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Eröffnung des Länderwirtschaftstages

06.11.1999, Konzerthaus Berlin

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Prof. Dr. Herwig Haase
06.11.1999, Konzerthaus Berlin
Eröffnung des Länderwirtschaftstages am Sonnabend, dem 6. November 1999, im Konzerthaus Berlin

Meine Damen und Herren,

Länderwirtschaftstag in Berlin - das ist nicht nur die Ankündigung einer zukunftsorientierten Veranstaltung, das ist zugleich eine politische Aussage. Denn Berlin ist der geeignete Ort, über verstärkte Zusammenarbeit im Zeichen der Globalisierung nachzudenken und zu diskutieren. Ich beglückwünsche die Veranstalter zur Wahl des Tagungsortes, und ich begrüße Sie alle, meine Damen und Herren, im Namen des Abgeordnetenhauses von Berlin sehr herzlich.

Der Länderwirtschaftstag findet wenige Tage vor dem 10. Jahrestag des Falls der Mauer statt. Im Herbst des Jahres 1989 waren Ost- und Mitteleuropa in Bewegung gekommen. Tausende gingen mutig auf die Straßen, um gegen Unrecht und Unterdrückung und für die Freiheit zu demonstrieren. Seit jenen denkwürdigen Tagen hat sich in Berlin viel verändert. Unsere Stadt, die lange Symbol der Teilung Deutschlands und Europas war, ist dabei, wieder ihre historische Funktion als Brücke zwischen Ost und West einzunehmen und mit Leben zu erfüllen.

Keine andere Metropole ist seither mit einer solchen Fülle von Umbrüchen und Veränderungen konfrontiert worden. Diese Veränderungen bedeuten für die Menschen vielfältige Herausforderungen, aber auch Chancen und Perspektiven. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft müssen Antworten geben auf die drängenden Fragen in einer sich rasch verändernden Welt. Die Menschen suchen nach glaubhaften Verbindungen von Heimat und Globalisierung, von Tradition und Fortschritt.

Gleichzeitig befinden wir uns auf dem Weg in ein vereinigtes Europa. Heute wird Realität, was einst Jean Monet - einer der Väter der Europäischen Union - gesagt und auf den Weg gebracht hat: dass es künftig nicht mehr um ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Europäischen Nationen gehen kann, sondern darum, diese Interessen gemeinsam wahrzunehmen.

Auf diesem Weg spielt Berlin eine besondere Rolle. Die Stadt liegt zwischen Paris und Warschau - zwischen dem westlichen Leiden am Strukturwandel und dem östlichen Verarbeiten des Erbes totalitärer Systeme. Berlin ist der Ort, an dem Ost- und Westeuropa am sichtbarsten zusammenwachsen. Von der Hauptstadt Berlin müssen die Impulse ausgehen, die Schlüsseltechnologien für die Zukunft zu erschließen und international wettbewerbsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Hier bedarf es mutiger Entscheidungen der Politik, aber auch der Kreativität der Wirtschaft.

Meine Damen und Herren, im Mittelpunkt Ihrer Beratungen steht das Thema "Wirtschaftsstandort Deutschland im Netz der zunehmenden Globalisierung". Dabei geht es insbesondere um die Unterstützung einer zukunftsorientieren Zusammenarbeit der Unternehmen und um ihr innovatives Wirken. Ein wichtiger Aspekt wird dabei die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern sein, die für unser Land insgesamt von entscheidender Bedeutung ist.

Bei den Beratungen und Diskussionen Ihrer Tagung wird sicherlich auch die unterschiedliche Bewertung der Globalisierung deutlich werden: die einen sehen in ihr eine große Chance, den anderen bereitet sie eher Unbehagen. Fest steht jedoch: Wir alle werden mit ihr leben müssen, und ich meine, jeder ist gut beraten, sie als Chance zu sehen und zu nutzen.

Durch grenzüberschreitendes wissenschaftliches Know-how, durch weltweit vorhandene Technologien und durch Kapital, das an keine Landesgrenzen mehr gebunden ist, eröffnen sich den Unternehmen neue Möglichkeiten. In zunehmendem Umfang entsteht durch Globalisierung eine Vernetzung von Forschung und Entwicklung, Produktion und Absatz von Gütern und Dienstleistungen über nationale Grenzen hinweg.

Globalisierung heißt aber auch, dass der Wettbewerb auf den nationalen Märkten intensiver ist, und zwar nicht nur zwischen den nationalen Unternehmen, sondern auch der Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten. Der verschärfte Wettbewerb wiederum zwingt die Unternehmen, besser und schneller auf den Markt zu reagieren. Er zwingt sie aber auch, von eigenen Gewohnheiten und Präferenzen abzuweichen und über Grenzen hinweg zu denken und zu planen.

Die besten Ausgangspositionen werden diejenigen haben, die Flexibilität beweisen und deren Geschäftspolitik von dem Bestreben geprägt ist, auch international zur Spitze zu gehören. Mehr als bisher werden sich künftig Unternehmen an weltweiten Maßstäben orientieren und auf internationaler Ebene ihre Fähigkeit zur Innovation beweisen müssen. Von großer Bedeutung wird dabei auch sein, ob es ihnen gelingt, die Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie zu nutzen und sich in vorhandene Netzwerke zu integrieren.

Die Globalisierung ist aber nicht nur eine Herausforderung für die Unternehmen, sondern auch eine Herausforderung an die Wirtschaftsstandorte. Deshalb wird es immer wieder erforderlich sein, den Wirtschaftsstandort Deutschland kritisch zu prüfen und ihn durch Veränderungen an die Erfordernisse des internationalen Wettbewerbs anzupassen. Dieser Wandel wird nicht immer schmerzlos, mit Sicherheit aber unvermeidbar sein. Doch in jedem Wandel steckt immer auch eine Chance - und diese Chance sollten wir nutzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihren Beratungen, meine Damen und Herren, einen erfolgreichen Verlauf und eine breite Resonanz.

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