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Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande an Vizepräsidentin Marianne Brinckmeier

16.06.1999, Abgeordnetenhaus von Berlin

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Prof. Dr. Herwig Haase
16.06.1999, Abgeordnetenhaus von Berlin
Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande Marianne Brinckmeier

Liebe Frau Brinckmeier, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie sehr herzlich.

Dass der Kreis der Anwesenden hier so klein ist, ist auf die persönliche Bescheidenheit unserer Kollegin Marianne Brinckmeier zurückzuführen. Sie liebt es nicht, viel Aufhebens um die eigene Person zu machen. Vielleicht hat das aber auch zu tun mit ihrer Hamburger Herkunft; denn, wie wir wissen, nehmen Hanseaten - einer alten Tradition entsprechend - nur in Ausnahmefällen Orden entgegen, die nicht durch ihre Heimatstadt verliehen werden.

Meine Damen und Herren, zu den Gradmessern für Erfolg und Popularität von Politikern und Politikerinnen gehört es auch, dass es Anekdoten über sie gibt. Über Sie, liebe Frau Brinckmeier, gibt es mindestens z w e i Anekdoten. Sie haben den Vorzug, wahr zu sein, und sie stehen im Zusammenhang mit den berühmten "Vogel-Brüdern", die bekanntlich Aushängeschilder der beiden großen Volksparteien in unserem Land sind: Hans-Jochen und Bernhard Vogel.

H a n s - J o c h e n kennen Sie seit langem durch Ihre Partei. Den anderen, den "CDU-Vogel", haben Sie vor einigen Jahren bei einer offiziellen Veranstaltung außerhalb Berlins näher kennengelernt. Der Eindruck, den Sie bei ihm hinterlassen haben, muss tief und dauerhaft gewesen sein. Denn nach dieser Begegnung beschrieb Bernhard Vogel in einem Brief an seine langjährige Parteifreundin und Mitstreiterin Hanna-Renate Laurien S i e , liebe Frau Brinckmeier, als - ich zitiere wörtlich - "eine Dame, eine charmante, kluge Frau" - und er stellte die Frage: "Wie kommt Ihr in Berlin zu so etwas?..." Gleich noch die zweite Anekdote: Bernhard Vogel hat kurze Zeit später mit Hanna-Renate Laurien eine Wette darüber abgeschlossen, ob die Haarfarbe von Marianne Brinckmeier echt sei.

Liebe Frau Brinckmeier, Sie haben ihn dann in einem Glückwunschbrief zu seinem 65. Geburtstag von der Ungewissheit erlöst. Ob er die Wette gegen Frau Laurien gewonnen oder verloren hat, ist mir allerdings nicht bekannt...

Meine Damen und Herren, der Bundespräsident hat Frau Marianne Brinckmeier das Verdienstkreuz am Band des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Diese Auszeichnung gilt der Parlamentarierin Marianne Brinckmeier, der langjährigen Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, der Journalistin und der Vorsitzenden des Rundfunkrats des Senders Freies Berlin.
Ich brauche Sie in diesem Kreis nicht vorzustellen und nenne deshalb nur einige markante Daten Ihrer Vita:

1940 in Hamburg geboren, Studium der Volkswirtschaftslehre in Hamburg, München und Berlin, während des Studiums Volontariat bei einer Hamburger Tageszeitung, anschließend Freie Journalistin bei diversen Zeitungen, später beim Sender Freies Berlin. Seit 1957 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, 8 Jahre Mitglied der BVV Neukölln, 6 Jahre Stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der SPD. Seit 1979 Mitglied des Abgeordnetenhauses, seit 1989 - also seit 10 Jahren! - Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin. Seit 1987 Mitglied, seit 1993 V o r s i t z e n d e des Rundfunkrates des Senders Freies Berlin.

Liebe Frau Brinckmeier, eine Zeitung - es war die Berliner Morgenpost - hat Sie zu Recht als "Vollgas-Politikerin" bezeichnet. Was immer Sie anpacken, - es wird mit Engagement, Leidenschaft, kreativer Ungeduld und Rastlosigkeit, Tempo und Energie umgesetzt. Sie stammen aus einem politisch geprägten Elternhaus, wurden 1957 von Helmut Schmidt persönlich bewogen, in die SPD einzutreten, und Sie haben sich seither - nahezu selbstverständlich - politisch engagiert. Sie sind Parlamentarierin aus Überzeugung und Leidenschaft, und Sie haben sich immer dafür eingesetzt, die parlamentarische Arbeit effektiver, transparenter und bürgernäher zu gestalten.
In einem Zeitungsbeitrag haben Sie als Vizepräsidentin geschrieben:

"Eine lebendige Demokratie ist ein dauernder Prozess. Auch unsere demokratischen Institutionen müssen sich als verbesserungsfähig erweisen. Allein mit der Änderung der parlamentarischen Geschä ftsordnung ist es jedoch nicht getan. Wir müssen Instrumente finden, wie man die interessierten Bürger stärker als bisher an der Erneuerung und Entwicklung der Kommune beteiligen kann.

... Es geht also darum, die bewährten Formen parlamentarischen Handelns in ein konstruktives Zueinander mit interessierten Bürgern und Gruppen zu bringen. ... Ich persönlich stehe jedoch skeptisch allen Formen direkter Einflussnahme auf die Gesetzgebung gegenüber, weil ich der festen Ü berzeugung bin, dass es in der arbeitsteiligen Gesellschaft keine Alternative zur repräsentativen Demokratie mit ihren vielfältigen Kontrollmechanismen gibt. Die Demokratie sollte deshalb vor allem durch mehr Rechte für das Parlament gestärkt werden."
In diesem Sinne haben Sie 20 Jahre hindurch vorbildlich und anspornend im Abgeordnetenhaus gearbeitet. Seit 10 Jahren sind Sie Vizepräsidentin. Soweit ich das zurückverfolgen konnte, ist dies ein Zeitrekord in unserem Parlament. Sie haben sich in dieser Zeit über Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen erworben.

Neben der politischen Arbeit bestimmen Sie als Mitglied des Rundfunkrats des Senders Freies Berlin in einer medienpolitisch schwierigen Zeit die Geschicke unserer Landesrundfunkanstalt maßgeblich mit. Als Vorsitzende des Rundfunkrats haben Sie sich - weit über Berlin hinaus - großen Respekt und Einfluss erworben.

Liebe Frau Brinckmeier, wir haben Anlass, Ihnen für Ihr Engagement und für Ihre Verdienste um unsere Stadt zu danken. Mit Bedauern haben wir erfahren, dass Sie sich entschlossen haben, nicht wieder für das Abgeordnetenhaus zu kandidieren, um künftig ein wenig mehr Zeit für Privates und für Hobbys zu finden.

Unserem Pressearchiv konnte ich nur wenige Informationen aus Ihrem Privatbereich entnehmen, z.B.:
· Sie sind als Hamburgerin Anhängerin des HSV, haben bisher aber nur wenige Spiele des Verein im Stadion gesehen.
· Sie spielen Tennis, hatten aber bisher selten Zeit dafür.
· Ihre Lieblingsspeise ist Hammeleintopf mit Bohnen, Ihr Lieblingsgetränk trockener Weißwein.

So weit die Informationen aus dem Archiv.
Auf die Frage, was Sie sammeln, haben Sie der "BZ" 1991 erklärt: nichts.
Dennoch meine ich, dass Sie einiges angehäuft haben: Erfolge als Parlamentarierin, Journalistin und Medienpolitikerin, hohes Ansehen bei allen Fraktionen des Abgeordnetenhauses und bei der Bevölkerung und große Verdienste um unsere Stadt.
Unsere Glückwünsche zu der Auszeichnung, die Ihnen der Bundespräsident verliehen hat, verbinden wir mit dem Dank des Abgeordnetenhauses für viele Jahre vorbildlicher parlamentarischer Arbeit.

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