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Das Parlament

Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland anlässlich der Kranzniederlegung am 18. März 2018

18.03.2018 15:00, Friedhof der Märzgefallenen

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Heute ist ein besonderer 18-ter März. Wir haben uns heute getroffen, um zu Ehren der Märzgefallenen von 1848 Kränze niederzulegen. Wir gedenken der Toten, die vor 170 Jahren für das Ideal der Freiheit, für mehr politische Partizipation und für soziale Gerechtigkeit auf den Straßen Berlins kämpften.

Inzwischen leben wir in einem Deutschland, das demokratisch ist. Für uns sind die Forderungen von damals selbstverständlich geworden. 1848 aber waren sie noch revolutionär. Wir wissen: Der geschichtliche Gang von 1848 bis in unsere heutigen Tage war steinig. Es gab auf deutschem Boden keinen geraden Weg zur Demokratie. Die ersten, die das leidvoll zu spüren bekamen, waren eben jene Menschen, die für ihre demokratischen Ideen starben und an die wir heute erinnern.

Die revolutionären Erhebungen von 1848 läuteten einen quälend langen geschichtlichen Prozess ein. Immer wieder formierte sich durch konservativ-reaktionäre Kräfte der Widerstand gegen demokratische Staats- und Gesellschaftsform. Der Gipfel dieser Entwicklung war der Untergang der Weimarer Republik.

Ein unheilvolles Bündnis aus Nationalkonservativen und Nationalsozialisten waren die Totengräber der ersten Demokratie in Deutschland. Was folgte waren zwei Diktaturen in Deutschland.

Die nationalsozialistische ging im selbst initiierten Krieg unter und die Diktatur der SED im geteilten Deutschland wurde aus dem Krieg heraus geboren. Erst 1989, mit dem Aufbegehren der damaligen DDR-Bevölkerung gegen die eigene Staats- und Parteiführung, fand dieser Prozess ein glückliches Ende.

Die Idee von Freiheit und Gerechtigkeit in Einigkeit wurde zur Wirklichkeit. Heute können wir daher selbstbewusst sagen: Die Demokratie ist in ganz Deutschland angekommen. Der Geist von 1848 hat sich auch bei uns – trotz vieler Irrwege - etabliert. Die Revolution von 1848 war also kein geschichtlicher Betriebsunfall. Sie war der Beginn eines zweifellos langen Demokratisierungsprozesses in Deutschland. Aber wir dürfen nicht blauäugig sein. Die Gegner der Demokratie sind nach wie vor unter uns. Ja, vielfach sitzen sie auch wieder in unseren Parlamenten. Wir müssen wachsam sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen wieder salonfähig werden. Wir Demokraten müssen wehrhaft sein gegenüber den antidemokratischen Kräften in unserer Gesellschaft. Was wir nicht brauchen, ist das Bild einer Demokratie, das als schwach gezeichnet wird.

Meine Damen und Herren,

die Berliner Barrikaden-Kämpfer von 1848 standen am Anfang des Kampfes um Freiheitsrechte in Deutschland. Diejenigen, die starben, wurden hier beigesetzt. Und so ist es naheliegend, diesen Friedhof, der für mich eine Art Wiege der Demokratie ist, als nationale Gedenkstätte aufzuwerten. Es ist wirklich schade, dass unser Land seine historische Verortung nicht intensiver an 1848 knüpft. Aber vielleicht müssen ja erst 200 Jahre vergehen, bis wir in Deutschland verstehen, dass unsere Wurzeln als Demokratie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegen.

Meine Damen und Herren,

wer geschichtliche Identität ernst nimmt, der trägt zur gesellschaftlichen Verortung bei: Auf das, was einmal war, auf das, was besser nicht gewesen wäre und auf das, was uns künftig leiten sollte, gibt es dann Antworten. Aus diesem Grunde sind wir alle heute hier. Denn es geht um die Wahrung der Freiheit.

Vielen Dank.

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