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Das Parlament

Eröffnungsveranstaltung der 51. Jahreshauptversammlung des Verbandes der Deutsch-Amerikanischen Clubs e.V.

16.10.1998, Haus der Kulturen der Welt

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Prof. Dr. Herwig Haase
16.10.1998, Haus der Kulturen der Welt
51. Jahreshauptversammlung des Deutsch-Amerikanischen Clubs e.V.

Ich heiße Sie in der deutschen Hauptstadt sehr herzlich willkommen.

Ihren Vorstand beglückwünsche ich zu seiner Entscheidung, die Jahreshauptversammlung i n B e r l i n zu veranstalten. Wohl keine andere Stadt in Deutschland wäre besser geeignet, über die deutsch-amerikanische Freundschaft - ihre Geschichte und ihre Zukunft - nachzudenken und zu sprechen.

In Berlin sind die Vereinigten Staaten von Amerika auch nach dem Abzug ihrer Soldaten, die über Jahrzehnte hinweg unsere Freiheit bewahrt haben, in vielfältiger Weise präsent:
- Für Berlin als Hauptstadt hat es besondere politische Bedeutung, daß die USA vor einigen Wochen den Sitz ihrer Botschaft in Deutschland offiziell nach Berlin verlegt haben.
- Eine große Ermutigung bedeutete es für uns, daß kürzlich das "American Jewish Committee" hier in Berlin ein Büro erö ffnet hat.
- In Wissenschaft und Kultur sind in Berlin Institutionen von internationalem Rang tätig. Zwei Beispiele: das weltweit renommierte ASPEN-Institut und - seit einigen Wochen - die "American Academy Berlin", die Wissenschaftler und Politiker hier zusammenführt.
- Berlin ist mit Los Angeles in einer Städtepartnerschaft verbunden.
- Das Abgeordnetenhaus von Berlin nimmt seit mehr als 10 Jahren an einem Besuchsprogramm teil, das regelmäßig Führungsoffiziere des US-Hauptquartiers für Europa in Stuttgart zu Informationsbesuchen und politischen Diskussionen mit Abgeordneten nach Berlin bringt.
- Im Rahmen der Studienstiftung des Abgeordnetenhauses kommen regelmäß ig auch Studenten aus den USA nach Berlin.
- Darüber hinaus hat unsere Stadt seit vielen Jahren ein Amerika-Haus, eine Amerika-Gedenkbibliothek und die deutsch-amerikanische Kennedy-Schule - Einrichtungen, die sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen.
Besondere Bedeutung für die Zukunft unserer Stadt hat das Engagement amerikanischer Firmen. Einige Beispiele:
- Die Firma Gilette hat im September bekanntgegeben, daß sie in ihre Fertigung in Berlin 524 Mio. DM investiert.
- General Electric plant hier Investitionen von 13 Mio. DM.
- Motorola hat 1997 in Berlin 700 hochwertige Arbeitsplätze gesichert und wird mit digitalen Techniken neue Anwendungen und Geschäftsfelder erschließen.
- Coca Cola bringt die Zentrale der "Coca Cola Erfrischungsgetränke AG" mit 200 Mitarbeitern nach Berlin.
- Die Firma Colt investiert 100 Mio. DM in den Berliner Telekommunikationsmarkt.
- Die Ford-Werke sicherten ihre 1200 Arbeitsplätze in Berlin mit 50 Mio. DM Investitionen
und
- Philip Morris investiert in Berlin innerhalb von drei Jahren 500 Mio. DM.

Diese Beispiele, meine Damen und Herren, dokumentieren, daß unsere ehemalige Schutzmacht USA auch unter neuen weltpolitischen Rahmenbedingungen ihre Solidarität und enge Bindung zu Berlin aufrechterhält. Uns Berlinern ist dies Ansporn und Ermutigung in der Zeit des Aufbruchs unserer Stadt zur Metropole.

Berlin ist ein Symbol der Verbundenheit und Schicksalsgemeinschaft zwischen Amerikanern und Deutschen.
Hier ist bewiesen worden, daß Mut, Beharrlichkeit und die Solidarität freier Völker auf Dauer stärker sind als Unfreiheit und Diktatur.
Hier in Berlin ist nicht vergessen, daß es die USA waren, die - gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich - über Jahrzehnte hinweg das Überleben und die Freiheit der Menschen im westlichen Teil unserer Stadt gesichert haben.

Das Gebäude, in dem wir heute abend Ihre Hauptversammlung eröffnen, gehört zu den Wahrzeichen der deutsch-amerikanischen Freundschaft: Die Kongreßhalle ist ein Geschenk der USA an Berlin. Sie wurde 1957 im Auftrag der "Benjamin-Franklin-Stiftung" als Beitrag zu einer großen Internationalen Bauausstellung errichtet, und sie steht an der John-Foster-Dulles-Allee, die an einen großen Außenminister der Vereinigten Staaten erinnert. Wenn das Gebäude heute ein "Haus der Kulturen der Welt" ist, so entspricht dies auch der traditionellen Weltläufigkeit und dem Geist Amerikas.

Meine Damen und Herren, Berlin steht in diesem Jahr im Zeichen der Erinnerung an die alliierte Luftbrücke, die als Symbol des menschlichen Freiheitswillens und der Solidarität freier Völker in die Geschichte eingegangen ist.

Als 1948 alle Landverbindungen zu den westlichen Sektoren der geteilten Stadt blockiert waren, brachten - auf Initiative der USA - Flugzeuge der Westalliierten fast zwei Millionen Tonnen Versorgungsgüter nach Berlin. Die Berlinerinnen und Berliner nahmen monatelang Entbehrungen auf sich, um ihre Freiheit zu behalten.

Damals entstand die tiefe Verbundenheit und Freundschaft zu den Völkern der USA, Großbritannien und Frankreichs. Sie wurde eine der festen Grundlagen für die Bindung der Bundesrepublik Deutschland und zu einem Faktor der europäischen Politik.

Berlin - das ganze Berlin - wird sich immer dankbar an das erinnern, was die Völker der USA, Großbritanniens und Frankreichs damals für uns getan haben. Ohne die Luftbrücke gäbe es heute kein vereinigtes Berlin und kein vereinigtes Deutschland. Es ist nicht zuletzt auch ein Erfolg der Luftbrücke, daß wir heute in die Gemeinsamkeit auf internationaler Ebene, die Gemeinsamkeit der freien Völker, auch jene einbeziehen können, von denen wir damals durch politische Grenzen und Gegensätze getrennt waren.

Ein weiteres Fundament der deutsch-amerikanischen Verbundenheit wurde damals mit dem Marshall-Plan gelegt. Dieses zukunftsorientierte Programm der Hilfe zur Selbsthilfe hat die Voraussetzungen für den Wiederaufbau West-Europas - also auch der Bundesrepublik Deutschland - geschaffen. Zu Recht hat Bundespräsident Roman Herzog 1997 bei seinem Besuch in den USA daran erinnert, daß wir Deutschen besonderen Grund zur Dankbarkeit dafür haben, daß unserem Land damals nach der schlimmsten Katastrophe seiner Geschichte die Aufnahme in eine neue Gemeinschaft der Demokratien geboten wurde.

Der Bundespräsident sagte:
"Amerika, getreu seinem idealistischen Weltbild, hat damals beispiellose Großmut gegenüber den Besiegten gezeigt. Es hat sie in eine Strategie des Friedens durch Demokratie einbezogen. Der Marshall-Plan beruhte auf der Einsicht, daß wirtschaftliche Stabilität eine wichtige Absicherung der Demokratie und Demokratie eine sichere Grundlage für den Frieden ist".

Meine Damen und Herren, mit den deutsch-amerikanischen Beziehungen verbindet sich für uns auch die Erinnerung an die Unterstützung, die wir in den Jahren 1989 und 1990 bei der Wiedervereinigung Deutschlands erhalten haben. Die USA und ihre Regierung haben unsere Bemühungen um die Einheit vorbehaltlos und tatkräftig gefördert. Vor allem unseren amerikanischen Freunden haben wir es zu verdanken, daß damals viele politische Hürden - und auch Vorbehalte bei manchen unserer europä ischen Verbündeten - überwunden werden konnten.

Botschafter John Kornblum - der Schirmherr Ihrer Tagung - hat das deutsch-amerikanische Verhältnis als "einzigartig auf der Welt" bezeichnet. Bundespräsident Herzog hat es beim Berlin-Besuch des amerikanischen Präsidenten im Mai dieses Jahres so definiert:
"Wenn wir gemeinsam zurückblicken, dann haben wir alle die unschä ;tzbaren Erfahrungen vor Augen: den Lohn des Durchhaltens, den Preis der Geduld, die Macht der Ideen, den Sieg der Freiheit und den Beweis für die Unteilbarkeit von Demokratie und Menschenrechten!"

Die Erfahrungen, über die der Bundespräsident sprach, können wir in Gegenwart und Zukunft einbringen.
Die deutsch-amerikanische Freundschaft , die sich in den Zeiten der ä ußeren Bedrohung bewährt hat, wird - im Rahmen der Atlantischen Gemeinschaft - auch in der seit 1989 veränderten weltpolitischen Situation Bestand haben , denn sie gründet sich auf eine Wertegemeinschaft.

In dieser Gewißheit können und werden wir die Herausforderungen der Zukunft mit Selbstbewußtsein, Zuversicht und Optimismus annehmen. In diesem Sinne möchte ich Sie, meine Damen und Herren, ermutigen, Ihr Wirken in den Deutsch-Amerikanischen Clubs mit dem großen Engagement, das Sie bisher bewiesen haben, auch künftig fortzuführen und dabei auch weiterhin möglichst viele junge Menschen einzubeziehen.

Parlamente und Regierungen können immer nur die Voraussetzungen und den Rahmen einer Freundschaft über Grenzen hinweg schaffen , - mit Leben erfüllt wird sie nur, wenn sie für die Menschen eine Herzensangelegenheit ist.
Die deutsch-amerikanische Freundschaft muß und wird eines unserer großen Zukunftsprojekte sein und ein wesentliches Element der Politik bleiben.

Die Deutsch-Amerikanischen Clubs haben sich große Verdienste erworben. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung.
Bei Ihnen, meine Damen und Herren, ist die deutsch-amerikanische Freundschaft in guten Händen. Ich beglückwünsche Sie zum 50jährigen Bestehen Ihres Verbandes und zu 40 Jahren erfolgreicher Jugendarbeit. Ihrer Jahreshauptversammlung wünsche ich eine gute Resonanz. Nochmals: Herzlich willkommen in Berlin!

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