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Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhaus von Berlin, Herrn Walter Momper, zur Verabschiedung von Oberkirchenrat Gerhard Zeitz

30.08.2011 18:30, Evangelische Bildungsstätte Schwanenwerder

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Walter Momper
30.08.2011, Evangelische Bildungsstätte Schwanenwerder

-Es gilt das gesprochene Wort-

Kommen und Gehen, das bestimmt unser Leben. Viele von Ihnen, meine Damen und Herren, und ganz sicher Sie, lieber Herr Zeitz, haben heute an den Tag gedacht, an dem Sie vor zwölf Jahren ihre Aufgabe als Länderbeauftragter der Evangelischen Kirche übernahmen. In den vergangenen Jahren haben Sie in dieser Position viel bewirken können und den Vertretern der Berliner und Brandenburger Politik und des öffentlichen Lebens stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Ende Juni 2011 sind Sie in den Ruhestand getreten und heute nun ist der Tag des Abschieds gekommen, des Abschieds von einem Amt, das Sie lange mit so viel Elan und Energie ausgefüllt hat.

Damit ist heute auch der Tag gekommen, Ihnen nochmals zu danken. Für Ihr Wirken im Dienst der Evangelischen Kirche, aber auch für Ihre Arbeit für unser demokratisches Gemeinwesen, für die Anstöße, die Sie gegeben haben, und für das offene Ohr, das Sie stets für alle hatten. Auch ich, als Präsident des Abgeordnetnhauses von Berlin, möchte Ihnen, dem Vertreter der Evangelischen Kirche Berlin - Brandenburg – schlesische Oberlausitz, heute für die langjährige gute Zusammenarbeit danken.
Die Kirche und die Politik, sie gehen ja nicht immer konform. Wer wüßte das nicht besser als wir beide, sehr geehrter Herr Zeitz, aber sie haben doch auch manches gemein. Nicht von ungefähr hat es sich im Sprachgebrauch erhalten, sowohl die kirchliche Gemeinschaft als auch die Kommunen als „Gemeinde“ zu bezeichnen.
Die Gemeinde der Gläubigen und die Gemeinde der Bürger – ihr gemeinsamer Nenner ist das Wohl der Mitmenschen. Was alles zu diesem Wohl gehört, wird etwas unterschiedlich gesehen, aber es gibt eine ganze Reihe von Übereinstimmungen.
Und deshalb kommt den kirchlichen Aktivitäten gerade in einer Stadt wie Berlin 21 Jahre nach der Wiedervereinigung eine große Bedeutung zu. Die Seelsorge und die Diakonie mit den sozialen Einrichtungen der Kirche sind unverzichtbar, die Stellungnahmen der Kirche zu aktuellen Fragen sind wichtig und notwendiger Bestandtteil einer lebhaften Debatte in der Hauptstadt und sie werden gehört. In vielen Bereichen arbeiten Kirche und das Land Berlin eng zusammen.

Ein Pfarrer muss sich heute auf vielen Ebenen bewegen und bewähren. Bei der Fülle seiner Aufgaben wird auch eine Fülle von Fähigkeiten von ihm erwartet. Neben der Seelsorge sind das Qualitäten als Manager, Kommunikator und gar Werbeträger in Sachen Kirche und Religion.
Und gerade auf diesen Feldern haben Sie in den vergangenen Jahren mehr als einmal diese Fähigkeiten unter Beweis gestellt.
Ihr seelsorgerlicher Beistand, sehr geehrter Herr Zeitz, Ihr theologisches Wissen, Ihre Begabung, die christliche Botschaft in eine moderne Sprache zu kleiden, wurden hoch geschätzt. Und ich erinnere mich gerne an Ihre Beharrlichkeit, mit der Sie es vermocht haben, mit besonderen Veranstaltungen und Konzerten den Parlamentsbetrieb, insbesondere zu den christlichen Feiertagen, ein wenig inne halten zu lassen.
Hierzu zählen vor allem die ökumenischen Andachten vor den Plenarsitzungen im Abgeordnetenhaus, der Posaunenchor zur ersten Illuminierung unseres Weihnachtsbaumes vor dem Parlamentsgebäude in der Adventszeit, die vorweihnachtliche musikalische Einstimmung vor der letzten Plenarsitzung des Jahres und die Beteiligung am Tag der offenen Tür des Berliner Parlaments.

Was einem Pfarrer anvertraut wurde, die Gedanken an die Nöte, von denen man erfahren hat, sie lassen sich nicht einfach abschütteln, wenn das Gespräch beendet ist. Alles, was Menschen bewegt und bedrängt, kommt in der Seelsorge zur Sprache. Auch Abgeordnete suchen manchmal Rat und Trost bei ihrer Pfarrerin oder ihrem Pfarrer.
Zur Seelsorge gehören die schönen Momente, wenn sich alles zum Guten fügt; dazu gehören aber auch die schwierigen Situationen, wenn Sorgen und Nöte, wenn Trauer und Verzweiflung das Leben bestimmen. In den vergangenen Jahren haben Sie so manchen Abgeordneten begleitet.
Und Sie waren Ansprechpartner für alle Glaubensfragen. Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach der Schöpfung, nach ethischen Normen, sie werden gerade heute wieder oft gestellt. Zwar haben sich viele Menschen in den letzten Jahrzehnten von den traditionellen Kirchen abgewandt, zwar ist Kirche nicht mehr die unangefochtene Instanz, wie sie es früher einmal war. Doch die Suche nach Orientierung, nach einem Fundament für das eigene Leben bewegt viele Menschen.
Gerade heute, wo sich viele reduziert sehen auf ihr Funktionieren in der Leistungsgesellschaft, wo sie ihr Umfeld als kalt erleben, wo sie mit einer veränderten Sozial-gesetzgebung und Arbeitsmarktregelung klarkommen müssen oder von Terrorbedrohung und Katastrophen verunsichert sind. Die Menschen fragen deshalb danach, was unsere Welt, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält; sie fragen danach, welchen Sinn unsere Existenz hat; sie fragen danach, wie sie ein sinnvolles, ein erfülltes Leben führen können.
Hier haben Sie die Antworten des Christentums angeboten. In ihm, so Ihre Botschaft, sind humane, mitmenschliche Werte bewahrt, es ist der Ort für existenzielle Fragen, es stiftet Sinn. Sie haben auf alte Wahrheiten verwiesen und alte Botschaften in eine moderne Sprache verpackt.

Sie haben es vermocht, ihre Botschaften zu den Menschen herüberzubringen; Sie waren glaubwürdig, weil jeder spürte, dass Sie hinter dem stehen, was Sie sagen und tun. Das hat Ihnen in Berlin und Brandenburg viel Anerkennung eingetragen.

Heute ist nicht nur der Tag des Abschieds von Ihnen, sehr geehrter Herr Zeitz, sondern auch der Tag der Amtseinführung Ihres Nachfolgers im Amt, Herrn Oberkonsistorialrat Martin Vogel. Bereits vor wenigen Tagen, anlässlich einer Veranstaltung im Abgeordnetenhaus hatte ich die Gelegenheit mit Ihnen, sehr geehrter Herr Vogel, zu einem ersten Gespräch zusammen zu treffen.
Für Ihre neue Aufgabe als Länderbeauftagter der Evangelischen Kirche wünsche ich Ihnen viel Erfolg und stets eine glückliche Hand. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit und es wird mir eine besondere Freude sein, Sie am kommenden Donnerstag in Ihrer neuen Funktion zu Beginn der Plenarsitzung im Abgeordnentenhaus von Berlin zu begrüßen.
Ihnen, sehr geehrter Herr Zeitz, wünsche ich nun einen angenehmen Ruhestand und hoffentlich sehen wir ab und zu an der alten Wirkungsstätte im Berliner Landesparlament wieder. Im Abgeordnetenhaus von Berlin werden Sie stets willkommen sein.

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