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Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, anlässlich der Verabschiedung von Micky Beinert in den Ruhestand

20.11.2009 18:00, Atze Musiktheater

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Walter Momper
20.11.2009, Atze Musiktheater

- Es gilt das gesprochene Wort -

Ich begrüße Sie heute herzlich zur Verabschiedung von Heinz „Micky“ Beinert in den nun wohlverdienten Ruhestand.

Micky Beinert hat schon früh angefangen sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Den Ausgangspunkt für sein politisches und gesellschaftliches Engagement bildete seine Mitwirkung in der Jugendarbeit. Sein Streben nach politischer und gesellschaftlicher Veränderung ließ er in der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken münden. Dort füllte er ehrenamtliche und hauptamtliche und manchmal auch beide Positionen gleichzeitig aus.

Die Falken waren ein großer, starker und funktionierender Jugendverband, der sich z.B. dadurch auszeichnete, dass er schon früh mit einer intensiven Auslandsarbeit auf sich aufmerksam machte und für Jugendliche attraktiv wurde. Die Falken führten zunächst im westlichen, dann aber auch im osteuropäischen Ausland, große Zeltlager durch, an denen oft mehr als 1000 Jugendliche teilnahmen. 1961 z.B. gab es ein solches Zeltlager der Falken in Holland, an dem damals noch Falken aus Ost- und Westberlin teilnahmen. Eine Woche nach Beendigung des Zeltlagers wurde die Mauer errichtet und Freundschaften brutal zerrissen.

Man muss den Falken zubilligen, dass sie früher die SPD Pioniere der Entspannungspolitik waren. Seit 1959 führten die Berliner Falken Gedenkstätten-Fahrten durch. Zunächst nach Auschwitz, dann nach Theresienstadt, Lidice und Prag. Das war politische Bildungsarbeit pur, was die Aufarbeitung des "nationalen Sozialismus" anging. Aus der Rückschau betrachtet, muss ich sagen, dass die Falken für ihre bedeutenden Gedenkstätten-Fahrten und Zeltlager im Ostblock mit Fug und Recht das gleiche Argument für sich in Anspruch nehmen können.

Micky war einer der aktivsten Gegner der von Adenauer vorangetriebenen Wiederaufrüstung der Bundesrepublik Deutschland. Er gründete eine regionale Gruppe des Verbandes der Kriegsdienstverweigerer mit der Erklärung der War resisters International in der es hieß: „ Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg, weder direkt noch indirekt zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten“. Dieser Devise ist er bis heute treu geblieben.

Er beteiligte sich mit seiner Gruppe an den ersten Protestbewegungen gegen die atomare Aufrüstung. Das war in dem damals restaurativ ausgerichteten Deutschland ein wichtiger Schritt für die linke Bewegung, um linke Mehrheiten in der Gesellschaft zu organisieren, um später einen Regierungswechsel hinzubekommen. Wie so vielen linken Genossen Widerfuhr auch Micky Beinert das Schicksal, dass er aus der SPD ausgeschlossen wurde, weil er gegen den Vietnamkrieg der Amerikaner Stellung bezog.

Das Organisieren des gesellschaftlichen Protestes gegen Entscheidungen der Bundesregierung und das Schmieden von Bündnissen, was Micky bereits in den späten 60er Jahren erfolgreich organisiert hat, wird in den nächsten Jahren für die Sozialdemokratie des 21. Jahrhunderts in der Opposition für die SPD wieder an Bedeutung gewinnen.

Denn die SPD muss sich wieder verstärkt den sozialen Bewegungen, den Gewerkschaften, der Friedens- und Anti-Atom Bewegung zuwenden, um ihre Stärke und ihren gesellschaftlichen Anspruch zurückzugewinnen. Nur so kann die SPD Vertrauen zurückgewinnen und sich als glaubwürdige linke progressive Kraft innerhalb der Gesellschaft etablieren.

Neben der Solidarisierung mit Bewegungen innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands setzte sich Heinz „Micky“ Beinert auch für eine stärkere Zusammenarbeit mit Genossinnen und Genossen aus den benachbarten Staaten ein, um gemeinsam für die internationale Solidarität zu kämpfen. Die Grundwerte der Sozialdemokratie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität dachte er nicht nur im nationalen Kontext, sondern überwand die Grenzen, in dem er die internationale Solidarität durch konkrete Aktionen in die Tat umsetze. Er unterstützte mit Hans Jürgen Wischnewski u.a. den Freiheitskampf des algerischen Volkes in den Jahren von 1954 bis 1962.

Bei ihm sucht man stets vergeblich leere Worthülsen und Floskeln. Er erkannte Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft vor allem für Kinder- und Jugendliche und machte gestärkt durch seine Arbeit bei den Falken direkt konkrete Aktionen für mehr Gerechtigkeit daraus.

Heinz „Micky“ Beinert setze sich immer mit außergewöhnlichem Engagement für das Wohl der Berliner Kinder und Jugendlichen ein. Wie sich jemand über einem Vierteljahrhundert manchmal hauptamtlich, manchmal ehrenamtlich, oft beides zusammen, so für Jugendliche begeistert einsetzt und dabei immer wieder neue Ideen entwickelt, neue Projekte in die Wege leitet, das beeindruckt mich immer wieder.

Du verabschiedest dich zwar heute offiziell in den wohlverdienten Ruhestand. Ich weiß aber, dass du dich nie ganz aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben zurückziehen wirst und das ist gut so. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten und auch die SPD-Berlin brauchen so einen wie dich.
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