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Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland für den verstorbenen ehemaligen Abgeordneten und Senator Horst Grabert

10.11.2011 13:00, Plenarsaal

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-Es gilt das gesprochene Wort-

Zu Beginn der heutigen Plenarsitzung habe ich eine traurige Pflicht zu erfüllen und bitte Sie, sich von Ihren Plätzen zu erheben.

Am 10. Oktober 2011 ist der Berliner Horst Grabert im Alter von 83 Jahren verstorben. Er war ein Politiker, dessen bedeutender Anteil an der Entspannungspolitik Willy Brandts sich auch aus seinen Erfahrungen in der geteilten Stadt Berlin erklärt. Mit seinem Wirken als Politiker und Diplomat hat sich Horst Grabert um seine Stadt und um sein Land verdient gemacht.

1927 in Berlin geboren, wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt und musste 1942 die Oberschule verlassen. Nach dem Krieg absolvierte er ein Studium an der Technischen Universität Berlin und legte zwei Examen ab, eines als Diplom-Ingenieur und ein weiteres als Bau-Assesor. Danach arbeitete er bei der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen und stieg vom Baurat bis zum Baudirektor seiner Behörde auf.

Die Erfahrung von Verfolgung und Krieg bewog Horst Grabert 1946 in seinem Heimatbezirk Steglitz der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands beizutreten. Von 1952 bis 1963 brachte er sein Wissen und sein Engagement zunächst als Bürgerdeputierter und später als Bezirksverordneter in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz ein. Von 1958 bis 1963 stand er als Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz vor. 1962 wählten ihn die Steglitzer Sozialdemokraten zu ihrem Vorsitzenden. 1963 wurde er zum Senatsbaudirektor berufen, bis er 1967 die Leitung der Senatskanzlei unter dem Regierenden Bürgermeister Heinrich Albertz übernahm. 1969 wurde der Sozialdemokrat Senator für Bundesangelegenheiten und war zeitweilig Unterhändler für Passierscheinfragen – ein Thema, das die Berlinerinnen und Berliner ganz besonders bewegte. Von April 1971 bis Januar 1973 gehörte Horst Grabert dem Berliner Abgeordnetenhaus an.

Nach der Bundestagswahl 1972 holte Willy Brandt ihn als Chef des Bundeskanzleramtes nach Bonn. Damit war er während der schwierigsten Phase der Kanzlerschaft Brandts im Zentrum der Macht und musste unter großem Druck schwierige Entscheidungen mittragen und durchsetzen.

Nach dem Rücktritt Willy Brandts verließ auch Horst Grabert die damalige Bundeshauptstadt und wurde deutscher Botschafter in Wien. Der Höhepunkt seiner Tätigkeit dort war sicherlich der gelungene Besuch von Bundespräsident Scheel im Februar 1979 in Österreich. Im Frühjahr desselben Jahres wurde Horst Grabert Botschafter in Jugoslawien. Hier konnte er an einer deutlichen Verbesserung der deutsch-jugoslawischen Beziehungen mitwirken. Von 1984 bis 1987 vertrat er die Bundesrepublik im irischen Dublin.

Sein Leben hat den Steglitzer Bezirksverordneten Horst Grabert weit geführt: Bis zum Kanzleramtschef in Bonn und zum Botschafter der Bundesrepublik in europäischen Hauptstädten. Als enger Vertrauter von Willy Brandt und Egon Bahr hat Horst Grabert seinen Anteil zur deutschen Ostpolitik beigetragen. Der Botschafter Grabert hat die Konzeption der Ostpolitik im diplomatischen Tagesgeschäft umgesetzt.

Unser Respekt gilt seinen Verdiensten für Berlin und für Deutschland. Wir trauern um unseren ehemaligen Kollegen Horst Grabert und gedenken seiner mit Hochachtung.

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