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Eröffnung von zwei Ausstellungen

10.08.2001, Abgeordnetenhaus von Berlin

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Reinhard Führer
10.08.2001, Abgeordnetenhaus von Berlin
40. Jahrestag der Errichtung der Berliner Mauer

Berlin erinnert sich an den 13. August 1961, den Tag des Mauerbaus. Dieser dunkle Tag jährt sich jetzt zum 40. Mal.

Berlin erinnert sich an 28 Jahre Mauer: Schicksalsjahre für diese Stadt, Jahre der Teilung, der Trennung der Familien, menschlicher Tragödien, menschenverachtender Machtpolitik auf östlicher Seite.

Wohl kein Ereignis der Nachkriegszeit hat die Berlinerinnen und Berliner - alle Berlinerinnen und Berliner - so persönlich und hart getroffen.
Das Abgeordnetenhaus von Berlin dokumentiert das Geschehen an der Mauer mit zwei Ausstellungen. Und dies ist Erinnerung an authentischer Stelle, an einem Ort voller Symbolkraft: Denn nur wenige Meter von hier entfernt, steht ein Rest der Mauer unmittelbar neben der Topographie des Terrors, dem ehemaligen Gestapo-Gelände, das ein Ausgangspunkt des unheilvollen Wirkens der braunen Diktatur war.

Ein Rest jener Mauer, mit der die rote Diktatur die endgültige Teilung Berlins, Deutschlands und Europas vollziehen wollte.

Dieses Mauerstück symbolisiert in einmaliger Weise den historischen Zusammenhang: Denn ohne die braune Diktatur hätte es in Deutschland die rote sicherlich nicht gegeben. Deshalb muss dieses Mauerstück - und dafür setze ich mich auch heute wieder ein -, deshalb muss dieses Mauerstück erhalten bleiben. Es ist durch "Mauerspechte" und Witterungseinflüsse bereits stark beschädigt. Es muss behutsam restauriert und erhalten werden, und ich hoffe sehr, dass die Mittel dafür bald zusammenkommen.

Wir würden uns an unserer Geschichte versündigen, wenn dieses einmalige Denkmal dem Verfall preisgegeben würde.

Die Bilder der beiden Ausstellungen zeigen in eindrucksvoller Weise, wie tief für die Menschen in unserer Stadt der Einschnitt durch die Mauer war. Von jenem 13. August 1961 an war es für die Deutschen im östlichen Teil unseres Landes nicht mehr möglich, den dortigen Staat ohne Gefahr für Leib und Leben zu verlassen. Ein Staat, der sich weltweit um Anerkennung bemühte, wurde für seine Bewohner zum Gefängnis.

Die 55 Großfotos, die hier draußen gezeigt werden, sind Dokumente unserer Nachkriegsgeschichte. Sie zeigen den Beginn der Sperrmaßnahmen, als Arbeiter unter Aufsicht von Soldaten und Volkspolizisten unsere Stadt mit Presslufthämmern und Mauersteinen in zwei Hälften teilten. Sie zeigen die ersten Fluchtversuche ebenso wie die später grausam perfektionierten Grenzanlagen, - aber sie zeigen auch das Ende der Mauer: jenen unvergesslichen 9. November 1989, als sich Berliner aus Ost und West an der offenen Grenze in den Armen lagen.

Dieses 45 m lange Gerüst mit den Großfotos steht übrigens parallel zum damaligen Mauerverlauf hier vor dem Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags. Es steht fast genau dort, wo sich damals die zweite Mauer - die rückwärtige Begrenzung des Todesstreifens - befand.

Die zweite Ausstellung - im Innern unseres Hauses - zeigt Aufnahmen des Fotoberichterstatters Hans-Joachim Helwig-Wilson. Er hat die Atmosphäre festgehalten, die in den Tagen vor und nach dem 13. August 1961 in Berlin herrschte. Damals spürten viele, dass "etwas in der Luft lag". Was es war, konnte allerdings niemand definieren. Die Realität war dann so grausam, dass man sie erst allmählich begreifen konnte.

Mit der Errichtung der Mauer wollte die damalige DDR ihr Ausbluten verhindern: In den Wochen zuvor hatten die Menschen zu Tausenden die DDR und Ostberlin verlassen. Ulbrichts Regierung hat auf diese Abstimmung mit den Füßen nicht mit politischen Mitteln - einer Demokratisierung und Öffnung der Gesellschaft -, sondern mit Gewalt und mit dem Einsperren der Bevölkerung reagiert. Die Mauer war das Symbol der Schwäche eines ganzen Systems. Der sogenannte "Arbeiter- und Bauernstaat" war entlarvt.

In Erinnerung geblieben sind vor allem die menschlichen Folgen des Mauerbaus:

Wir erinnern uns, dass viele Berliner damals von heute auf morgen nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen gelangen konnten und dass Telefonleitungen gekappt wurden, um das menschliche Miteinander zu unterbrechen.

Wir erinnern uns an Menschen, die am 13. August und in den Wochen danach an der Grenze aus Fenstern sprangen, um in den Westen zu gelangen.

Wir erinnern uns an waghalsige Fluchtversuche mit Ballons und Kleinflugzeugen und durch Tunnel, die in wochenlanger Arbeit gegraben wurden.

Wir erinnern uns an die vielen Fluchtversuche über Mauer und Stacheldraht, an die Schüsse östlicher Grenzwächter, an Flüchtlinge, die schwer verletzt weggeschleift wurden.

Wir erinnern uns an alle, die ihren Fluchtversuch mit dem Leben bezahlten.

Zwei Jahre nach dem Bau der Mauer, zu Weihnachten 1963, hat es mit dem Passierscheinabkommen erste zaghafte Versuche zur Öffnung der Grenze gegeben. Die westliche Politik der Öffnung gegenüber dem Osten und schließlich das Vier-Mächte-Abkommen haben dann zu Erleichterungen für die Menschen diesseits und jenseits der Mauer geführt.

Die damalige DDR aber hat den westlichen Teil Berlins, der unter dem Schutz der alliierten Mächte USA, Großbritannien und Frankreich stand, immer als "Pfahl im Fleisch der DDR" empfunden. Daran änderte auch der Mauerbau nichts. Und hätten dem eingemauerten West-Berlin damals nicht die Westalliierten Schutz gegeben, wäre meiner Überzeugung nach die historische Entwicklung anders verlaufen: eine Wiedervereinigung hätte es dann nicht gegeben, - zumindest nicht in Freiheit...

Der 13. August 1961 wird als dunkles Datum der deutschen Nachkriegsgeschichte in Erinnerung bleiben. Die Mauer ist inzwischen Vergangenheit. Auch wenn es damals 28 lange Jahre gedauert hat bis zu jenem 9. November 1989, als die Mauer fiel: Hier in Berlin hat es sich erneut erwiesen, dass man Menschen zwar mit Gewalt einsperren, sie aber nicht auf Dauer ihrer Freiheit berauben kann.

Das sollte für uns alle Hoffnung und Ermutigung sein.

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