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Eröffnung der Sitzung des Seniorenparlaments

23.06.1999, Abgeordnetenhaus von Berlin

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Prof. Dr. Herwig Haase
23.06.1999, Abgeordnetenhaus von Berlin
Sitzung des Seniorenparlaments

Meine Damen und Herren,

ich eröffne die Sitzung des Seniorenparlaments und heiße Sie alle hier im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin sehr herzlich willkommen.

Seit mehr als 10 Jahren hat diese Veranstaltung ihren festen Platz im Programm der "Berliner Seniorenwoche". Sie ist zu einer guten Tradition geworden, - und gute Traditionen soll man fortsetzen.

Ich danke dem Berliner Seniorenrat und den Bezirksämtern für die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung dieser Sitzung.

Mein herzlicher Dank gilt auch meiner Kollegin, der Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses, Marianne Brinckmeier, die heute die Sitzung des Seniorenparlaments leiten wird.

Meine Damen und Herren, Sie haben heute wieder die Möglichkeit, Fragen an Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Senats von Berlin zu richten und die Probleme und Sorgen anzusprechen, die Sie bewegen.
Den anwesenden Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und den Mitgliedern des Senats geht es aber auch darum, Ihre Erfahrungen zu hören und daraus zu lernen.

Kurt Tucholsky hat zwar einmal gesagt: "Erfahrungen vererben sich nicht - jeder muss sie allein machen".

Doch ich halte es lieber mit der Weisheit aus dem alten China: Von dort ist ein altes Sprichwort überliefert worden: "Wer nicht auf das Wort der Alten hört, wird es später bereuen".

Meine Damen und Herren, an Gesprächsstoff wird es heute nicht fehlen: Den Medien konnten Sie in den letzten Tagen entnehmen, dass bundesweit über Pläne für eine Neuordnung der Altersvorsorge diskutiert wird. Dieses Thema berührt nicht nur die Mitbürgerinnen und Mitbürger jüngeren und mittleren Alters, die noch im Arbeitsprozess stehen, sondern auch die älteren Mitbürger, sobald von Einschränkungen der ohnehin immer spärlichen Rentenerhöhungen die Rede ist. Einzelheiten entsprechender Pläne sind zwar noch nicht bekannt, doch haben bereits einige Indiskretionen eine heftige öffentliche Diskussion ausgelöst.

Mit besonderer Aufmerksamkeit - und verständlichem Mißtrauen - verfolgen die Rentner in den neuen Bundesländern und im östlichen Teil Berlins die Renten-Diskussion. Angesichts des dortigen Rentenniveaus, das in vielen Fällen unter dem westlichen Durchschnitt liegt, wären sie von Abstrichen besonders stark betroffen.
Für das Abgeordnetenhaus von Berlin gehört die Seniorenpolitik seit langem zu den herausragenden Themen. Im Februar 1998 hatte das Parlament den Senat von Berlin aufgefordert, einen Bericht über die "Leitlinien für die zukünftige Seniorenpolitik in Berlin" vorzulegen. Über diesen Bericht haben wir am vergangenen Donnerstag in unser Plenarsitzung debattiert. Alle Fraktionen des Hauses waren sich über die Bedeutung dieses Themas einig.

Der Hintergrund der Parlamentsdebatte war die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren die Bedingungen und Voraussetzungen für Senioren in vielen Punkten entscheidend verändert haben: Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen und der Bevölkerungsanteil der älteren Generation ist gewachsen. Die "dritte Lebensphase", der Ruhestand, ist deutlich verlängert und wird von den Senioren aktiv erlebt. Für Berlin gibt es die Prognose, dass bis zum Jahr 2010 der Anteil der über 65jährigen um 25 % zunehmen wird. Auch wird die Politik zu berücksichtigen haben, dass die heutigen Senioren eine sehr aktive Gruppe in unserer Gesellschaft mit vielfältigen Interessen und Bedürfnissen sind. Sie wollen ihr Wissen und Können an die nachfolgenden Generationen weitergeben, und wir Jüngeren - ich darf mich noch dazu zählen, obwohl ich bereits selbst Enkel habe - sollten jede Möglichkeit nutzen, von den Erfahrungen - Ihren Erfahrungen, meine Damen und Herren, - zu profitieren.

Sie gehören einer Generation an, die die wechselvolle Nachkriegsgeschichte Berlins noch miterlebt und mitgestaltet hat. Hier in Berlin haben wir vor einigen Wochen - im Mai - der Beendigung der sowjetischen Blockade vor 50 Jahren gedacht und all jenen gedankt, die an der alliierten Luftbrücke zur Rettung des freien Teils Berlins beteiligt waren. Die meisten unter Ihnen, meine Damen und Herren, werden sich noch an jene Zeit erinnern - und an den Durchhaltewillen der Berlinerinnen und Berliner, ihre Solidarität untereinander und die Strapazen und Opfer, die sie damals auf sich nahmen.

Aus der Erinnerung an die große Gemeinschaftsleistung jener Zeit können wir Mut und Zuversicht beziehen für die Herausforderungen, die sich uns heute stellen. Auch deshalb bitte ich Sie, meine Damen und Herren, Ihre Erfahrungen an die junge Generation weiterzugeben. Und an Sie, die jüngere Generation habe ich die Bitte: Hören Sie den Älteren zu, verschließen Sie nicht einfach die Ohren, wenn sie aus ihrem Leben, ihrer Arbeit erzählen. Vergessen Sie nicht : Die Lebenserfahrung der Älteren ist der Schatz, von dem Sie profitieren können und sollen.

Ich wünsche der heutigen Sitzung des Seniorenparlaments einen erfolgreichen Verlauf und eine gute Resonanz in der Öffentlichkeit allgemein und in den Köpfen der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer im Besonderen.

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