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Gedenkworte des Präsidenten das Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper für die verstorbene ehemalige Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Dr. Dr. h. c. Hanna-Renate Laurien

25.03.2010 13:00, Plenum

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Walter Momper
25.03.2010, Plenum

- Es gilt das gesprochene Wort -

Wir trauern um unsere ehemalige Präsidentin, Bürgermeisterin, Senatorin und Stadtälteste von Berlin Frau Dr. Hanna-Renate Laurien, die am 12. März 2010 im Alter von 81 Jahren gestorben ist. Mit Hanna-Renate Laurien verliert Berlin eine herausragende Persönlichkeit und Politikerin, die dem Abgeordnetenhaus von 1985 bis 1995 angehört hat. Über viele Jahre hat sie mit großem Mut, Entschlossenheit, Klugheit und Kompetenz maßgeblich das politische Leben in Berlin mitbestimmt.

Hanna-Renate Laurien wurde als Tochter eines Chemikers und einer Lehrerin am 15. April 1928 in Danzig geboren. Sie stammte aus einer wohlhabenden protestantischen Familie. Als 23jährige Frau konvertierte sie zum Katholizismus und fühlte sich der Botschaft des Evangeliums und ihrer Kirche lebenslang verpflichtet.

Hanna-Renate Laurien besuchte das Gymnasium in Spremberg und in Berlin. 1944 meldete sie sich zum Arbeitsdienst. Nach dem Abitur im Jahr 1946 studierte sie an der Humboldt-Universität Germanistik, Anglistik und Philosophie. 1948 wechselte sie zur Freien Universität Berlin, die sie selbst mit begründet hatte, und legte 1951 ihr Staatsexamen ab. Anschließend promovierte sie zum Dr. phil.

Hanna-Renate Laurien war 1951 - 1970 im Höheren Schuldienst in Nordrhein-Westfalen tätig. Sie arbeitete 1957-1963 im Kultusministerium in Düsseldorf und war 1963-1965 als Fachleiterin für Deutsch am Studienseminar tätig. Sie leitete von 1965 bis 1970 als Direktorin die Königin-Luise-Schule in Köln. Schon damals setzte sie sich dafür ein, dass schwangere Schülerinnen Abitur machen konnten. Das war damals in den Augen vieler Menschen ein unerhörter Vorgang, aber es nutzte den betroffenen Frauen. Frau Laurien hat es durchgesetzt, ausgerechnet in Köln.

Seit 1970 arbeitete Frau Laurien als Hauptabteilungsleiterin und seit 1971 als Staatssekretärin im Kultusministerium von Rheinland-Pfalz unter dem damaligen Kultusminister Bernhard Vogel. Ihre nachhaltige Kritik an den hessischen Rahmenrichtlinien für den Schulunterricht machte sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

1975 wurde Hanna-Renate Laurien in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt. Als Bernhard Vogel neuer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wurde, berief er Hanna-Renate Laurien im Dezember 1976 als Kultusministerin in sein Kabinett. Dieses Ressort behielt sie auch nach den Landtagswahlen vom März 1979. Als Kultusministerin setzte sich Hanna-Renate Laurien besonders für einen qualifizierten Ausbau der beruflichen Bildung ein.

1981 berief Richard von Weizsäcker Hanna-Renate Laurien als Senatorin für Schule, Jugend und Sport in den Berliner Senat. Aufsehen erregte ihre Auseinandersetzung mit der Lehrergewerkschaft GEW, die Lehrer und Schüler zu Aktionen für die Friedensbewegung in den Schulen aufgerufen hatte. 1983 war Frau Laurien Kandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters innerhalb der CDU. Der CDU-Landesausschuss nominierte allerdings nach einer spannenden Kandidatenrunde Eberhard Diepgen für dieses Amt. Frau Laurien kandidierte für das Abgeordnetenhaus erfolgreich im Wahlkreis Friedenau. Sie wurde 1985 in ihrem Amt als Schulsenatorin bestätigt. 1986 wurde Frau Laurien auch Bürgermeisterin von Berlin. Nach der Wahl von 1989 wurde Frau Laurien Vorsitzende des Petitionsausschusses.

Bei der ersten Gesamtberliner Wahl am 2. Dezember 1990 gewann Hanna-Renate Laurien wieder ihren Wahlkreis in Schöneberg. Am 11. Januar 1991 wurde sie als erste Frau zur Parlamentspräsidentin dieses Hauses gewählt. Sie selbst empfand ihr Amt "im vereinigten Berlin mit fünf Fraktionen wie einen krönenden Schlussstein" ihrer politischen Laufbahn.

Hanna-Renate Laurien war 1966 Mitglied der CDU geworden. 1967 - 1970 war sie stellvertretende Kreisvorsitzende in Köln. Seit 1977 war sie im CDU Bundesvorstand bis 1996.

Für ihre Verdienste in Politik, Kirche und Bildungswesen wurde Hanna-Renate Laurien mit unzähligen Auszeichnungen geehrt:
1979 mit dem "Hermann-Voß-Kulturpreis der Deutschen Orchester",
1981 erhielt sie das Große Bundesverdienstkreuz und die "Leibniz-Medaille" der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz,
1988 wurde sie mit der Leo-Kestenberg-Medaille für Verdienste um die Musikerziehung ausgezeichnet,
1994 folgte der Theodor-Heuss-Preis,
1995 die Kardinal-Döpfner-Medaille und
das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern,
der Werner-Scherer-Preis und
die Auszeichnung "Frau des Jahres" vom Verband deutscher Staatsbürgerinnen.
1996 wurde Frau Laurien für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung mit dem Kommandeurskreuz des Verdienstordens der Republik Polen geehrt.
Die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster wurde ihr 1996 zugesprochen.
1999 erhält sie die Louise-Schroeder-Medaille für ihr Engagement in der Berliner Politik, die sie später zurückgibt.

Hanna-Renate Laurien war von 1991 bis 2000 Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin. 2000 wurde sie in das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gewählt. Gerade innerhalb ihrer Kirche machte sie oft genug mit lebensnahen aber für die Kirche ungewöhnlichen Forderungen auf Unzulänglichkeiten oder Fehler aufmerksam. Sie forderte das Priesteramt auch für Frauen und setzte sich für die Anerkennung der Homosexualität und homosexueller Partnerschaften durch die katholische Kirche ein.

Am 8. März 1996 wurde Frau Laurien zur Stadtältesten von Berlin ernannt.

Frau Laurien war eine ungewöhnliche couragierte Frau und eine unkonventionelle Denkerin. Mit großem Einsatz, Mut, Kompetenz und Beharrlichkeit hat sich Hanna-Renate Laurien in ihren Ämtern für den demokratischen Staat eingesetzt. Weit über alle parteipolitischen Grenzen hinweg hat sie hohes Ansehen erworben. Hanna-Renate Laurien war eine engagierte Christin und streitbare Demokratin, für die das Wohl ihrer Mitmenschen immer im Vordergrund stand.

Das Abgeordnetenhaus trauert um seine ehemalige Präsidentin und verneigt sich mit Dankbarkeit und Hochachtung vor einer großen Persönlichkeit.

Hanna-Renate Laruien hat sich um Berlin verdient gemacht.

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