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Das Parlament

Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland zur Eröffnung der Ausstellung "Stolpersteine - Gedenken und Soziale Skulptur"

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Ich freue mich, Sie in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses von Berlin begrüßen zu dürfen. Wir haben uns hier für die Eröffnung einer wichtigen Ausstellung versammelt, deren Thema mir ein besonderes Anliegen ist. Das Abgeordnetenhaus von Berlin greift dieses Thema jedes Jahr erneut mit dem Jugendforum denk!mal auf, um die Erinnerung lebendig zu halten. Es geht um das Gedenken an diejenigen Menschen, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden.

Stigmatisierung, Rassismus und Diskriminierung lassen sich leider auch in unserer heutigen Gesellschaft finden ­­– mehr als 80 Jahre später. Von Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt lesen wir in den täglichen Nachrichten viel zu oft. Das darf nicht sein.

Der Nationalsozialismus hat gezeigt, wie schnell Ausgrenzung zur regelrechten Auslöschung von Menschenleben führen kann. Diese Geschichte darf sich nicht wiederholen. Es liegt in unserer historischen Verantwortung, dafür Sorge zu tragen.

Die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten ist für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger nur noch schwer vorstellbar – oftmals fehlt der persönliche Bezug. Deshalb ist es umso bedeutsamer, sich das Schicksal der Verfolgten und Ermordeten immer wieder zu vergegenwärtigen.

Wie kann uns das gelingen? Wir müssen ein tieferes Bewusstsein für unsere Geschichte entwickeln und Formate schaffen, in denen wir an das Geschehene erinnern und uns darüber austauschen – damit auch zukünftige Generationen diese Verantwortung wahrnehmen.

Ich wünsche mir, dass es uns gelingt diese Erinnerungen bewusst zu pflegen und in den Alltag zu integrieren. Einen Eindruck wie dies geschehen kann, vermittelt uns die hier zu sehende Ausstellung „Stolpersteine – Gedenken und Soziale Skulptur“.  

Die kleinen Messingtafeln der Steine sollen uns „zum Stolpern bringen“. Auf der Oberseite der Stolpersteine sind Namen und Schicksal des Menschen zu lesen, an den erinnert wird. Wir können sie überall in der Nachbarschaft finden. Sie lassen uns der Opfer des Nationalsozialismus gedenken und machen uns darauf aufmerksam, dass diese Menschen genau dort lebten, wo wir heute leben.

Seit über 20 Jahren sind diese Betonquader schon im Stadtbild verankert. Eingelassen in den Gehweg kennzeichnen sie den letzten frei gewählten Wohnort der Verfolgten. Mittlerweile gibt es mehr als 8.000 verlegte Stolpersteine für Verfolgte des Nationalsozialismus – europaweit sogar über 72.000.

In unserer Stadt Berlin lassen sich die Spuren der NS-Geschichte nahezu an jeder Ecke und in jedem Stadtteil wiederfinden. Berlin ist nicht nur wegen seiner Funktion als Hauptstadt des Landes besonders, sondern vor allem wegen seiner Vielfältigkeit und Offenheit. Berlin ist eine Stadt mit vielen Facetten, die Menschen aus allen Teilen der Welt vereint – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion.

Diese Vielfalt findet sich auch in den Stolpersteinen wieder, denn sie erinnern an Menschen jüdischen Glaubens oder Herkunft, Sinti und Roma, Menschen aus dem politischen oder religiösen Widerstand, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Opfer der „Euthanasie“-Morde sowie an die als „asozial“ stigmatisierten und verfolgten Menschen.

Eine Ausstellung wie diese ist enorm wichtig und führt uns vor Augen, dass Bürgerinnen und Bürger wie Sie und ich damals wortwörtlich aus ihrem Alltag und Leben herausgerissen wurden.

Ich möchte dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e. V. und namentlich Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Kreutzmüller, herzlich danken. Außerdem danke ich herzlich der Stolpersteine-Initiative Charlottenburg Wilmersdorf und der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin und namentlich Ihnen, sehr geehrte Frau Morel-Tiemann und ebenso Ihnen, sehr geehrte Frau Dr. Kavcic. Ich wünsche Ihrer Ausstellung zahlreiche Besucherinnen und Besucher hier im Abgeordnetenhaus.

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen noch das Duo vorstellen, das unsere Vernissage heute musikalisch begleitet. Dascha Schuster an der Querflöte und Marie-Claire Indilewitsch am Klavier.

Am Anfang haben wir zwei Sätze der Sonate für Flöte und Klavier von Erwin Schulhoff  gehört. Am Ende folgen zwei weitere Sätze.

Nun möchte ich aber noch Sie, sehr geehrter Herr Dr. Kreutzmüller, an das Rednerpult bitten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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