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Gedenkfeier zum 200. Geburtstag des Komponisten Felix-Mendelssohn-Bartholdy

03.02.2009, Staatsoper in Berlin

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Walter Momper
03.02.2009, Staatsoper in Berlin

Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper am 3. Februar 2009 zur Gedenkfeier zum 200. Geburtstag des Komponisten Felix-Mendelssohn-Bartholdy in der Staatsoper Berlin
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- Es gilt das gesprochene Wort -

Ich freue mich, dass ich Sie zu einem besonderen kulturhistorischen Ereignis begrüßen darf. Heute jährt sich der 200. Geburtstags des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Zu diesem besonderen Jubiläum erhält heute der Dirigent und Pianist die Moses Mendelssohn Medaille, der in dieser durch den Konflikt im Nahen Osten geprägten Zeit unterschiedliche Kulturen vereint und zugleich Liebhaber der klassischen Musik begeistert. Der Name des Preisträgers ist das Programm: Daniel Barenboim.

Felix Mendelssohn-Bartholdy gilt wohl als der deutscheste aller deutschen Komponisten. Er ist wohl der bedeutenste Musiker, den Berlin hervorgebracht hat. Aber nicht nur als Musiker zeigte der Protestant mit jüdischen Wurzeln Talent. So lohnt sich ein Besuch in der Staatsbibliothek, die über die größte und bedeutendste Quellensammlung zu Leben und Werk Mendelssohns verfügt. Anhand von Autographen, Briefen, Bildern und anderen Zeugnissen zeichnet diese das kurze, aber vielseitige Leben des Komponisten nach.

Felix Mendelssohn-Bartholdy wurde in Hamburg geboren.
Die französische Besatzung erzwang 1811 den Umzug der Familie von Hamburg nach Berlin, wo Felix aufwuchs. Alle Mendelssohns wurden getauft und protestantisch erzogen. Felix und seine Schwester Fanny erhielten den ersten Musikunterricht von der Mutter.

Der Kompositionslehrer Carl Friedrich Zelter brachte den Jungen zur Singakademie, die in Berlin ein geistig-kulturelles Zentrum bildete und auf ganz Deutschland ausstrahlte. Musiker, Künstler und Gelehrte, die nach Berlin kamen, besuchten die Proben und Konzerte, so Beethoven im Juni 1796 und Schiller im Mai 1804. Auch Johann Wolfgang von Goethe war eng mit der Singakademie verbunden. Die Programmatik der Singakademie war die großen deutschen Chorwerke zu erhalten und zu erneuern und junge Musiker zum Erfolg zu führen. Diesem Programm entsprach die Wiederaufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach durch Felix Mendelssohn-Bartholdy am 11. März 1829 in der Singakademie, die die Renaissance des Bachschen Werkes einleitete.

Doch der Antisemitismus war in Preußen in der Mitte des 19. Jahrhunderts stark und mächtig.
Als im Jahre 1833 nach dem Tode Carl Friedrich Zelters die Nachfolge in der Leitung der Berliner Singakademie zur Wahl stand, votierten 152 Mitglieder für den musikalisch als farblos überlieferten Kandidaten Carl Friedrich Rungenhagen und 88 für den Kandidaten Felix Mendelssohn. "Sie wollten ihn halt nicht haben, den Judenjungen!", konstatiert bitter der Literaturwissenschaftler Hans Mayer im Rückblick auf diesen bösen antisemitischen Akt.

Das Votum galt zugleich auch der wohlhabenden Bankiersfamilie Mendelssohn, die nicht nur innerhalb des Chores zahlreich vertreten war, sondern auch als Mäzen die Akademie mit finanzierte. Nach der Ablehnung von Felix als Chordirektor zogen sich die Mendelssohns von der Singakademie zurück und verließen Berlin für Jahre.

Erst 1841 holte Friedrich Wilhelm IV. Felix Mendelssohn-Bartholdy als Kapellmeister nach Berlin zurück. Der preußische König hatte ehrgeizige Pläne, Berlin zur Kulturhauptstadt im deutschsprachigen Raum zu machen. Mendelssohns Hoffnungen lagen in einer Reform der Königlichen Akademie der Künste und der Leitung des Domchores. Zwar wurde er im Herbst 1842 zum Preußischen Generalmusikdirektor ernannt, aber die ehrgeizigen Pläne des Königs wurden nur zögerlich realisiert und Felix Mendelssohn-Bartholdy hatte wiederum mit dem Antisemitismus in der Hofgesellschaft zu kämpfen: Seine Gegner wollten keinen Juden in so exponierter Stellung. Schließlich führte ihn die Gründung der ersten Musikhochschule Deutschlands nach Leipzig, wo er am 4. November 1847 starb.

Seine Musik ist geblieben und strahlt noch heute die Lebensfreude seiner Zeit aus.

Welche Spuren gibt es darüber hinaus heute noch in Berlin? Da ist der Mendelssohn-Bartholdy-Park in der Nähe des Potsdamer Platzes. Der dort aufgestellte Gedenkstein mit einem Porträtrelief Mendelssohns stammt von Ivo Breuker. Im Jahr 2000 enthüllte die Mendelssohn-Gesellschaft eine Büste des Komponisten am dortigen, nach ihm benannten, U-Bahnhof.

Am 20. März 2002 enthüllte der Regierende Bürgermeister von Berlin die Gedenktafel für Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy am heutigen Bundesratsgebäude – dem früheren Preußischen Herrenhaus, Leipziger Straße 3-4, wo einst das Wohnhaus der Familie Mendelssohn Bartholdy stand. Es bildete mit dem späteren Preussischen Landtag - dem heutigen Abgeordnetenhaus - ein gemeinsames Areal. Der Bankier Abraham Mendelssohn, Fannys und Felix' Vater, hatte das Haus mit dem parkartigen Garten gekauft. Am 19. November 1826 spielte Felix Mendelssohn dort mit seinem Freund Ignaz Moscheles, dem späteren großen Virtuosen, den Sommernachtstraum seinen Eltern auf zwei Klavieren vor. Das zeigt: Felix Mendelssohn-Bartholdy hat in Berlins Mitte seinen Platz.

Das Grabmal von Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny befindet sich in Kreuzberg auf dem Dreifaltigkeits-Kirchhof zwischen dem Mehringdamm und der Zossener Straße. Und dann gibt es den ältesten deutschen Preis für klassische Musik: den Mendelssohn-Preis. Der erste Preisträger war 1878 Engelbert Humperdinck.

Der Antisemitismus hat Felix Mendelssohn-Bartholdy auch nach seinem Tode verfolgt. Eine Statue in Leipzig, aufgestellt vor dem 1884 eröffneten Gewandhaus wurde von den Nationalsozialisten während einer Auslandsreise des Leipziger Bürgermeisters Goerdeler in der Nacht des 9./10. November 1936 entfernt und wohl während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen. Erst am 18. Oktober 2008 fand die Einweihung der detailgetreuen Nachbildung vor der Thomaskirche statt. Während der Nazizeit durfte Sebastian Hensels Bestseller „Die Familie Mendelssohn“ nicht mehr erscheinen, Gedenktafeln und Büsten wurden entfernt, Kompositionen Mendelssohn Bartholdys durften nicht gespielt werden und das Bankhaus Mendelssohn wurde arisiert.

Heute aber wird Felix Mendelssohn mit einer Ausstellung in der Staatsbibliothek geehrt. Dort findet der Besucher auch das Tintenfass, mit dessen Tinte Felix Mendelssohn-Bartholdy, 17 Jahre alt, die Ouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum komponierte.

Die Spuren der Zeit zeigen, wie wichtig es ist, Menschen zu ehren und zu Wort kommen zu lassen, die sich für Versöhnung und Frieden aussprechen. Die Moses Mendelssohn Medaille, die nachher hier in der Staatsoper verliehen wird, ist eine solche Ehrung.

Worte auf einer Gedenkfeier sind wichtig, aber die Musik bringt emotional zum Ausdruck, was Felix Mendelssohn-Bartholdy sich gewünscht hat und wir uns alle wünschen: Toleranz in der Gesellschaft und ein friedliches Zusammenleben zwischen den Völkern. Ich freue mich auf das Quarrel Quartett Berlin, das Mendelssohns musikalische Strahlkraft leuchten lassen wird. Die Sprache Mendelssohn-Bartholdy, die Sprache der Musik, spricht für sich.

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