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Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland anlässlich der Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille 2015

20.04.2015 18:00, Festsaal

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Sehr verehrte Frau von Braun, liebe Familienangehörige, sehr geehrte Frau Dr. Neusüß, sehr geehrte Frau Stahmer, Vorsitzende des Kuratoriums "Louise Schroeder Medaille", liebe Kuratoriumsmitglieder!
Sehr herzlich begrüße ich die anwesenden Inhaberinnen der Louise-Schroeder-Medaille!
Sehr geehrte Fraktionsvorsitzende und Vertreter im Amt,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Böhning,
ich begrüße Frau Staatssekretärin Hartwig-Tiedt aus unserem Nachbarland Brandenburg,
sehr geehrte Frau Dr. Schwaetzer, sehr geehrte Frau Schmalz-Jacobsen,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus!
Sehr geehrte Frau Thein, Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der FDP,
liebe Stadtälteste von Berlin, liebe Gäste!

In der heutigen Feierstunde wollen wir an eine herausragende Persönlichkeit erinnern, die mit der Geschichte unserer Stadt untrennbar verbunden ist, eine Frau, die sich durch ihr konsequentes Eintreten für die Gleichstellung von Männern und Frauen auszeichnete: Louise Schroeder.

Und wir wollen in dieser heutigen Feierstunde eine herausragende Persönlichkeit ehren, die heute eng mit Berlin verbunden ist und die durch ihren eigenen Werdegang Wegmarken gesetzt hat für all die Frauen, die sich für Gender-Mainstreaming-Politik engagieren und die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt organisieren wollen.

Für unsere heutige Preisträgerin Carola von Braun sind Werte wie die Gleichstellung von Männern und Frauen, Demokratie und soziale Gerechtigkeit keine inhaltsleeren Schlagwörter. Sie hat diese Begriffe mit Leben erfüllt, durch ihr unermüdliches frauenpolitisches Engagement, aber auch durch ihren Einsatz für interkulturelle Begegnungen und insbesondere für die Bedeutung der Religion als Teil der eigenen Kultur.

Wir wissen alle, dass es nicht genügt, in der Verfassung und in Gesetzen die Grundlagen für die Gleichstellung zu schaffen. Und es genügt auch nicht, hier in Berlin mit Senats- und Parlamentsbeschlüssen, mit Verordnungen und Verwaltungsvorschriften Gleichstellung rechtlich abzusichern. Entscheidend ist, dass die Idee von Gleichberechtigung und gleicher Teilhabe in den Köpfen der Menschen immer mitgedacht wird, dass sich unser tägliches Handeln und Tun daran orientiert.

Heute sind wir hier zusammengekommen, um ein Zeichen zu setzen: Ein Zeichen im Sinne Louise Schroeders.
Am 20. März wird in Deutschland der Equal Pay Day begangen, der Tag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen. Leider ist festzustellen: Auch in diesem Jahr ist Deutschland ziemlich weit davon entfernt.

Die Gründe hierfür liegen hauptsächlich in der starken Verbreitung der Teilzeitbeschäftigung von Frauen mit geringeren Einkommenschancen, sie arbeiten oft im Niedriglohnsektor, aber auch in gravierenden Einkommensunterschieden bei Spitzenpositionen. Und noch etwas gibt sehr zu denken: In keiner anderen Wirtschaftsnation gibt es so wenige Frauen in Führungspositionen, wie in Deutschland. Und das, obwohl Frauen bessere Bildungsabschlüsse machen als Männer.

Sehr geehrte Damen und Herren,
die jährliche Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille ist ein guter Anlass, auf dieses immer noch bestehende Defizit an Gleichstellung aufmerksam zu machen. Denn: Wer sich um die Gleichstellung um Männern und Frauen in unserer Gesellschaft verdient macht, der macht sich auch um Demokratie und Frieden und um soziale Gerechtigkeit verdient.

Das Abgeordnetenhaus von Berlin ist mit Beschluss vom 12. September 2002 – und ich zitiere – „als Stifter in die Nachfolge des Regierenden Bürgermeisters getreten“. Seit da an sammelt das „Kuratorium Louise-Schroeder-Medaille“ die Vorschläge aus der Berliner Bürgerschaft und empfiehlt dem Präsidium eine Preisträgerin. Dieses Mal hat das Kuratorium Carola von Braun vorgeschlagen. Das überrascht mich nicht!

Sie, liebe Frau von Braun, genießen über die Parteigrenzen hinweg Hochachtung und Anerkennung. Bevor Frau Professor Neusüß für uns die Laudatio auf Sie halten wird, möchte ich noch einige Worte zur Namenspatronin unsere Medaille -  Louise Schroeder -sagen.

Louise Schroeder war eine bemerkenswerte Vorkämpferin der Frauenbewegung. Sie stammte aus einem sozialdemokratischen Milieu, 1887 in Hamburg-Altona geboren, besuchte sie mit ihrem Vater schon früh Parteiveranstaltungen. Die Arbeiterpartei war damals eine Männerwelt und so lernte sie beizeiten die Widrigkeiten und Hürden kennen, mit denen Frauen in der Politik zu kämpfen hatten. In der Geschichte der Arbeiterbewegung steht Louise-Schroeder für den Anspruch auf politische Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Sie setzte sich nicht nur für gerechteren Lohn und damit mehr Unabhängigkeit für Frauen ein, sie forderte die Teilhabe von Frauen an der Gesellschaft ein.

1910 trat sie mit 23 Jahren in die SPD ein. Schon mit 32 Jahren wurde sie als Abgeordnete Schleswig-Holsteins 1919 Mitglied der verfassungsgebenden Nationalversammlung und des Reichstags. Vorrangig widmete sie sich Initiativen zum Schutz der arbeitenden Frauen, im Gesundheitsbereich und in der Jugendgerichtsbarkeit.

Vor allem auf ihren Einsatz ist das Mutterschutzgesetz von 1927 zurückzuführen und die 1931 eingeführte allgemeine Krankenversicherung für alle Familienmitglieder. Zu wahrer Berühmtheit gelangte sie in den Nachkriegsjahren als amtierende Oberbürgermeisterin von Berlin. Die damals 60-Jährige war zweifellos die populärste ‚Mutter‘ der Stadt. Mit Blick auf die schwierige Zeit der Blockade Berlins schrieb der englische Observer im Jahr 1948: „Unter allen deutschen Männern und Frauen, die im belagerten Berlin den Kampf für die Freiheit und Demokratie aufgenommen haben, gibt es niemanden, der tapferer, bescheidener und gütiger kämpft, als Frau Louise Schroeder, die amtierende Bürgermeisterin der Stadt.“ Noch 1951 nannten zwei Drittel der Bundesbürger ihren Namen, wenn nach der prominentesten deutschen Frau gefragt wurde.

Sehr geehrte Frau von Braun,
in der Ausschreibung für die Louise-Schroeder-Medaille steht nicht, dass sie für Hartnäckigkeit vergeben wird. Aber wer so anspruchsvolle Ziele wie Carola von Braun verfolgt, der muss sehr hartnäckig und ausdauernd sein. Für die allererste Frauenbeauftragte in Berlin war Zähigkeit und Beharrlichkeit Pflichtprogramm. Politik für Frauen musste gegen verkappte Frauenfeindlichkeit und unverhohlen geäußerte Vorurteile verteidigt werden.

Sie haben Ihre Anliegen immer glaubwürdig, kompetent und mit Charme vertreten und Ihre Ämter und Aufgaben selbstbewusst und leidenschaftlich ausgeübt. Lebendige Demokratie braucht das Beispiel, braucht das Vorbild. Sie, liebe Frau von Braun, stehen vorbildhaft für die Werte, die Louise Schroeder wichtig waren.
Es wird mir daher eine Ehre sein, Sie mit der Louise-Schroeder-Medaille auszuzeichnen.

Doch zuerst bitte ich nun Frau Dr. Claudia Neusüß bitten, die Laudatio zu halten.

Ich danke Ihnen.
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