Gedenkworte der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, zum Tod der ehemaligen Abgeordneten Carola von Braun, vor Eintritt in die Tagesordnung der Plenarsitzung
27.08.2026 10:00, Abgeordnetenhaus, Plenarsaal
Mit großem Bedauern haben wir vom Tod unserer ehemaligen Kollegin Carola von Braun erfahren. Sie verstarb am 7. August 2026 im Alter von 83 Jahren.
Carola von Braun wuchs in Bonn auf und arbeitete nach dem Studium dort und in Berlin als Journalistin, bevor sie 1974 in die FDP eintrat.Ab 1975 war sie kommunalpolitisch im Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises aktiv. 1980 bis 1983 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages in Bonn.
1984 zog sie als erste Frauenbeauftragte des Berliner Senats in die damals noch geteilte Stadt. Dieses Amt übte sie bis 1990 aus.Die Gleichstellung von Frauen und ihre gesellschaftliche Teilhabe wurden zu einem Schwerpunkt ihres politischen und gesellschaftlichen Engagements.1992 initiierte Carola von Braun die Überparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e.V. Dort brachte sie Frauen aus dem Berliner Landesparlament und unterschiedlichen Bereichen der Stadtgesellschaft über politische Grenzen hinweg zusammen.Viele Jahre war sie Vorstandssprecherin und bis zuletzt Ehrenvorsitzende der ÜPFI.
Nach der ersten Gesamtberliner Wahl 1990 gehörte Carola von Braun dem Abgeordnetenhaus von Berlin an und übernahm als Vorsitzende der FDP-Fraktion Verantwortung für die politische Gestaltung der wiedervereinigten Stadt. 1994 schied sie aus ihren Ämtern in Partei und Fraktion aus.
Auch danach blieb Carola von Braun dem öffentlichen Leben Berlins eng verbunden und engagierte sich in zahlreichen gesellschaftlichen Vereinigungen. Als gläubige Protestantin übernahm sie Verantwortung in der evangelischen Kirche. Acht Jahre lang gehörte sie dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages und sechs Jahre der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland an. Von 2008 bis 2018 war sie Vizepräsidentin der Evangelischen Akademie zu Berlin.
Ihr Wirken wurde vielfach gewürdigt: 2009 erhielt sie das Verdienstkreuz am Bande, 2015 die Louise-Schroeder-Medaille und 2021 wurde sie zur Stadtältesten von Berlin ernannt.
Mit Carola von Braun hat unsere Stadt eine engagierte Demokratin und eine wichtige Stimme für die Gleichstellung von Frauen verloren.
Das Abgeordnetenhaus von Berlin wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Vielen Dank!