daß sie als Aufruf und Ermutigung verstanden wird, auch die Herausforderungen der Zukunft mit Solidarität, Festigkeit und Beharrlichkeit zu bewältigen.

Ich erkläre die Ausstellung "50 Jahre Luftbrücke - Pioniergeist, Freiheit und Demokratie: Berlin im Aufbruch" für eröffnet.

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