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Gedenkworte für den verstorbenen Berliner Altbischof Albrecht Schönherr

19.03.2009 13:00, Abgeordnetenhaus von Berlin, Plenarsaal

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Walter Momper
19.03.2009, Abgeordnetenhaus von Berlin, Plenarsaal

Gedenkworte des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper für den verstorbenen Berliner Altbischof Albrecht Schönherr, zu Beginn der Plenarsitzung am 19. März 2009

- Es gilt das gesprochene Wort -

Hochbetagt im Alter von 97 Jahren verstarb am 9. März in Potsdam der frühere Bischof des Ostteils der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg und langjährige Vorsitzende des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR, Albrecht Schönherr.

Albrecht Schönherr war von der Theologie Dietrich Bonhoeffers und der Bekennenden Kirche geprägt. In der DDR suchte Schönherr als Bischof und als Vorsitzender des Kirchenbundes einen Kurs des Zusammenlebens mit dem SED-Staat auf dem "schmalen Grat zwischen Opposition und Opportunismus" oder zwischen Anpassung und Verweigerung.

Albrecht Schönherr war am 11. September 1911 im oberschlesischen Katscher geboren, in der Zeit der NS-Diktatur gehörte er zu den Schülern und engen Mitarbeitern von Dietrich Bonhoeffer – einem der prägenden Vertreter der Bekennenden Kirche und damit des Widerstandes gegen das NS-Regime.

Albrecht Schönherr besuchte Vorlesungen des Privatdozenten Bonhoeffer an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Nach der Machtergreifung Hitlers nahm er an Bonhoeffers illegalem Predigerseminar in Finkenwalde teil und legte vor dem Prüfungsamt der Bekennenden Kirche 1936 sein zweites theologisches Examen ab. Nach dem Krieg ging er als Pfarrer und Superintendent an den Brandenburger Dom und baute das dortige Predigerseminar auf, das er von 1951 an leitete. 1962 wurde er Generalsuperintendent in Eberswalde.

Nachdem die DDR-Behören dem Berliner Bischof Kurt Scharf wiederholt die Einreise verwehrt hatten, wurde Albrecht Schönherr 1967 Verwalter des Bischofsamtes der Evangelischen Kirche in Berlin Brandenburg und 1972 Bischof des Ostteils der Berlin-Brandenburgischen Kirche und blieb es bis 1981.

Ende der 60er Jahre hatte Albrecht Schönherr wesentlichen Anteil am Zusammenschluss der acht evangelischen Landeskirchen der DDR zum Bund der evangelischen Kirchen in der DDR. Dieser Zusammenschluss, der die Kirche stärkte, hatte allerdings auch die Abspaltung von der bis dahin gesamtdeutschen Evangelischen Kirche in Deutschland zur Folge. Von 1969 bis 1981 war er Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR.

Die Stärkung der Kirche kam bei dem Treffen Schöherrs und der Kirchenleitung mit dem Staats- und Parteichef Erich Honecker am 6. März 1978 zum Ausdruck. Das veränderte Verhältnis der Kirche zum Staat kam in dem Begriff "Kirche im Sozialismus" zum Ausdruck. Die Formel stammte nicht von Schönherr, aber sie brachte einerseits die Anerkennung der staatlichen Realität der DDR durch die Kirche zum Ausdruck, andererseits aber auch den von der Kirche im Bonhoeferschen Sinne beanspruchte Freiraum für die eigene Aufgabe der Verkündung. Die Folge war die moderate Kirchenpolitik der DDR in den folgenden Jahren, die wachsende Autonomie und Freiräume für die Kirche ermöglichte. In diesen Freiräumen entstand und entwickelte sich die Opposition gegen die Diktatur, die 1989 die friedliche Revolution bewirkte.

Wir gedenken Albrecht Schönherr, dieses geradlinigen Kirchenmannes mit Respekt und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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