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Das Parlament

Begrüßungsansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland anlässlich der Trauerstunde zum Jahrestag des Terroranschlags am Breitscheidplatz

19.12.2017 13:00, Plenarsaal

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Die Erinnerung vergeht nicht. Sie kann sich einbrennen – sowohl ins persönliche als auch ins kollektive Gedächtnis. Bilder bleiben wach. Schöne, aber leider auch grausame. Sie bleiben uns erhalten – ob wir wollen oder nicht.

Die Bilder vom Terroranschlag Breitscheidplatz verlassen uns nicht mehr. Der Terrorakt hat eine tiefe Wunde in die Seele der Stadt gerissen. Sie mag inzwischen etwas vernarbt sein. Aber diese Narbe wird bleiben. Unser Berlin ist nach dem 19. Dezember 2016 ein anderes Berlin geworden. Wir haben begriffen: Wir können verwundet werden mitten in einer friedliebenden Gesellschaft. Das ist die neue Dimension in unserer jüngsten Stadtgeschichte. Und wir werden leidvoll erfahren: Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden. Weder werden wir die Todesopfer dieses infamen Terroranschlags vergessen. Noch lassen wir deren Angehörige allein. Und auch die verletzten Opfer haben unsere Solidarität.

Die Trauer um alle Opfer des Anschlags vom Breitscheidplatz führt uns heute hier im Abgeordnetenhaus zusammen. Wir wollen uns vergewissern – politisch und persönlich. Die Frage, die wir uns stellen, betrifft uns alle unmittelbar: Tun wir genug, um Terroranschläge zu vermeiden? Ja, es stimmt: Hundertprozentige Sicherheit kann es in einer freiheitlichen Demokratie nicht geben. Doch es muss deutlich werden: Wir nehmen diese terroristische Bedrohung ernst. Sie ist das neue Gespenst, das auch in Europa umgeht. Früher war für den europäischen Menschen der Krieg eine Geißel, heute ist es leider der Terrorismus, der die hier lebenden Frauen, Kinder und Männer angreift und viel Leid verursacht.

Dieser Terror hat auch einen Namen. Es ist der islamistisch motivierte Terror, der vorgibt, religiös begründet zu sein. Wir alle wissen, dass keine Religion dieser Welt den Terror, also Gewalt und Mord, gutheißt. Dieser Terror ist eine einzige Lebenslüge.Und dennoch müssen wir mit ihr umgehen. Denn sie existiert, auch mitten unter uns.

Aber wir dürfen die Menschen nicht verunsichert zurücklassen. Die Verteidigung unserer Freiheit und Demokratie ist deshalb unsere Verpflichtung. Sie ist der wirksamste Schutz gegen Gewalt und Terror. Wehrlos sind wir nicht. Das sollen die Feinde der Demokratie wissen.

Ein freies und demokratisches Europa, in dem die Grundrechte für alle Menschen gelten, ist und bleibt das Fundament unseres Friedens.

Mir ist bewusst, dass diese Bekenntnisse die Toten nicht wieder lebendig werden lässt. Und die Verletzten haben deshalb auch nicht weniger Schmerzen und Sorgen.Ganz abgesehen von den psychischen Belastungen, die mit diesem Trauma einhergehen.

Ein Zwiespalt der Gefühle ergreift die Betroffenen, ja ergreift uns alle. Das, was vorher das Leben ausmachte, gilt nicht mehr. Zu einschneidend war das plötzliche Unheil. Und auch für die vielen Helferinnen und Helfer am Ort des Verbrechens bleiben prägende Erinnerungen zurück, die verarbeitet sein wollen. Ihnen gebührt unser tief empfundener Dank.

Ich wünsche mir, dass wir bei aller berechtigten Trauer diesen Jahrestag als Tag der Besinnung auf das Wesentliche nehmen. Wir verneigen uns in Trauer vor den zwölf Getöteten, den Verletzten und den Angehörigen der Opfer. Wir nehmen das traurige Schicksal als Verpflichtung, uns für ein sicheres Berlin einzusetzen. Es liegt an uns, dass wir uns in unserer Freiheit sicher fühlen.

Überhaupt: Berlin ist die Geschichte von Freiheit. Und diese Freiheit werden wir nie dem Terrorismus opfern. Auch das soll unsere Botschaft am heutigen Tag sein.

Wir haben vorhin das Mahnmal auf dem Breitscheidplatz der Öffentlichkeit übergeben. Ich danke allen Angehörigen, die ihre Zustimmung gegeben haben, dass die Namen ihrer getöteten Familienmitglieder genannt werden dürfen. Ich weiß, das ist keine Selbstverständlichkeit.

Mein Dank gilt auch den beiden Opferbeauftragten Kurt Beck und Roland Weber für ihre wertvolle Arbeit.

Meine Damen und Herren,

der Berliner Senat und das Berliner Abgeordnetenhaus haben ein gemeinsames Interesse: Dass die Vorgänge um den Anschlag und um die Person des Attentäters lückenlos aufgeklärt werden. Der Sonderermittler des Senats, Bruno Jost, hat seinen Bericht bereits vorgelegt. Und hier im Abgeordnetenhaus werden wir mit unseren parlamentarischen Mitteln aufklären und die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen.

Meine Damen und Herren,

wir können aber die Geschehnisse nicht einfach ungeschehen machen.

Wir können uns aber erinnern. Und wir wollen uns erinnern an:

Anna Bagratuni

Georgiy Bagratuni

Sebastian Berlin

Nada Cizmár

Fabrizia di Lorenzo

Dalia Elyakim

Dr. Christoph Herrlich

Klaus Jacob

Angelika Klösters

Dorit Krebs

Lukasz Urban

Peter Völker

Lassen Sie mich mit einem Zitat enden.

Es stammt von Bertolt Brecht und soll ein wenig Trost spenden:

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“

Berlin wird die Opfer des Terroranschlags nicht vergessen.

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