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Empfang für den Senatspräsidenten von Rumänien

15.03.2000, Abgeordnetenhaus, Festsaal

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Reinhard Führer
15.03.2000, Abgeordnetenhaus, Festsaal
Empfang für den Senatspräsidenten von Rumänien

Ein gutes Essen soll man nicht durch eine zu lange Tischrede unterbrechen. Auch hat ein Spötter einmal gesagt, Tischreden dienten nur dazu, von der Qualität des Essens abzulenken... Dennoch möchte ich mit wenigen Sätzen, aber um so herzlicher, unsere Freude über Ihren Besuch zum Ausdruck bringen.

Herzlich willkommen im Abgeordnetenhaus von Berlin.

Wir freuen uns über die Gelegenheit zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch auf parlamentarischer Ebene. Dabei ist uns bewusst, dass die politischen Rahmenbedingungen in Rumänien und Deutschland höchst unterschiedlich sind.

Was uns in jedem Fall verbindet, ist der Wille zur Einheit unseres Kontinents.

Für Sie, Herr Präsident, und für uns gehört es zu den wesentlichen Zukunftsperspektiven, dass die Europäische Union noch enger zusammenwächst und auch jene Völker einbezieht, die den Beitritt zur Gemeinschaft anstreben.

Für uns hört Europa nicht an den Grenzen der gegenwärtigen Union auf. Wir werden auch weiterhin daran mitarbeiten, die Voraussetzungen für die Erweiterung der EU zu schaffen. Für uns alle - und für den Frieden auf unseren Kontinent - ist es von entscheidender Bedeutung, dass möglichst viele Völker Europas - und eines Tages alle - mit uns in der Gemeinschaft verbunden sind.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war der Beschluss der Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrer Konferenz im Dezember 1999 in Helsinki. Sie haben damals entschieden, auch mit den Staaten Beitrittsverhandlungen aufzunehmen, mit denen zuvor noch nicht verhandelt wurde. Zu diesen Staaten - der sogenannten Helsinki-Gruppe - gehört auch Ihr Land, Herr Präsident.

Diese Verhandlungen haben am 15. Februar dieses Jahres formell begonnen. Verständlicherweise gestalten sie sich für jedes einzelne Land unterschiedlich, auch unterschiedlich schwierig. Es geht u.a. darum, nicht weniger als 81 000 Seiten Europäisches Recht umzusetzen...

Vor allem aber geht es darum, in den Beitrittsländern selbst die Voraussetzungen für die spätere Mitgliedschaft in der EU zu schaffen.
Herr Präsident, meine Herren Senatoren, wir sind zuversichtlich, dass es Ihrem Land gelingen wird, jene Verzögerungen auszugleichen, die in der Zeit unmittelbar nach Ceausescu im Prozess der Transformation eingetreten waren.

Wir möchten Sie bitten und ermutigen, den Weg der Reformen, der ja zugleich der Weg in die Europäische Union ist, konsequent fortzusetzen.

Berlin ist die Stadt in der Mitte Europas, die unter der Ost-West-Konfrontation und der Spaltung Europas jahrzehntelang gelitten hat. Wir wissen aus bitterer Erfahrung, was Grenzen und Mauern für jeden einzelnen Menschen bedeuten. Wir werden immer zu denen gehören, die Grenzen überwinden wollen. Zu den Perspektiven der künftigen Metropole Berlin gehört die Zusammenarbeit und Freundschaft mit den Völkern Europas.

Herr Präsident, meine Herren Senatoren, erlauben Sie mir zum Abschluss noch einige persönliche Anmerkungen:

Ich kenne Rumänien durch zahlreiche private Reisen. Mit seinen herrlichen Landschaften, Naturparadiesen, Badestränden am Schwarzen Meer und den Wintersport-Orten in den Karpaten gehört es zu den schönsten Ländern Europas.

Deshalb haben die aktuellen Berichte der Medien aus Rumänien über Umweltverschmutzungen durch Einleitung industrieller Giftstoffe in mehrere Flüsse auch bei uns große Besorgnis ausgelöst. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, derartige Vorfälle durch gesetzliche und administrative Maßnahmen künftig zu vermeiden.

Wenn Rumänien seine naturgegebenen Schätze nutzt und eine Verbesserung der touristischen Infrastruktur erreicht, kann es zu einem Urlaubsland ersten Ranges werden. Die traditionelle Vielfalt der kulturellen Einflüsse, insbesondere aus den romanischen Ländern, kann eine solche Entwicklung begünstigen. Nicht ohne Grund wurde Bukarest einst als das "Paris des Ostens" gerühmt.

Herr Präsident, meine Herren Senatoren, ich wünsche Ihnen und Ihrem Land für den Weg in die Europäische Union, d.h. für unsere gemeinsame Zukunft, Glück und Erfolg.

Ich darf Sie, Herr Präsident, bitten, uns die Ehre zu erweisen, sich - im Anschluss an dieses Essen - in das Goldene Buch von Berlin einzutragen.

Nochmals: herzlich willkommen im Berliner Parlament.

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