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Gedenkstunde am 27. Januar 1999 um 17.00 Uhr in der Heinrich-von-Kleist-Oberschule

27.01.1999, Heinrich-von-Kleist-Oberschule

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Prof. Dr. Herwig Haase
27.01.1999, Heinrich-von-Kleist-Oberschule
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz von russischen Soldaten befreit. Bundespräsident Roman Herzog hat vor 3 Jahren den 27. Januar zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Damit hat er die Hoffnung ausgesprochen, daß es gelingen werde, "eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt".

Auch heute - 54 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz - ist die Form des Gedenkens durchaus strittig.
Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat sich für ein aktives Erinnern ausgesprochen. Deshalb haben wir auch in diesem Jahr in die Vorbereitung und Gestaltung unserer Gedenkstunde junge Menschen einbezogen, die sich mit dieser schamvollen Vergangenheit unseres Landes beschäftigt und auseinandergesetzt haben.

Sie haben ihre Überlegungen auf die dunkelste Epoche in der Geschichte unseres Volkes gerichtet und werden uns ihre Gedanken vortragen. Sie wissen, daß sie für das Geschehen damals nicht verantwortlich gemacht werden. In ihrer Verantwortung liegt es jedoch, wie sie mit ihrem Wissen um die Vergangenheit und mit der Erinnerung umgehen: Ob sie dem Verbrechen von damals gleichgültig gegenüberstehen
- oder daraus für eine menschliche Zukunft lernen. Dabei müssen wir - die ältere Generation - unseren Kindern und Jugendlichen helfen.
Auch künftig bleibt es eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft - und nicht nur eine Pflicht der Schulen, Universitäten und Medien -, die jungen Menschen über die Zeit des Nationalsozialismus umfassend zu informieren.
Menschen, Ereignisse und Orte sind vor dem Vergessen zu bewahren
- zum Beispiel durch persönlichen Begegnungen und Gespräche mit Überlebenden des Holocaust,
- zum Beispiel durch den Besuch in einem ehemaligen Konzentrationslager.

Meine Damen und Herren,
- daß die heutige Gedenkstunde erneut von Jugendlichen gestaltet wird,
- daß junge Menschen ihre persönliche Betroffenheit und ihr Wissen um die Vergangenheit als Mahnung und Erkenntnis in Gegenwart und Zukunft einbringen,
bedeutet für uns eine große Ermutigung.

Elie Wiesel hat einmal gesagt:
"Erinnern heißt, in mehr als einer Welt leben, einander tolerant, verständnisvoll und mitfühlend gegenübertreten. Es bedeutet Offenheit für das den Fragen innewohnende Geheimnis und ein waches Mißtrauen gegen absolute, definitive Antworten."
So weit Elie Wiesel.

Der Herausforderung der Erinnerung haben sich Schüler und Studenten unter dem Thema "Vor dem Vergessen bewahren - Menschen, Ereignisse, Orte" gestellt. Unter den eingesandten Arbeiten hat eine Arbeitsgruppe von Abgeordneten und engagierten Fachleuten die Texte und Videobeiträge fü ;r die heutige Gedenkstunde ausgewählt.

Ich danke allen Einsendern des Wettbewerbs und allen, die zur Vorbereitung unserer Gedenkstunde beigetragen haben. Das Interesse am Holocaust besteht besonders unter jungen Leuten fort. Sie sind für mich der Garant dafür, daß es auch in der Zukunft das kritische Gespräch, das betroffene Erinnern und Gedenken geben wird. Dazu wird und muß auch das geplante Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus Gelegenheit geben!

Meine Damen und Herren! Wir haben mit einem Video des Studenten Delf Woischnig (Universität Erlangen) begonnen. Jetzt hören wir Texte einer Projektgruppe der Heinrich-von-Kleist-Oberschule, von Studenten der Humboldt-Universität, der "Friedens AG" der Fichtenberg-Oberschule in Steglitz sowie von Sue Hermenau (Schülerin der Max-Reinhardt-Oberschule in Hellersdorf). Außerdem sehen wir den Video-Beitrag einer Arbeitsgruppe des Victor-Klemperer-Kollegs in Marzahn. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung danken wir den Schü lerinnen und Schülern der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Oberschule in Berlin-Mitte.

Zum Ort unserer Veranstaltung haben wir ganz bewußt den Festsaal der Heinrich-von-Kleist-Oberschule hier in Tiergarten gewählt. Diese Schule bezieht in vorbildlicher Weise die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in den Unterricht ein. Ihre Schülerinnen und Schüler haben die Patenschaft für das nahegelegene Deportations-Mahnmal an der Levetzowstraße/Ecke Jagowstraße übernommen.
Meine Damen und Herren, im Anschluß an unsere Gedenkstunde werden wir schweigend zum Deportations-Mahnmal gehen.
Das Mahnmal befindet sich auf dem Gelände, auf dem einst eine der größten Synagogen Berlins stand. Hier wurde 1941 durch die Nationalsozialisten ein Deportationssammellager eingerichtet.

An diesem authentischen Ort deutscher Geschichte werden wir jener gedenken, für die dort der Weg ins Konzentrationslager, der Weg in den Tod begann. Ich bitte jetzt die Schüler der Heinrich-von-Kleist-Oberschule, unser Programm fortzusetzen.

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