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Begrüßungsworte des Präsidenten in der Gedenkstunde am 27. Januar 1998

27.01.1998, Abgeordnetenhaus

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Prof. Dr. Herwig Haase
27.01.1998, Abgeordnetenhaus
Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Herr Regierender Bürgermeister, Herr Dr. Nachama, sehr verehrte Frau Shomrat, Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler,

ich begrüße Sie zu unserer gemeinsamen Stunde des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus, zu einer gemeinsamen Stunde des Erinnerns an die Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945. Bundespräsident Roman Herzog hat 1996 den 27. Januar zum alljä hrlichen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus proklamiert und dazu erklärt:

"Die Erinnerung darf nicht enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken."

Das Konzentrationslager Auschwitz ist Symbol für den millionen- fachen Mord. Es ist Erinnerungsmal für die dunkelste Zeit unseres Landes, für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Dieser Tag ist für uns vor allem ein Tag der mahnenden Erinnerung daran, was Menschen erleiden mußten.

Gedenken, erinnern, miteinander über das Geschehene ins Gespräch kommen - das heißt, in der Hast des Alltags innehalten. Das heißt, die Gedanken auf Vergangenes richten, um von dort Mahnung und Erkenntnis für die Gegenwart und die Zukunft zu finden.
Golo Mann hat einmal formuliert:

"Die Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte erwürgt die Lebenden und vergißt die Toten."

Wir brauchen deshalb Erinnerungsanstöße wie diesen Gedenktag, wie das Gespräch mit Jugendlichen, wie auch deren Fragen nach dem " Warum?". Deshalb ist es wichtig, daß unsere heutige Gedenkstunde von Jugendlichen gestaltet wird, die sich mit eben dieser Ver- gangenheit beschäftigt und auseinandergesetzt haben.

Ich möchte Ihnen, den Schülerinnen und Schülern dafür danken. Sie sind für mich ein Zeichen, ein ermutigendes Zeichen dafü r, daß unsere Jugend sehr wohl sensibel ist für die Gefahren der Intoleranz und des Hasses. Sie, diese Schülerinnen und Schüler, sind für mich der Garant dafür, daß es auch in der Zukunft das offene, kritische Gesprä ch, das betroffene Erinnern und Gedenken geben wird.
Sie werden nicht vergessen, daß Ignorieren der erste Weg in die geschichtliche Agonie ist. Und sie werden ihre Eindrücke, ihr Wissen und ihre Toleranz weiter vermitteln.

Meine Damen und Herren, jetzt haben zunächst die Schülerinnen und Schüler der Moses-Mendelssohn-Oberschule in Berlin-Tiergarten das Wort. Sie tragen Texte vor, die anläßlich einer Reise nach Krakau und Auschwitz entstanden sind. Zentrales Motiv der Reise war es, diese Orte des Holocaust mit eigenen Augen zu sehen und so Geschichte am Ort zu erfahren. Diese Fahrt machte die Schülerinnen und Schüler in besonderem Maß betroffen, das Gesehene läßt sie nicht mehr los.

Um die Eindrücke zu verarbeiten, haben sie ein gemeinsames Tagebuch geführt. Sie haben versucht, in Worte zu fassen, was sie sprachlos machte. Auschwitz haben sie - ich zitiere - als "Ort des Grauens, Ort des Todes und Ort der Trauer" erlebt. Wohl keiner von ihnen wird vergessen, was er sah und empfand.

Anschließend verlesen Schülerinnen und Schüler aus vier weiteren Berliner Schulen ihre Aufsätze, die im Rahmen eines Wettbewerbs durch eine Jury des Abgeordnetenhauses ausgewählt worden sind. Das Thema hieß: "Der 27. Januar - Tag der Erinnerung".
Ausgewählt wurden die Aufsätze von

- Jana Hellmich (13. Klasse der Katholischen Theresien-Schule, Weißensee)
- Marja Köppen (10. Klasse der Gustav-Heinemann-Oberschule, Tempelhof)
- Markus Burger (12. Klasse der Carl-Ossietzky-Oberschule, Pankow)
und
- Kornelia Werner (13. Klasse der Max-Planck-Oberschule, Mitte).

Ich möchte an dieser Stelle der Jury - aus den Leiterinnen und Leitern der Berliner Gedenkstätten sowie Mitgliedern des Präsidiums und der Fraktionen - für ihr Engagement danken. Den musikalischen Rahmen unserer Gedenkstunde bilden Werke von Komponisten, die Verfolgte des Nationalsozialismus und Häftlinge in Konzentrationslagern waren. Die Kompositionen werden von Schülerinnen und Schülern der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Oberschule in Berlin-Mitte gespielt.

Im Anschluß an unsere Veranstaltung wollen wir gemeinsam - in der Wandelhalle vor dem Plenarsaal - eine Ausstellung besichtigen, die von Schülerinnen und Schülern der Anne-Frank-Grundschule und der Moses-Mendelssohn-Oberschule gestaltet wurde. Ich danke Ihnen allen, die Sie zur Vorbereitung dieser Gedenkstunde und der Ausstellung beigetragen haben. Sie haben mit Ihrem persönlichen Erinnern Brücken gebaut vom Gestern ins Heute, vom Heute in die Zukunft.

"Brücken können nur gebaut werden, wenn man den Abgrund darunter kennt." Wir kennen ihn, wir werden ihn nicht vergessen.

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