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Das Parlament

Gedenkwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland zum Tod von Senator a.D. Elmar Pieroth

13.09.2018 10:00, Plenarsaal

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Ich darf Sie bitten, sich zunächst von Ihren Plätzen zu erheben.
Liebe Frau Kollegin Pieroth, erlauben Sie mir, im Namen des Abgeordnetenhauses von Berlin Ihnen nicht nur unsere Teilnahme, sondern auch unsere begleitende Trauer zu bekunden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,
wir gedenken heute einem außergewöhnlichen Berliner Politiker: Vor gut zwei Wochen, am 31. August, starb der Christdemokrat, Senator a.D. Elmar Pieroth, im Alter von 83 Jahren. Elmar Pieroth, geboren in Bad Kreuznach, war studierter Volks- und Betriebswirt. Schon in jungen Jahren präsentierte er sich als talentierter Unternehmer, baute ein modernes Vertriebssystem für den Weinhandel auf. Dabei schlug er neue Wege in der Unternehmensführung ein: Es ging ihm nicht nur um Mitbestimmung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er machte sie gleich zu Mitunternehmern. Damit waren auch die Beschäftigten direkt am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Elmar Pieroth hat also immer auch die soziale Verantwortung der Unternehmerinnen und Unternehmer gesehen.

Als Elmar Pieroth für die CDU politisch aktiv wurde, stand sein politisches Credo fest: Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik waren für ihn nur im kausalen Zusammenhang denkbar. Als Bundestagsabgeordneter in den Jahren 1969 bis 1981 vertrat er diese Grundhaltung. Damit unterschied er sich von den meisten konservativen Wirtschaftspolitikerinnen und Wirtschaftspolitiker seiner Zeit. Dieser Grundhaltung, die Gemeinsamkeit von Wirtschafts- und Sozialpolitik zu betonen, blieb Elmar Pieroth auch als Berliner Wirtschaftssenator ab 1981 treu. Sein Glaube an die Kraft der Gemeinschaft kam bei den Menschen im Westteil Berlins gut an und machte ihn populär. Auch dass er das Berliner Innovations- und Gründerzentrum 1983 ins Leben rief, gab der lahmenden Berliner Wirtschaft Auftrieb. Nach dem Mauerfall 1989 stellte sich Elmar Pieroth den großen Herausforderungen der städtischen Wiedervereinigung und übernahm im Berliner Magistrat im Ostteil der Stadt als Stadtrat für Wirtschaft die Verantwortung für die Wirtschaftspolitik. Das war eine Herkulesaufgabe, galt es doch eine Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft zu überführen. Elmar Pieroth hat sich dieser extrem schwierigen Aufgabe gestellt. Er hatte so entscheidenden Anteil am Gelingen der Berliner Wiedervereinigung. Nach der Wiedervereinigung bekleidete er erneut ein Senatorenamt im Berliner Senat. In finanziell sehr angespannter Lage  - die Berlin-Förderung fiel weg - übernahm er als Finanzsenator Verantwortung. In dieser politischen Funktion blieb er bis 1995, übernahm dann noch einmal das Wirtschaftsressort, trat aber 1998 zurück.

Von 1981 bis 1996 war Elmar Pieroth auch Mitglied in unserem Haus. Nach seiner politischen Laufbahn widmete er sich ganz seinem bürgerschaftlichen Engagement. Zunächst in dem von ihm initiierten Verein „Most – Brücke von Berlin nach Mittel- und Osteuropa“, der junge Menschen aus Osteuropa und Berliner Unternehmen zusammenbringt. Ab 2007 dann in seiner Stiftung „Bürgermut“. Er wünschte sich mehr engagierte Menschen, weil sie das Rückgrat einer freien und demokratischen Gesellschaft bilden. Unsere Stadt Berlin hat Elmar Pieroth sehr viel zu verdanken. Ein selbstloser Kämpfer für ein freies und selbstbestimmtes Berlin ist von uns gegangen. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Unsere Anteilnahme gilt seiner Frau Hannelore und seinen erwachsenen Kindern.

Ich danke Ihnen, dass Sie sich zu Ehren des Verstorbenen erhoben haben.

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