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Gedenkworte des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland zum Tod von Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D. und Ehrenbürger von Berlin

12.11.2015 11:00, Plenum

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Das Berliner Abgeordnetenhaus nimmt heute Abschied von unserem Ehrenbürger Helmut Schmidt. Ein großer deutscher Staatsmann, der immer auch Europa und die Welt im Blick hatte, hat uns für immer verlassen. Seine Analysen und Ratschläge wurden gehört. Seine Beliebtheit war enorm. Als Politiker wurde er geachtet, als Elder Statesman bewundert.

Helmut Schmidt war immer eindeutig in seiner Sprache und klar im Urteil. Dabei blieb er seiner Philosophie zum Pragmatismus immer treu. "Keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft", wird Schmidt zitiert.

Eine Lehre zog Helmut Schmidt aus seinen persönlichen Kriegserfahrungen, die er als junger Mann im Zweiten Weltkrieg machte: Die Sicherung des Friedens hatte für ihn in der deutschen Nachkriegspolitik oberste Priorität.

Als Kanzler arbeitete er seit 1974 an dieser Aufgabe, indem er die deutsch-französische Freundschaft für ein geeintes Europa vertiefte, indem er den Weltwirtschaftsgipfel begründete und indem er einen intensiven Dialog mit der Weltmacht China suchte.

Helmut Schmidt hat zudem einen enorm wichtigen Beitrag geleistet, um die neue Ostpolitik von Willy Brandt fortzuschreiben. Dass es zur KSZE-Konferenz von 1975 in Helsinki kam mit dem berühmten „Korb III Menschenrechte“, war auch das Verdienst von Helmut Schmidt. Für die oppositionellen Kräfte in Polen, in der Tschechoslowakei, in der Sowjetunion und verzögert auch in der DDR entfalteten die Unterschriften der kommunistischen Führer unter dieses Dokument eine Eigendynamik der Reformbestrebungen in Osteuropa. „Der Wandel durch Annäherung“ war um eine wichtige Facette ergänzt. 

Innenpolitisch steuerte der Bundeskanzler Helmut Schmidt die Bundesrepublik durch eine unruhige Zeit mit großen volkswirtschaftlichen Herausforderungen, und er sicherte das Primat des Rechtsstaats gegen den RAF-Terrorismus.

Dass das staatliche Interesse über das Interesse einzelner zu stellen war, war für Helmut Schmidt eine politische Notwendigkeit. Daran ließ er keinen Zweifel.

Auch in Grenzfällen blieb er bei dieser Maxime. Die Schleyer-Entführung steht dafür paradigmatisch.

Der Mensch Helmut Schmidt pflegte allgemein ein Understatement der Gefühle. In der Politik hielt er sie für besonders unangebracht. 

Und doch: Auf die Frage in einem TV-Interview, ob er schon einmal aus politischen Gründen gerührt war und geweint hätte, antwortete der Altkanzler mit „Ja“.

„Die Tränen sind mir gekommen, als ich den Fall der Berliner Mauer am Fernsehen erlebte.“

Ein großes politisches Ziel deutscher Politik war vollbracht – für Europa, für Deutschland, aber auch für uns Berliner.

Dass Helmut Schmidt daran einen entscheidenden Anteil hatte, auch dafür werden wir sein Andenken immer in Ehren halten.

Unsere Gedanken sind bei seiner Tochter und allen, die ihm persönlich nahestanden. Berlin trauert mit Hamburg, das einen seiner großen Söhne verloren hat.
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