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Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper beim Empfang anlässlich der Einzeichnung in das Goldene Buch von Berlin durch den Vorsitzenden des National Council of Provinces der Republik Südafrika, S.E. Muinwa Johannes Mahlangu,

04.03.2010 12:30, Abgeordnetenhaus, Festsaal

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Walter Momper
04.03.2010, Abgeordnetenhaus, Festsaal

am Donnerstag, 4. März 2010, um 12.30 Uhr im Festsaal
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- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

die wahren Fans haben sich den Termin schon dick im Kalender angestrichen: Ab dem 11. Juni 2010 ist wieder Fußballweltmeisterschaft - und zum ersten Mal überhaupt rollt der Ball dabei auf Afrikas Boden, genauer gesagt in den Stadien Südafrikas. Damit gerät der „vergessene“ Kontinent auch in die Schlagzeilen der deutschen Presse. Da finden sich sonst nur sehr wenige Artikel über Südafrika und über Afrika insgesamt.

Es wird vielen egal sein, auf welchem Kontinent das Ereignis stattfindet. Hauptsache, der Rasen ist bespielbar, es gibt zwei Tore und vier Eckfahnen, und es möge die beste Mannschaft am Ende gewinnen. Fußballanhänger wollen vor allem Fußball.

Sie, sehr geehrte Gäste, wollen vor allem die positiven Seiten Ihres Landes und des afrikanischen Kontinents zeigen. Wenn sich die Augen der Welt auf Afrika richten, wünschen Sie sich das Bild eines hoffnungsvollen Kontinents; das Bild eines demokratischen, fast liberalen Südafrika, in dem das Recht auf Schwangerschaftsabbruch oder die gleichgeschlechtliche Ehe verankert sind. Sie werben auch bei Ihren Nachbarn mit einer „afrikanischen Weltmeisterschaft“, quasi symbolisch für ganz Afrika ausgetragen in Südafrika.

Als die Fifa 2004 das Turnier nach Afrika vergab, waren nicht wenige Bedenken laut geworden. Bis heute fürchten manche, dass die WM im Fiasko endet. Die Probleme in Ihrer Region, im südlichen Afrika sind immens: Simbabwe ist eine echte Diktatur, die mit Hilfe des Militärs regiert wird. Weiße Farmer fliehen aus dem Land, die Arbeitslosigkeit liegt bei für uns unvorstellbaren 94 Prozent. Und nicht nur in Simbabwe grassiert der Hunger, auch in den übrigen Staaten herrscht oft bitterste Armut. Hinzu kommt die Aids-Problematik. Die meisten HIV-infizierten Menschen leben in Südafrika, in Botsuana und in Swasiland. Allein in Südafrika sind es erschreckende Zahlen (5,7 Millionen Menschen HIV-positiv), Kinder werden Vollwaisen, die schon bei Geburt infiziert sind, und es fehlen Medikamente.

Dazu kommen soziale Spannungen, die sich - wie wir wissen - in Ausschreitungen entladen. Wir haben alle noch die Bilder vor uns, als im Frühjahr letzten Jahres, junge schwarze Südafrikaner, oft arbeitslos und ohne Aussicht auf ein besseres Leben, Menschen aus Simbabwe und Mosambik totprügelten.

Ihr Land steht vor großen Herausforderungen. Die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft ist eine große Chance, das „andere“ Südafrika zu zeigen. Wenn wir im Fernsehen oder in Zeitungen Berichte über Afrika sehen, wird meistens über Kriege und Katastrophen berichtet. Oder über die hohe Kriminalitätsrate. Die große kommende Berichterstattung wird einen sehr viel differenzierteren Blick auf Afrika und auf Südafrika werfen. Die große Vorfreude in Ihrem Land zeigt uns, dass es wichtig war, die Spiele dorthin zu geben.

Gerade im südlichen Teil des Kontinents wurden politische und wirtschaftliche Erfolge erzielt. Nach dem Sie das Apartheid-Regime in den frühen 1990er Jahren abschütteln konnten, geht der Trend in mehreren Staaten der Region hin zur Demokratie. Und auch das Wirtschaftswachstum macht Fortschritte.

Die Vergabe des Turniers löste eine Welle der Begeisterung aus. Daraus kann viel positive Energie gewonnen werden.

Dass Südafrikaner sportbegeistert und sportlich sind - auch über Rugby und Cricket hinaus - wissen wir spätestens seit 2004: Da lieferte die südafrikanische Freistil-Staffel über 4 x 100 m die sportliche Sensation. Die Schwimmer gewannen die erste olympische Goldmedaille für Südafrika!

Einen neuen Fußballweltmeister gibt es erst mit dem letzten Schlusspfiff. Gut ein halbes Jahr vor Beginn des Turniers steht dagegen ein anderer Gewinner schon fest: Afrika!

Anrede,

ich freue mich, dass Sie innerhalb Ihres Deutschlandbesuches in das Bundesland Berlin gekommen sind. Südafrika trägt eine besondere Verantwortung bei der Förderung von Frieden und Stabilität in Afrika. Ich hoffe, dass Ihr Besuch hier bei uns dazu beiträgt, die Beziehungen zwischen unseren Ländern weiter zu vertiefen.

Die internationale Anerkennung für die südafrikanische Politik drückt sich in zahllosen Aktivitäten im multilateralen Rahmen aus, z. B. in der Mitgliedschaft im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen.

Der Südafrikanische Nobelpreisträger Desmond Tutu hat gesagt: „Bitte gebt uns eine Chance, wir sind erst seit 15 Jahren ein freies Land - und wir hatten keinen Marschall-Plan.“ Seien Sie versichert: Die Berliner Politikerinnen und Politiker wissen um den Willen ihrer Bevölkerung zu Demokratie und zu Freiheit.

Ich freue mich, dass Sie heute bei uns sind und dass Sie sich in das Goldene Buch der Stadt Berlin eintragen werden. Es ist eine Ehre für Berlin und eine Verneigung vor der südafrikanischen Zivilgesellschaft.

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