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Gedenkworte des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland für den verstorbenen ehemaligen Präsidenten des Abgeordetenhauses von Berlin Walter Sickert

21.02.2013 13:00, Plenarsaal

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- Es gilt das gesprochene Wort -

Wir trauern um unseren ehemaligen Präsidenten und Stadtältesten von Berlin, Walter Sickert, der heute Nacht im Alter von 94 Jahren gestorben ist. Mit Walter Sickert verliert Berlin eine herausragende Persönlichkeit, die dem Abgeordnetenhaus 21 Jahre lang, von 1963 - 1985 angehört hat. Über viele Jahre hinweg hat er mit großem Mut, Entschlossenheit, Klugheit und Kompetenz maßgeblich das politische Leben in Berlin als Politiker und Gewerkschaftsvorsitzender mitbestimmt.

Von Walter Sickert unvergessen sind die großen Reden zu den Freiheits-
demonstrationen am 1. Mai, die das damalige Lebensgefühl im einge-
mauerten Berlin widerspiegelten.

Walter Sickert war ein ungewöhnlicher Mann mit einem ungewöhnlichen Leben. Am 2. Februar 1919 in Hamburg als sechstes Kind eines Werk-
meisters und Schlossers geboren, trat er bereits mit neun Jahren der kommunistischen Jugendorganisation „Jung-Spartakusbund“ und dem kommunistischen Jugendverband „KJVD“ bei.

In den Jahren 1934 und 1935 wurde er für mehrere Monate im Konzen-
trationslager Hamburg-Fuhlsbüttel in Schutzhaft gehalten wegen Vorbereitung zum Hochverrat und wegen Vorbereitung illegaler kommunistischer Schriften. Dank seines jugendlichen Alters wurde er jedoch aus dem großen Prozess herausgenommen und unter Polizeiaufsicht gestellt.

Walter Sickert besuchte die Volksschule in Hamburg Uhlenhorst und schloss 1936 eine Lehre als Schlosser und Maschinenbauer ab. Danach war er in diesem Beruf in Hamburg tätig. Ab 1937 fuhr er als Maschinenaspirant zur See, bis er 1938 zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zum Wehrdienst bei der Kriegsmarine eingezogen wurde.

Bei Kriegsende geriet Walter Sickert im April 1945 in englische Kriegsge-
fangenschaft, aus der er Ende 1945 entlassen wurde. Von Anfang 1946 bis 1947 gehörte er der Polizei in Berlin an. Während dieser Zeit schloss er sich der oppositionellen Gewerkschaftsgruppe im ostzonalen FDGB an, der „unabhängigen Gewerkschaftsopposition“ – UGO -.

Ab Januar 1948 war er als Schlosser und Rohrleger bei der Gemeinnützigen Heimstätten AG beschäftigt, wo er 1949 zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt wurde; politisch schloss er sich 1948 unter dem Eindruck der SED-Aktivitäten der SPD an.

Seit 1946 gehörte er dem Vorstand des Neuköllner Stadtbezirks des Deutschen Baugewerksbundes an und wurde 1950 Vorstandsmitglied der
IG Bau-Steine-Erden. 1954 wurde er ehrenamtlicher Vorsitzender, 1955 hauptamtlicher Geschäftsführer dieser Gewerkschaft in Berlin. An der Seite Georg Lebers kämpfte er damals entschlossen gegen kommunistische Einflüsse in der Gewerkschaft.

1949 wurde Walter Sickert zum Arbeits- und Sozialrichter berufen, später zum Landesarbeits- und Landessozialrichter. 1957 wurde er Richter beim Bundesarbeitsgericht in Kassel und blieb das 30 Jahre lang.

Im Febr. 1960 wählte ihn die Landesbezirkskonferenz des DGB-Berlin zum Vorsitzenden des DGB-Landesbezirks Berlin, ein Amt, in dem er in der Folge immer wieder bestätigt wurde. Der Gewerkschaftsvorsitz brachte ihm enormen Einfluss in der SPD.

Seit 1963 war Walter Sickert Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, von 1964 bis 1967 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, von April 1967 bis April 1975 Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. Weitere Jahre als Vizepräsident folgten.

Walter Sickert bekleidete viele wichtige Ehrenämter. So war er u.a. Aufsichtsratsmitglied der gewerkschaftlichen Wohnungsbaugesellschaft NEUE HEIMAT Berlin, saß im Beirat der Akademie für Arbeitsmedizin, der Stiftung Luftbrückendank, der Landeszentralbank Berlin, der GagFah und gehörte dem Verwaltungsrat der Sparkasse in West-Berlin an.

Walter Sickert hat sich mit großem Einsatz, Mut und Beharrlichkeit in seinen Ämtern für den demokratischen Staat eingesetzt. Über alle parteipolitischen Grenzen hinweg hat er sich hohes Ansehen erworben.

1979 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband ausgezeichnet und 1982 erhielt er die Ernst-Reuter-Plakette für seine Verdienste um Berlin. 1986 wurde Walter Sickert zum Stadtältesten von Berlin ernannt.

Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat den wertvollen Ehrungen noch eine weitere hinzugefügt: Seit 2007 reiht sich die Bronzebüste von Walter Sickert in unsere Galerie der Skulpturen der ehemaligen Präsidenten dieses Parlaments ein.

Das Abgeordnetenhaus trauert um seinen ehemaligen Präsidenten und ver-
neigt sich mit Dankbarkeit und Hochachtung. Er hat sich stets mit ganzer Kraft für Berlin eingesetzt.

Walter Sickert hat sich um Berlin verdient gemacht.

Wir trauern mit seiner Frau und seiner Tochter.

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