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Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper bei der Begrüßung von Schülerinnen und Schülern anlässlich des „Tages des offenen Denkmals“

11.09.2011 18:00, Friedhof der Märzgefallenen

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Walter Momper
11.09.2011, Friedhof der Märzgefallenen

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich. Vor allem begrüße ich die Schülerinnen und Schüler der Georg-Herwegh-Oberschule, die sich aktiv in einem gemeinsamen Projekt mit der Revolution von 1848, mit den Forderungen der Revolutionäre von damals und mit der Geschichte dieses Friedhofes der Märzgefallenen beschäftigt haben.
Umrahmt von dem gerade beendeten Demonstrationszug und der folgenden szenischen Darstellung präsentieren sie die Ergebnisse eines interdisziplinären Jugendprojekts.

Wenn ich Sie, meine jungen Revolutionäre sehe, dann ist mir um die Weitergabe und die Erinnerung an das Erbe der Revolution von 1848 nicht bange. An diesem Ort wird an jene mutigen Frauen und Männer der Revolution erinnert, die damals den Ruf nach Freiheit und Bürgerrechten mit ihrem Leben bezahlt haben.
Hier wird des Tages gedacht, an dem die Revolution von 1848 in Berlin ihren Höhepunkt erreichte. Der revolutionäre Funke war von Paris bis Budapest, von Wien bis Berlin übergesprungen.

Der Ruf nach Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit, der Ruf nach einer Verfassung und einer Volksvertretung wurde auch in der Hauptstadt Preußens laut.
Zum ersten Mal erfassten die mit großen Emotionen geführten Diskussionen um politische und soziale Reformen ganz verschiedenartigen Schichten in der Bevölkerung. Der März von 1848 war nicht nur eine kleine Empörung von Wenigen, er war ein Aufstand eines ganzen Volkes.

Dabei darf ich als Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin mit Stolz darauf verweisen, dass es das damalige Berliner Parlament, die Stadtverordneten-versammlung, war, die in jenen Tagen des Jahres 1848 eine bemerkenswerte Rolle übernahm.

Als es damals darum ging, die Forderungen der Bevölkerung gegenüber dem preußischen König zu vertreten, war nur die Stadtverordnetenversammlung dazu bereit. Es waren Mitglieder der Berliner Stadtverordneten-versammlung, die in das königliche Schloss aufbrachen, um dem Monarchen die Forderungen zu überbringen.
Die Mitglieder der damaligen Berliner Magistrats, schlossen sich erst später - eher zögerlich - dieser Abordnung an.
Diese Mitglieder der Volksvertretung Berlins hatten den Mut und den Schneid, den damals Herrschenden deutlich zu sagen, dass sich die selbstbewussten Bürgerinnen und Bürger nicht länger bevormunden lassen wollten. Sie forderten die Menschen- und Bürgerrechte ein, wie sie die Französische Revolution im Jahre 1789 verkündet hatte.

Wie aber gehen wir heute, 163 Jahre nach den Ereignissen, mit dem Gedenken an den 18. März 1848 um? Wie ist der Stellenwert dieses wichtigen geschichtlichen Ereignisses in unserem Bewusstsein? Nach wie vor bin ich der Auffassung, dass wir allen Grund dazu haben, auf dieses Datum mit großem Stolz zurückzublicken. Wir Deutsche haben leider viel zu wenig dieser Anlässe in unserer Geschichte, auf die wir Stolz sein dürfen.

Otto Suhr, der frühere Berliner Stadtverordnetenvorsteher und erste Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, mahnte schon vor Jahrzehnten die Deutschen, ihre Helden des Friedens und der Freiheit achten zu lernen.

In diesem Sinne haben wir uns auch heute, wie auch an jedem 18. März, auf dem Friedhof der Märzgefallenen versammelt.

Wir wollen die Helden des Friedens und der Freiheit ehren. Dieses Gedenken gibt auch den Anlass, uns zu fragen, ob wir mit den Idealen und Werten, für die die Revolutionäre damals mit letzter Konsequenz eintraten, heute angemessen umgehen. Demokratie kann es nicht ohne das Engagement der Bürger geben. Engagierte Bürgerinnen und Bürger aber gibt es nur, wenn Gerechtigkeit herrscht.

Und viel zu lange haben wir Deutsche den 18. März 1848 in seiner Bedeutung unterschätzt. Erst 131 Jahre nach der März Revolution schloss sich eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern zusammen, die aus den Traditionen der 48er Revolution ein Stück deutsch-deutscher Gemeinsamkeit schöpfen wollte. 1979 erschien in der „Frankfurter Rundschau“ die erste Anzeige der „Aktion 18. März“.

Darin wurden die Deutschen in beiden Staaten – in der damaligen Bundesrepublik und in der DDR – dazu aufgerufen, künftig den 18. März als gemeinsamen Nationalfeiertag zu begehen.

Die Initiatoren, unter ihnen Heinrich Albertz, der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, wiesen in ihrem Aufruf u. a. darauf hin, dass der Aufbruchsversuch unseres Volkes vom März 1848 zu einer nationalen Demokratie im Gedächtnis der Nation bleibt, auch wenn das Volk damals um die Früchte des Kampfes gebracht wurde.
Und sicher sei auch der 18. März ein geeigneterer Feiertag, an die Geschichte des Kampfes für Demokratie und Einheit in Deutschland zu erinnern.

Die Menschen in Ost-Berlin und der DDR haben uns 1989 gezeigt, was Menschen bewirken können, die sich mutig und entschlossen gegen eine diktatorische Obrigkeit und für die Freiheit und Demokratie einsetzen.

Aber erst 150. Jahre nach dem 18. März 1848, im Jahre 1998 wurde in unserer Stadt angemessen dieses historischen Ereignisses würdig gedacht. Heute können wir feststellen, dass der Platz vor dem Brandenburger Tor den Namen des 18. März trägt.

Der 18. März wurde im Jahr 2007 in den Beflaggungs-kalender des Landes Berlin aufgenommen. Alle Fraktionen des Abgeordnetenhauses haben sich am im März 2008 in einer einstimmig angenommenen Entschließung dafür ausgesprochen, dass der Bundespräsident diesen Tag zum bundesweiten Gedenktag erklären möge.
Deshalb wiederhole ich auch heute an diesem Ort meine Forderung: Der 18. März 1848 muss als „Tag der Märzrevolution“ in den Kalender aufgenommen werden!

Auch der lange Zeit vernachlässigte und fast in Vergessenheit geratene Friedhof der Märzgefallenen ist auf gutem Wege, das zu werden, was ihm seiner historischen Bedeutung nach zusteht: ein nationales Denkmal, ein wichtiger Ort der Deutschen und der Berliner Demokratiegeschichte.

Der Friedhof der Märzgefallenen ist von seiner Bedeutung her gleichrangig mit den anderen beiden Gedenkstätten zur Revolution von 1848 zu sehen, mit der Festung Rastatt und der Frankfurter Paulskirche.
Der Friedhof der Märzgefallenen ist ein authentischer Ort deutscher Geschichte, ein Ort des Gedenkens.

Ich danke der Initiative, aus dem Friedhof der Märzgefallenen einen würdigen Ort der Erinnerung zu gestalten.

An ihr sind neben dem Paul-Singer-Verein, dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg auch Mitglieder des Abgeordnetenhauses beteiligt.
Seit Mai 2011 erzählt die neue Ausstellung „Am Grundstein der Demokratie – die Märzrevolution 1848 und der Friedhof der Märzgefallenen“ die wechselvolle Geschichte dieses Ortes und die Märzrevolution.

Ich danke dem Paul-Singer-Verein, dem Kuratorium des Projekts Friedhof der Märzgefallenen, dem Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg, dem Verein Denk mal an Berlin, der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen sowie dem Landeskonservator Berlin für die Realisierung der Veranstaltungen am gestrigen Tag und heute.

Und natürlich danke ich unseren „jungen Revolutionären“, die sich intensiv auf ihre heutige Präsentation ihres Projekts vorbereitet haben.

Bitte macht weiter so!!

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