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Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland anlässlich der Eröffnung des Louis-Lewandowski-Festivals

20.12.2013 15:00, Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde

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- Es gilt das gesprochene Wort -

Das diesjährige dritte Louis-Lewandowski-Festival, das heute eröffnet wird, steht ganz im Zeichen des Berliner Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“. Unter dem Motto „Zerrissenes Firmament“ wird heute und in den weiteren Veranstaltungen verfolgter und ermordeter Komponisten gedacht und ihre Musik wieder zum Leben erweckt. Einst vom nationalsozialistischen Terrorregime ins Exil vertrieben oder umgebracht, wollen wir sie gemeinsam dem Vergessen entreißen. Dass ihre Werke auch noch nach Jahrzehnten gespielt werden, das ist der Traum jedes Künstlers. Deshalb ist es, denke ich, eine großartige Würdigung, ihre Musik im Rahmen dieses viel beachteten Festivals  zu Gehör zu bringen.

Ich möchte mich im Namen Berlins ganz herzlich bei Herrn Nils Busch-Petersen bedanken. Er ist nicht nur der rührige Hauptgeschäftsführer des hiesigen Einzelhandelsverbandes, er ist auch der Motor dieser Festspiele. Und wem, wenn nicht ihm, ist es gelungen, Unternehmen verschiedener Branchen heranzuholen und als Sponsoren zu gewinnen. Die lange Liste namhafter Firmen, die das Festival finanziell ausstatten, ist beeindruckend.

Zum Zweiten möchte ich den Organisatoren gratulieren: Auch in diesem Jahr sind stimmgewaltige, profilierte Akteure aus Israel, aus der Schweiz, aus unserem Nachbarland Polen und aus Großbritannien angereist. Das Programm verspricht, auch im kulturell anspruchsvollen Berlin zu einem der Höhepunkte des Musikjahres zu werden.

Es werden Komponisten zur Aufführung gelangen, deren Werke der „weltanschaulichen Erneuerung“ Deutschlands ab dem Beginn der faschistischen Diktatur zum Opfer gefallen sind.

Kurz nach der Machtübergabe an Adolf Hitler hatte der die „moralische Sanierung an unserem Volkskörper“ zur „kulturellen“ Hauptaufgabe gemacht. Wenige Monate später, im September 1933 fand die „Kulturtagung des Reichsparteitages“ statt. Dort führte er seine Thesen zur „weltanschaulichen Erneuerung und rassistischen Klärung“ des deutschen Volkes weiter aus.  Die dann daraufhin im November gegründete „Reichskulturkammer“ hatte erst einmal die Hauptaufgabe, die deutsche Kultur von „artfremden Einflüssen zu säubern“ und zur „Entjudung“. Was das für die Künstler bedeutete, wurde schnell klar. Und es traf Komponisten und Interpreten aller Genres. Natürlich traf es auch die Komponisten sakraler Musik. Sie wurden verfolgt und verhaftet, sie wurden aus dem Land getrieben und sie wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Die Musikwissenschaftlerin Sarah Nathan-Davis sagte über die Folgen der antisemitischen Vernichtungspolitik: „Der vom Holocaust verursachte Verlust für die Musik ist eine Katastrophe, deren Ausmaß für immer unbekannt bleiben wird.“

Im Berlin des  Jahres  2013  wird Vielfalt gelebt, mit Menschen aus über 180 Ländern der Welt. Dennoch müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass antisemitische Ressentiments nicht nur an den Rändern, sondern auch in der Mitte unserer Stadtbevölkerung zu finden sind und auch im fundamental-islamischen Milieu. Niemand darf darüber die Augen verschließen.

Das internationale Louis-Lewandowski-Festival läßt die toten Komponisten durch ihre Musik weiterleben. Ich meine, es ist ein tröstlicher Gedanke, dass sie auf diese Weise einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis bekommen. Es ist der Platz, den man ihnen im Deutschland des Nationalsozialismus verwehrt hat.

Hören wir deshalb ihre Musik, lauschen wir dem Gesang. Gewinnen wir wieder mehr Vielfalt.

Ich danke Ihnen.
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