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Eintragung in das Goldene Buch von Berlin

31.05.2001, Abgeordnetenhaus, Festsaal

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Reinhard Führer
31.05.2001, Abgeordnetenhaus, Festsaal
Besuch des Vorsitzenden des Parlaments der Ukraine, Iwan Plustsch

Herzlich willkommen im Abgeordnetenhaus von Berlin.

Wir freuen uns, dass Sie auch das Landesparlament der deutschen Hauptstadt in Ihren Besuch beim Deutschen Bundestag einbeziehen.
Es ist unser Wunsch, dass unser heutiges Zusammentreffen eine Begegnung unter guten Freunden ist.

Für uns ist die Ukraine nicht ein Staat irgendwo am Rande unseres Kontinents: Ihr Land, Herr Vorsitzender, gehört zu Europa, und mit seinem Potenzial an Menschen und Bodenschätzen kann es, längerfristig gesehen, für die Europäische Union ein attraktiver Wirtschafts- und Handelspartner werden.

Heute - vor der geplanten Ost-Erweiterung der EU - ist Deutschland für die Ukraine der nächste Nachbar in der EU und - nach Russland - der wichtigste Handelspartner. Zwischen unseren Ländern existiert ein dichtes Netz politischer, wirtschaftlicher, kultureller und privater Beziehungen: In der Ukraine leben noch heute rund 40.000 Menschen deutscher Abstammung. Gerade in diesen Wochen sind unsere Hauptstädte in besonderer Weise freundschaftlich verbunden. Kiew und Berlin unterhalten zwar keine Partnerschaft, aber sie haben auf vielen Ebenen Kontakte:

Vor zwei Tagen, am Dienstag, ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, mit einer Wirtschaftsdelegation aus Kiew zurückgekehrt. Dort hatte sich am Wochenende die deutsche Hauptstadt unter dem Motto "Berlin grüßt Kiew" präsentiert. Im Gebäude der Industrie- und Handelskammer Kiew wurde die Ausstellung "Das neue Berlin - Konstruktion und Rekonstruktion der deutschen Hauptstadt" eröffnet, und Wirtschaftsrepräsentanten beider Länder trafen zu Gesprächen zusammen.

Auch auf parlamentarischer Ebene unterhalten beide Hauptstädte gute Kontakte: Anfang Juli wird sich eine Delegation des Abgeordnetenhauses von Berlin unter meiner Führung in Kiew aufhalten. Wir alle wissen: Freundschaft zwischen zwei Völkern ist nur dauerhaft, wenn sie nicht allein aus offiziellen Kontakten besteht. Sie muss auf möglichst breiter Basis im Bewusstsein der Menschen verankert sein.

Nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl hat es in Deutschland viele Beweise mitmenschlicher Solidarität und Hilfsbereitschaft gegeben: Kindern aus dem Katastrophengebiet wurde ein Erholungsaufenthalt in Deutschland ermöglicht. Sie wurden hier medizinisch betreut und behandelt. In ungezählten Fällen ging die Initiative dazu von privater Seite aus: Verbundenheit, die nicht offiziell angeordnet war, sondern von Herzen kam.

Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, wir begleiten die Entwicklung in der Ukraine mit großer Aufmerksamkeit. Ihr Land befindet sich in einer besonders schwierigen Situation des Wandels. Dabei erhält es in begrenztem Umfang Unterstützung aus befreundeten Ländern, z.B. im Rahmen des deutschen Transform-Beratungsprogramms. Den größten Teil aber muss die Ukraine aus eigener Kraft bewältigen. Ihren Bürgern werden große Belastungen und persönliche Opfer auferlegt.

Dies zu tragen, braucht große Geduld und Stärke: Denn der Erfolg von Reformen zeigt sich oft erst nach vielen Jahren, oft erst in der Zeit der nächsten Generation. Wir wünschen Ihrem Volk, Herr Vorsitzender, die Kraft und Beharrlichkeit dafür.

Herr Vorsitzender, Sie persönlich kennen Berlin bereits durch Ihren - inoffiziellen - Informationsbesuch im vergangenen Jahr. Und sicherlich werden Sie - auch nach einer Zeitspanne von nur wenigen Monaten - wiederum Veränderungen im Stadtbild feststellen.

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 ist Berlin voller Dynamik. Unsere Stadt hatte mehr als jede andere in Deutschland unter der Teilung des Landes gelitten. Berlin ist wie keine andere Stadt zur Vollendung der Einheit in die Pflicht genommen.
Die deutsche Einheit war ein Geschenk der Geschichte, sie war und ist aber auch eine große Herausforderung. Berlin hat diese Herausforderung angenommen und ist dabei, sie zu bewältigen.

Überall im Stadtbild zeichnen sich die Konturen der neuen Metropole ab, und seit dem Umzug von Bundestag, Bundesregierung und Bundesrat ist die deutsche Hauptstadt auch wieder das politische Entscheidungszentrum unseres Landes.

Europa: das ist die Zukunftsperspektive für Deutschland mit seiner Hauptstadt Berlin, aber auch für die Länder Osteuropas, für die Ukraine, mit der wir in vielfältiger Weise verbunden sind.

Wir werden die Kontakte und die Freundschaft mit Ihrem Land, Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, auch künftig pflegen und intensivieren.

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