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Gedenkworte des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland für den verstorbenen Abgeordneten Thomas Kleineidam

12.09.2013 13:00, Plenarsaal

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- Es gilt das gesprochene Wort -

Wir nehmen heute Abschied von Thomas. Es ist kein leichter Tag, nicht für uns Freunde und Kollegen, nicht für Sie als Angehörige, schon gar nicht für die Kinder von Thomas. Und auch von Dir, liebe Daniela, fordert der heutige Tag all Deine Kräfte.

Kann es überhaupt Trost in solch einer Situation, in der ein geliebter und geschätzter Mensch von uns gegangen ist, geben? Ich denke nicht. Und dennoch möchte ich ein Wort für den Moment, für diesen traurigen Moment wählen. Dieses Wort heißt Erlösung. Ja, der Tod, er kann auch Erlösung sein. Erlösung von unsäglichen Schmerzen, Erlösung von Hoffnungslosigkeit, Erlösung von Krankheit, die dem Körper zusetzt.

Erlösung tritt an die Stelle von Kraftlosigkeit, Erlösung tritt ein, wenn alle Abwehrkräfte nicht mehr ausreichen, um den Körper zu stärken. Der Zeitpunkt ist da, dass die Erlösung die Qual ersetzt.

Liebe Daniela, wir haben gestern im Plenum des Abgeordnetenhauses die politische Arbeit von Thomas gewürdigt. Thomas war ein Kollege, der über alle Fraktionen hinweg große Anerkennung genoss. Sicher, er nahm klar Partei, er hatte seine Überzeugungen und Positionen – sozialdemokratische Positionen eben. Aber er war nicht dogmatisch. Ganz im Gegenteil: trotz seiner klaren Haltung war Thomas ein Politiker mit menschlichen Antlitz. Das haben wir alle gespürt. Und deshalb war Thomas sehr beliebt, ohne dass er ständig in der ersten Reihe stehen musste.

In den vierzehn Jahren seiner Parlamentszugehörigkeit hat sich Thomas den Ruf eines innenpolitischen Experten erworben. Dabei waren innenpolitische Themen für ihn nie nur juristische Fachangelegenheiten. Innenpolitik war für Thomas immer auch konkrete Sozialpolitik. Nicht die Paragrafen waren wichtig für ihn. Es ging ihm immer um das menschliche Miteinander. Letztlich hieß das für die Innenpolitik, so wie Thomas sie verstand: Auch dieser politische Bereich hatte für die Menschen da zu sein. Nicht umgekehrt.

Gerade in Zeiten des Extremismus, in Zeiten, in denen viel Hass gesät wird, half Thomas‘ besonnene Art die Balance zwischen der Sicherheitsbelangen der Gesellschaft und dem menschlichen Bedürfnis nach Freiheit auszuloten. Mit dieser Grundhaltung war er auch genau der richtige Vorsitzende für die G10-Kommission des Landes Berlin. Sein Wirken war sehr, sehr hilfreich. Wahrlich nicht nur dort.

Neben der Erlösung für Thomas, von der ich eben sprach, wird bei uns die Erinnerung – die Erinnerung an einen Menschen, der uns gut getan hat – wachsen. Ich weiß, liebe Daniela, Dir und den Kindern hilft diese Einsicht derzeit wenig. Es überwiegen die Schmerzen des jüngsten Verlustes. Aber es wird so kommen. Die schönen, gemeinsamen Erlebnisse mit Thomas werden wieder lebendig vor Eurem geistigen Auge. Sie geben Euch dann Ruhe und Kraft. Sie werden Euch stark machen.

Es kann niemals ein Trost sein. Und dennoch möchte ich es erwähnen. Viele von uns im Berliner Abgeordnetenhaus werden Thomas nicht vergessen. 
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