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Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland anlässlich des Parlamentarischen Abends von Berlin Partner

20.05.2015 18:15, CityCube

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Ich freue mich, dass ich heute Abend hier beim Parlamentarischen Abend der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie bin und einige Worte an Sie richten darf.

Ein Parlamentarischer Abend auf dem Messegelände im neuen CityCube – das ist auch für einen Parlamentspräsidenten etwas Ungewöhnliches. Ich habe deshalb natürlich gerne die Einladung angenommen.

Seit heute findet hier die 1. Smart-City-Kongressmesse in Berlin statt. Damit wird deutlich: Berlin möchte Zukunft mitgestalten. Berlin möchte eine moderne Metropole sein. Und wenn ich von modern und auf die Zukunft ausgerichtet spreche, dann sehe ich – wie viele andere auch - unsere Städte in einem neuerlichen Wandlungsprozess, der digital ausgerichtet sein wird.

Die Digitalisierung prägt bereits heute die Art, wie wir leben, kommunizieren, arbeiten und wirtschaften – und wird es künftig noch stärker tun. Der Wandel, in dem wir uns befinden, ist kein rein technologischer, sondern ein gesellschaftlicher Prozess, der auch Fragen von Freiheit und Demokratie berührt. Und deshalb stehen wir ebenfalls vor einer politischen Herausforderung. Der politische Rahmen muss so gesetzt werden, dass Wirtschaft und Gesellschaft auch weiterhin auf die Menschen bezogen bleiben. Es darf in diesem Zusammenhang keine Verselbständigung geben. Der Primat des Politischen gilt auch für die Smart-City. 

Ebenso wahr ist allerdings: Die Politik ist gut beraten, den Fortschritt nicht abzulehnen oder gar zu behindern. Sie muss den Fortschritt annehmen. Und sie muss steuern. Auch in Zeiten der Smart-City, in der immer mehr Vernetzung stattfindet, dürfen die Menschen nicht sozial auf der Strecke bleiben. Auch die nicht, die aufgrund ihres Alters nicht jede Entwicklung mehr mitmachen können oder auch wollen.

Ich weiß, dass heute Abend sehr viel Expertinnen und Experten versammelt sind, die die Entwicklung der Smart City vorantreiben. Sie alle haben dabei ein Bild von einer Stadt vor Augen – einer Stadt, die es so noch nicht gibt.

Und auch in der Politik haben wir es mit Vorstellungen zu tun, die unsere Stadt betreffen, aber noch in der Zukunft liegen. Konkret bedeutet das: Wir Politikerinnen und Politiker müssen uns ebenfalls fragen: Was für ein Ort wird Berlin – sagen wir im Jahr 2035 – sein?

Diese Frage mag erstaunen, weil wir schon im Moment hier in Berlin einen enormen Wandlungsprozess durchleben, der nicht alltäglich ist. Berlin ist eine wachsende Stadt. Und dennoch können wir gerade deshalb besser erahnen, wie die Stadt künftig aussehen wird.

Verglichen mit anderen Hauptstädten ist Berlin eine kompakte Stadt mit verdichteten Stadtteilen. Aber Berlin hat eben auch viele innerstädtische Grünräume, die nicht unkontrollierten Bauaktivitäten zum Opfer gefallen sind. Hinzu kommt ein erfolgreiches Nahverkehrsnetz. Die Mieten steigen zwar, sind aber immer noch deutlich niedriger als in anderen Großstädten. Und es gibt noch viele leere und unentwickelte Bereiche. Kurzum: Berlin hat eigentlich alles, um zur Mitte unseres Jahrhunderts eine größere, engmaschigere Stadt zu werden.

Wir wissen heute schon: Die kommenden Einwohner dieser Stadt werden auch in der Summe älter sein. Heute strahlt die Stadt eher eine Jugendlichkeit aus.

Die Stadt gilt als hipp – national wie international. Viele kreative junge Menschen kommen nach Berlin. Und doch sagen die Bevölkerungsprognosen: die Gruppe der Einwohner über 65 Jahre wird schon 2030 um 200.000 gewachsen sein. Und der Anteil der Berliner, die älter als 80 Jahre sein wird, wird um 80 Prozent steigen. Ich denke, es ist angesichts dieser Prognosen geradezu ein Muss, dies in die Stadtplanung mit einzubeziehen. Und natürlich auch in ein Bedingungsgeflecht für die Smart City.

Der Wandel Berlins hat aber noch eine weitere Dimension: Berlin wird für immer mehr Menschen ein Zuhause sein, die ihre Wurzeln anderswo haben – in Deutschland, aber auch außerhalb unseres Landes. Berlin wird eine Stadt der Einwanderer werden. Das muss auch so sein, will die Stadt eine prosperierende  Metropole werden und bleiben.

Damit steht schon jetzt fest, was in der kommenden Zeit für Berlin prägend sein wird: auf der einen Seite gibt es den „grauen Boom“ (die Stadtbevölkerung wird immer älter), auf der anderen Seite den „Vielfarben-Boom“ der Zuwanderer. Die wachsende Stadt Berlin wird durchaus bunt, aber auch älter sein – älter, als wir uns das heute vorstellen.

Was bedeutet das für Berlin? Berlin hat meines Erachtens Glück. Es gibt viel Raum, die neue Bevölkerung der kommenden drei bis vier Jahrzehnte unterzubringen, dabei aber gleichzeitig das Gefühl von Intimität, von Gemeinschaft, von Spontaneität sowie die Grünräume zu bewahren. Berlin hat also die Chance, eine lebenswerte Stadt zu bleiben.

Der Reichtum an Freiflächen und der prognostizierte Anstieg der wachsenden Einwohnerschaft sind eine Herausforderung für die nachhaltige Stadtentwicklung. Wer heute jedoch die Weichen richtig stellt, der sorgt dafür, dass sich die Menschen auch in kommenden Zeiten in Berlin wohl, sicher und heimisch fühlen. Ein spannender Abschnitt im wachsenden Berlin steht uns bevor. Begleitet von den Vorteilen einer Smart City.

Doch seien wir uns bewusst: Die Durchdringung und Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien wird einen dramatischen Strukturwandel mit sich bringen. Die digitalen Umwälzungen werden sicher gravierender und schneller ausfallen als die Veränderungen vergangener Jahrzehnte. Ein Systembruch steht bevor, durch den sich Strukturen und Ordnungen grundsätzlich verändern. Damit ist verbunden, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit neu sichern und neu ausrichten müssen.

Wir in Berlin wollen diese Chance nutzen, ohne dass wir die Bevölkerung dabei zurücklassen. Die Smart City hat natürlich für die Menschen in der Stadt da zu sein. Digital geht nur mit den Menschen, nicht gegen sie.

Ich danke Ihnen.
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