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Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland bei der Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Märzgefallenen

18.03.2013 17:00, Friedhof der Märzgefallenen

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- Es gilt das gesprochene Wort -

Der Dichter Heinrich Heine, ein bekennender Kosmopolit, formulierte im Jahre 1844: „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht“. Für ihn symbolisierte die Trommel den Aufbruch in eine neue Zeit ohne „Gott gegebene Ordnung“.

Es war der Ruf nach Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Es war der Ruf nach Freiheit und nach Bürgerrechten, nach einer Verfassung.

1848 ist das Jahr der Märzrevolution in Deutschland und auch in Berlin. Doch nicht nur die Revolution von 1848 macht dieses Jahr so interessant und prägend: Zwei andere Ereignisse, an die wir in diesem Zusammenhang eher weniger denken, sind die Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels am 21. Februar 1848 und die Gründung der „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung“ im September.

Die bürgerlichen Demokraten von 1848 wollten einen parlamentarisch verfassten Staat. Ihr Ziel war die nationale Einheit mit allgemeinem und gleichem Wahlrecht. Die Arbeiterschaft hingegen kämpfte für ein besseres und für ein selbstbestimmtes Leben. Sie litt unter unvorstellbarer Armut, überlangen Arbeitstagen und Hungerlöhnen, von denen man kaum leben konnte.

In unserem Erinnern und Gedenken sehen wir fast immer nur die eine Seite der Revolution – die Verfassungs- und Nationalrevolution des liberalen Bürgertums.

Ich zitiere: „Von den ca. 900 Berlinern, die zwischen dem 13. und 19.3. vom Militär getötet, verletzt oder verhaftet wurden, gehörten mehr als 85 % den Unterschichten an.“, stellt der Historiker Franz Lorenz Müller fest.

Die in seinem Buch über die Revolution veröffentlichten Sozialprofile der am 18. März in Berlin Gefallenen zeigen denn auch deutlich, dass die Märzrevolution „das große Werk der Volksmassen“ war, wie der später selbst hingerichtete Demokrat Hermann Jellinek es bereits 1848 formulierte.

Im Einzelnen waren es 15 Gefallene der „gebildeten Stände“, 29 Meister, 240 „Arbeitsleute und Proletarier“, Gesellen, Lehrlinge, Diener und Kleinhändler, vier berufslose Knaben und sieben berufslose Frauen. 34 Gefallene konnten nicht eindeutig identifiziert werden. Sie alle konnten den Jubel in Berlin nicht mehr miterleben. Den Jubel darüber, dass das reaktionäre Preußen und sein Herrscher Friedrich Wilhelm IV. in die Knie gezwungen schien.

Der Blutzoll der Barrikadenkämpfer war nicht umsonst: Die Märzrevolution gilt heute als eine europaweite Bewegung gegen Absolutismus und Fürstenwillkür. Otto Suhr nannte sie den „Geburtstag des Deutschen Parlamentarismus“.

Heute – 165 Jahre später – sind die Forderungen der Märzrevolutionäre in vielen Teilen der Welt noch nicht Selbstverständlichkeit.

Es ist deshalb gut, dass wir das Erbe der Märzrevolution pflegen und den Frauen und Männern gedenken, die selbstbewusst und mutig ihre Grundrechte angemeldet haben. Unser heutiger demokratischer Rechtsstaat wäre ohne sie nicht denkbar.

Ich danke Ihnen.
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