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Parlamentspräsident Reinhard Führer spricht bei Bundeswehr-Gelöbnis

15.02.2001, Blücher-Kaserne in Kladow

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Reinhard Führer
15.02.2001, Blücher-Kaserne in Kladow
Bundeswehr-Gelöbnis

Soldaten! Ich begrüße Sie sehr herzlich.

Das Feierliche Gelöbnis, zu dem Sie heute angetreten sind, ist eine wichtige militärische Zeremonie: Es ist aber auch eine Aussage von Staatsbürgern, ihr Bekenntnis zu der demokratischen Gesellschaftsform, in der wir leben und für die wir einstehen. Denn Freiheit und Demokratie, die noch immer vielen Völkern vorenthalten werden, sind keine Selbstverständlichkeit, - und sie werden niemals selbstverständlich sein. Sie sind ein kostbares Gut, das immer wieder geschützt und verteidigt werden muss.

Soldaten! Ihre persönliche Entscheidung, die Wehrpflicht durch den Dienst in der Bundeswehr zu leisten, verdient Respekt und Hochachtung.

Im Unterschied zum Zivildienst, für den sich viele Gleichaltrige entscheiden, ist der Dienst in der Bundeswehr ein tieferer Einschnitt in die persönliche Lebenssituation. Sie nehmen größere Unbequemlichkeiten und Unannehmlichkeiten auf sich als die Zivildienstleistenden.

Doch hier ist nicht der Ort, beide Dienste, die für unsere Gesellschaft geleistet werden, gegeneinander abzuwägen. Sie haben sich entschieden, und Ihre Entscheidung verdient große Anerkennung.

Mit der politischen Entwicklung in Europa seit 1989, die das Ende der Ost-West-Konfrontation und eine Veränderung der Machtstrukturen gebracht hat, haben sich auch die Aufgaben der Bundeswehr verändert. Gerade in diesen Wochen werden wichtige Entscheidungen über Zahl und Struktur der Standorte getroffen. In den nächsten fünf Jahren sollen 39 größere und 20 kleinere Standorte in Deutschland geschlossen werden.

Nach dem, was bisher bekannt wurde, ist Berlin - wie man hier so treffend sagt - "mit einem blauen Auge davongekommen", während andere Städte und Regionen erhebliche Einschnitte hinnehmen müssen. Bundeswehrstandorte sind ja - das wird oft vergessen! - auch wichtige wirtschaftliche Faktoren für die jeweilige Region. Eine Standortschließung bedeutet den Verlust von Kaufkraft, Investitionen und Arbeitsplätzen.

Die Standort-Entscheidungen sind für Berlin akzeptabel. Dennoch bedaure ich persönlich, dass in unserer Stadt nach der angekündigten Auflösung des Jägerbataillons dann keine kämpfende Truppe mehr stationiert sein wird. So ist die heutige Zeremonie sicherlich eines der letzten Gelöbnisse des Jägerbataillons.

Soldaten! Mit dem Dienst in der Bundeswehr erfüllen Sie die Wehrpflicht, die in unserem Land gilt und deren Fortbestand nach meiner Überzeugung auch künftig nicht in Frage gestellt werden sollte. Ich begrüße es ausdrücklich, dass dies auch von den Verantwortlichen, vom Minister und vom Generalinspekteur, bekräftigt worden ist.

Die Wehrpflicht ist ein wesentlicher Faktor der politischen und militärischen Planung. Und sie trägt dazu bei, dass die Bundeswehr auch in die gesellschaftlichen Entwicklungen in unserem Land einbezogen bleibt:

Wenn immer wieder junge Menschen mit den Gedanken, Auffassungen und der Sicht der jungen Generation in die Kasernen einrücken, führt dies dazu, dass sich die Bundeswehr-Führung mit diesen Auffassungen auseinandersetzen muss. Das mag bisweilen unbequem sein, doch es trägt dazu bei, Betriebsblindheit, Verhärtungen oder Verkrustungen zu vermeiden.

Die politischen Veränderungen in Europa haben die Mitverantwortung Deutschlands auf internationaler Ebene erweitert: Zu den wesentlichen Aufgaben der Bundeswehr gehört ihre Beteiligung an friedenfördernden und friedensichernden Maßnahmen im Rahmen der NATO und auf der Grundlage von UNO-Beschlüssen.

Diese Einsätze, zu denen Freiwillige herangezogen werden, dienen immer auch dem Schutz des eigenen Landes und seiner Bevölkerung. Die bisherigen Auslandseinsätze der Bundeswehr haben zur Friedenssicherung beigetragen, aber auch zum Ansehen Deutschlands in den betroffenen Ländern. Denn Soldaten der Bundeswehr haben dort bei der Wiederherstellung wichtiger Struktureinrichtungen - z.B. beim Wiederaufbau von Krankenhäusern, Schulen und Straßen - Großartiges geleistet und auf diese Weise der betroffenen Bevölkerung große Hilfe gebracht. Das werden die Menschen dort nicht vergessen.

Soldaten! Mit dem heutigen Feierlichen Gelöbnis und mit Ihrem Dienst in der Bundeswehr setzen Sie persönlich ein Zeichen: Sie stellen unserem Land - den Menschen in unserem Land - einen Abschnitt Ihrer Lebenszeit zur Verfügung. Dafür haben wir Ihnen zu danken.

Die Bundeswehr hat vielfach bewiesen, dass sie dem Schutz von Leben und dem Frieden dient. Sie hat die Solidarität der großen Mehrheit in unserem Land, und das wird so bleiben.

Alle, die in der Bundeswehr Dienst tun, sind Staatsbürger in Uniform.

Sie sind unsere Mitbürger, und ihnen gelten unsere guten Wünsche.

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