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Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper anlässlich der Enthüllung des Ehrenbürgerportraits von Wolf Biermann

10.02.2010 17:00, Abgeordnetenhaus, Festsaal

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Walter Momper
10.02.2010, Abgeordnetenhaus, Festsaal

Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper anlässlich der Enthüllung des Ehrenbürgerportraits von Wolf Biermann am 10. Februar 2010, 17.00 Uhr, Festsaal

- Es gilt das gesprochene Wort -
- Sperrfrist: 17.00 Uhr -

Der Liedermacher Wolf Biermann ist am 27. März 2007 im Großen Saal des Roten Rathauses mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin ausgezeichnet worden. Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts ist die höchste Auszeichnung, die Berlin vergeben kann.

Sehr geehrter Herr Biermann,

Sie sind nun der 115. Ehrenbürger im ewigen Gedächtnis unserer Stadt.

Sie selbst haben die Ehrung als eine Art „Wiedereinbürgerung“ bezeichnet. Robert Havemann und Sie selbst waren die wohl bekanntesten Staatsfeinde der DDR-Führung. Nach Robert Havemann hat Berlin eine Schule benannt, Sie haben die Ehrenbürgerwürde erhalten. Sie beide haben sich für das hohe Gut der Freiheit eingesetzt.

Wolf Biermann steht symbolisch für alle Künstlerinnen und Künstler, die in der ehemaligen DDR von der SED-Führung bespitzelt, behindert und drangsaliert wurden. Es geht also auch um eine Art Wiedergutmachung, um eine Geste der Stadt Berlin an den mutigen Künstler. Biermann – der ewige Provokateur – hat die Spaltung der Stadt und die Spaltung unseres Landes kompromisslos beim Namen genannt.

Mit der heutigen Feier anlässlich der Enthüllung des Portraits von Wolf Biermann ehren wir aber auch den Dichter, der mit seinen Balladen und Versen tief in den Herzen der Berlinerinnen und Berliner verwurzelt ist.

Senat und Abgeordnetenhaus haben Wolf Biermann in dem Text der Ehrenbürger-Urkunde wie folgt geehrt:

„Für den Senat und das Abgeordnetenhaus von Berlin beurkunden wir hiermit, dass wir Herrn Wolf Biermann in Anerkennung seiner Verdienste um Berlin die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin verliehen haben.

Wir ehren damit eine Künstlerpersönlichkeit, die sich als Autor, Dichter und Liedermacher während der Teilung unserer Stadt im Ostteil Berlins mutig und standhaft zu Freiheit und Demokratie bekannt hat.

Wolf Biermann steht damit in herausragender Weise für die Tradition deutscher Aufklärung und Humanität, die das geistige und moralische Rüstzeug gegen die Anfechtungen von Freiheit und Demokratie durch die Diktaturen des 20. Jahrhunderts ist.

Durch seine überragende künstlerische wie menschliche Ausstrahlung, durch die große innere Freiheit, die er sich nahm, gab Wolf Biermann jenen Halt und Orientierung, die unter der SED-Diktatur litten.

Sein Beispiel wirkte ebenso polarisierend wie profilschärfend. Mit den Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 bekannten erstmals führende Künstler und Intellektuelle in der DDR öffentlich ihre Ablehnung der SED-Diktatur. Der DDR-Opposition war er Inspiration wie Symbolfigur zugleich.

Wolf Biermann hat dazu beigetragen, die SED-Diktatur zu überwinden. Berlin hat davon profitiert. Er gehört zu den Wegbereitern der Einheit Berlins und Deutschlands. Und er hat mit viel Temperament, Kreativität und moralischer Autorität wichtige Debatten für das wiedervereinte Deutschland angestoßen.

Die deutsche Hauptstadt sagt Wolf Biermann Dank.“

Es ist guter Brauch, dass diese Ehrung eine über alle Parteien und gesellschaftliche Gruppierungen hinweg vorhandene Einigkeit voraussetzt. Das ist sehr wichtig, weil diese höchste Ehre nur Personen erhalten sollen, für die es einen breiten gesellschaftlichen Konsens gibt.

Seit 1831 werden in Berlin als Ehrenbürger Personen ausgezeichnet, „die sich um Staat und Stadt wohlverdient“ gemacht haben. Damals waren ausschließlich Männer gemeint, erst seit 1919 dürfen es auch Ehrenbürgerinnen sein. Aber bis zur ersten Frau – Louise Schroeder, war es ein weiter Weg. Sie wurde erst 1957 Ehrenbürgerin.

Das Ehrenbürgerrecht ist ja ein wenig altmodisch, es hat etwas von „ Bürgerkrone, Silberpokal und Fontane“ an sich, wie Christoph Stölzl einmal gesagt hat. Sehr geehrter Herr Biermann, Sie bekommen heute im Abgeordnetenhaus von Berlin einen ganz besonderen Pokal, nämlich Ihr Porträit, das von nun an in der Ehrenbürgergalerie unseres Hauses hängen wird.

Wir freuen uns darüber und wir sind stolz auf unseren Ehrenbürger Wolf Biermann.

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Der Maler des Portraits von Wolf Biermann ist der bekannte Künstler Ronald Paris, geb. 1933 in Sondershausen, ausgebildet an der Kunsthochschule Weißensee und Meisterschüler bei Otto Nagel. Besonders bekannt geworden ist er 1969 durch sein Porträt Ernst Buschs, dass Ernst Busch zeigte, wie er zu jener Zeit war: Ein müder alter Mann. Das Bild wurde massiv kritisiert, weil es dem Heldenbild des Spanienkämpfers Ernst Busch nicht entsprach. Das Bild wurde zwar gekauft, aber es wurde nicht gezeigt. Es ist verschwunden.

Wir freuen uns darauf, dass Herr Paris nach der Enthüllung zu uns sprechen wird.

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