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Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper zur Eröffnung der Ausstellung „Am Grundstein der Demokratie - Die Märzrevolution 1848 und der Friedhof der Märzgefallenen“

18.03.2011, Friedhof der Märzgefallenen

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Walter Momper
18.03.2011, Friedhof der Märzgefallenen

- Es gilt das gesprochene Wort -

Ich freue mich, als Vorsitzender des Kuratoriums heute die Ausstellung über die Märzrevolution mit eröffnen zu können. Mit den anderen Expertinnen und Experten aus Politik und Zeitgeschichte ist es mir ein wichtiges Anliegen, diesen Friedhof der Märzgefallenen zu einem nationalen Denkmal zu machen. Mit der Ausstellung, die wir heute eröffnen, soll die Geschichte der Märzrevolution und ihrer Protagonisten in das öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Dieser Friedhof ist unverrückbar Teil der Geschichte unserer Demokratie. Unsere heutigen Grundwerte wie soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit waren damals die Forderungen. Historisch reiht sich die letzte Ruhestätte der Berliner Revolutionsopfer ein in historisch bedeutende Orte wie die Festung Rastatt oder die Frankfurter Paulskirche.

Die damalige Berliner Stadtverordnetenversammlung hat im Revolutionsjahr 1848 eine bemerkenswerte Rolle übernommen, an die ich heute – nicht ohne Stolz – erinnere: Als es damals darum ging, die Forderungen der Bevölkerung gegenüber dem König zu vertreten, war nur die Stadtverordnetenversammlung dazu bereit. Es waren Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, die in das königliche Schloss aufbrachen, um dem Monarchen die Forderungen zu überbringen. Die Mitglieder der damaligen Stadtregierung, des Magistrats, schlossen sich erst später dieser Abordnung an. Die Berliner Parlamentarier waren also zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Die Märzrevolution vom 1848 ist wahrlich ein Ereignis unserer deutschen Geschichte, an das wir uns mit Freude erinnern können.
Es war Otto Suhr, der Stadtverordnetenvorsteher und frühere Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, der den 18. März 1848 als „Geburtstag des demokratischen Parlamentarismus“ bezeichnete und sagte: „Aus dem Blut der Barrikaden ist die erste Auseinandersetzung über die Grundrechte in Deutschland geboren.“

Otto Suhr hat auch einen Antwort auf unsere Frage nach der Traditionspflege gegeben. Er sagte: „Wenn das deutsche Volk endlich die Demokratien begreifen will muss es seine Helden des Friedens und der Freiheit achten lernen.“ Wir wollen die Helden des Friedens und der Freiheit ehren.

Die Märzrevolution ist in der Geschichte unseres Landes lange Zeit in ihrer Bedeutung unterschätzt worden. Erst ihre 150. Wiederkehr im Jahre 1998 wurde in unserer Stadt – auch vom Abgeordnetenhaus – angemessen gewürdigt. Heute trägt ein Platz an repräsentativer Stelle in Berlin, vor dem Brandenburger Tor, den Namen „Platz des 18. März“.

Ein weiterer Schritt, den der Senat im Jahre 2007 getan hat, um die 1848-Revolution als eine“Europaweiter Bewegung gegen Absolutismus und Fürstenwillkür“ zu würdigen, war die Änderung der Beflaggungsverordnung. Nur werden auch am 18. März die Flaggen an den öffentlichen Gebäuden gehisst. Im März 2008 wurde dann im Abgeordnetenhaus beschlossen den Senat aufzufordern, eine Initiative in den Bundestag einzubringen, damit der 18. März zum Nationalen Gedenktag erklärt wird.

Der Friedhof der Märzgefallenen ist ein authentischer Ort deutscher Geschichte. Berlin muss den Mut haben, seine guten Traditionen zu pflegen. Denn: Gedenken richtet sich nicht nur in die Vergangenheit. Gedenken hilft auch bei der Zukunftsorientierung.

1848 muss ein aufregendes Jahr gewesen sein. Der revolutionäre Funke war von Paris bis Budapest, von Wien bis Berlin übergesprungen. Die Forderungen der Revolution, der Ruf nach Bürgerrechten, hallten durch Europa, er muss mitreißend gewesen sein. Sogar wohlsituierte Bürger reihten sich ein, zogen durch die Städte und bauten Barrikaden.

Ich denke da zum Beispiel an Rudolf Virchow, der weltberühmte Mediziner und Berliner Ehrenbürger. Sein revolutionäres Engagement wirft ein Schlaglicht auf jene Zeit: Rudolf Virchow war 1848 bereits ein erfolgreicher und hoch angesehener Privatdozent und Arzt an der Charité in Berlin.
Während einer Dienstreise durch Oberschlesien erfuhr Virchow von den revolutionären Ereignissen und kehrte vorzeitig nach Berlin zurück, um – wie er seinem Vater schrieb – „an der Bewegung in der Hauptstadt teilzunehmen“, ohne jede Rücksicht auf seine berufliche Position bei der Charité.

Durch sein republikanisches Engagement verlor er seine Position an der Charité, wurde aber gleich als Professor nach Würzburg gerufen. In Bayern – man höre und staune! – war man damals liberaler eingestellt als in Preußen und damit in Berlin.

Die revolutionären Forderungen der Märzrevolution von 1848 nahmen die Ideale der Französischen Revolution von 1789 wieder auf. Sie konnten dann zwar durch die anschließende Restauration zunächst wieder unterdrückt werden. Aber sie waren aus dem Bewusstsein der Menschen in unserem Land nicht mehr zu verdrängen.

Um unsere Demokratie zu erhalten und das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sie gepflegt und gestärkt werden muss, brauchen wir Orte wie diesen. In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung viele interessierte Besucher.

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