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Das Parlament

Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland zur Eröffnung der Ausstellung "Der Freiwillige. Witold Pilecki und die Unterwanderung von Auschwitz"

16.09.2019 19:15, AXICA Kongress- und Tagungszentrum

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Vielen Dank, dass Sie mich heute Abend zu Ihrer Ausstellungseröffnung eingeladen haben. Es freut mich besonders, dass wir heute eine äußerst sehenswerte und – gerade zum jetzigen Zeitpunkt – außergewöhnlich wichtige Ausstellung eröffnen können. Achtzig Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen nimmt das Pilecki-Institut seine Arbeit hier im Herzen Berlins auf.

Und es präsentiert uns eine Ausstellung über Witold Pilecki, einem wahrhaft mutigen Kämpfer für ein freies Polen. Was gibt es Wichtigeres, als in diesen Zeiten der Freiheit zu huldigen? Sie ist das europäische Fundament für unsere Gemeinschaft und auch für die Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland. Wir Deutsche haben unendlich viel Leid über Europa und auch über Polen gebracht. Daran 80 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zu erinnern, ist unsere Pflicht.

Es war aber nicht nur der Krieg. Es war auch der Rassenwahn der Deutschen und der Holocaust, der dazu geführt hat, dass sich Deutschland jenseits der zivilisierten Welt bewegte. Dass wir heute überhaupt von deutsch-polnischer Freundschaft sprechen können, scheint mir angesichts des Leids, das wir Deutschen im 20. Jahrhundert millionenfach über das polnische Volk gebracht haben, fast ein Wunder zu sein. Lange, allzu lange war das Verhältnis unserer beiden Nationen von Gewalt und Zerstörung überschattet. Bis weit in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts prägten abgrundtiefe Gegensätze, ja zuweilen offene Feindseligkeit unsere Beziehungen. Vor allem die Frage der polnischen Westgrenze belastete unser Verhältnis. Annäherung, gar Versöhnung schien unter diesen Umständen so gut wie unmöglich.

Es waren polnische Bischöfe, die im November 1965 einen Hirtenbrief an ihre deutschen Amtsbrüder schickten. Das war damals ein äußerst mutiger Schritt. Denn der Brief war nicht nur eine Einladung zur Tausendjahrfeier der Christianisierung Polens. Er war vor allem eine Einladung zum Dialog und ein Aufruf zu Versöhnung. Dabei sparten die polnischen Bischöfe schmerzhafte Wahrheiten nicht aus. Klar benannten sie den vom Deutschen Reich geführten Massenvernichtungskrieg als Ursache für die Gebietsverluste im Osten. 

Insgesamt gewannen Ende der 60er Jahre Stimmen in der bundesdeutschen Öffentlichkeit an Gewicht, die in der Anerkennung der Nachkriegsrealität die Vorbedingung für Annäherung und Aussöhnung sahen. Dazu hatten nicht zuletzt die kirchlichen Aussöhnungsinitiativen beigetragen. Sie beförderten einen gesellschaftlichen Stimmungswandel, der schließlich in einer neuen deutschen Ostpolitik seine politische Form fand.

„Das Gespräch der Kirchen und ihrer Gemeinden war dem Dialog der Politiker voraus“, notierte Willy Brandt im Rückblick. Mit dem deutsch-polnischen Grenzvertrag vom November 1990 wurde die Oder-Neiße-Linie dann völkerrechtlich endgültig festgeschrieben. Und vor 25 Jahren, am 17. Juni 1991, schlossen unsere beiden Staaten den „Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“. Er bildet bis heute neben dem Grenzvertrag die Basis unseres insgesamt stabilen und vertrauensvollen Verhältnisses.

Es lohnt sich, ab und zu einen Blick in seine Präambel zu werfen. Darin heißt es, die Bundesrepublik und Polen seien gewillt, ihre „Beziehungen im Geiste guter Nachbarschaft und Freundschaft zu gestalten“, so dass der Wunsch beider Völker nach „dauerhafter Verständigung und Versöhnung in die Tat“ umgesetzt werde.

Dieses Ziel sollten wir nie mehr aus den Augen verlieren. Die deutsch-polnischen Beziehungen sind heute eingebettet in den europäischen Einigungsprozess. Die Idee eines geeinten, friedlichen und sozialen Europas kann nur gelingen, wenn wir gleichzeitig den übertriebenen Nationalismus überwinden. Und die Idee Europa wird nur dann gelebte Wirklichkeit, wenn demokratische Grundprinzipien herrschen.

Die Achtung der Menschenrechte, die Gewaltenteilung und die Freiheit – auch die Pressefreiheit – sind nicht nur einfach Werte. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass wir auf unserem Kontinent ein gemeinsames politisches Leitbild haben. Nur dann, wenn wir dieses haben, dann lässt sich die europäische Idee verwirklichen. Dieses demokratische Denken und Wirken wurzelt in den Gedanken der europäischen Aufklärung. Das ist unsere gemeinsame kulturelle Basis in Europa. Selbstbestimmung und Humanität prägen uns. Polen, wie Witold Pilecki, haben früh Brücken gebaut ganz im Sinne dieser Aufklärung. Sie bekämpften den Totalitarismus. Und wollten die Freiheit für das Land und die Nation.

Dafür ist Witold Pilecki bis zum Äußersten gegangen. Dabei grenzt es an ein Wunder, dass er den Widerstandskampf im Untergrund und im KZ Auschwitz überlebte. Zumal er sich freiwillig ins Lager begab.

Meine Damen und Herren,

es gab von jeher Helden in Europa. Witold Pilecki gehört dazu. Wir Berliner sind sehr geehrt, dass Sie eine Ausstellung über Witold Pilecki hier mitten in Berlin präsentieren. Ich wünsche daher der Ausstellung viele Besucher und dem Pilecki-Institut eine erfolgreiche Arbeit hier in unserer Stadt.

Vielen Dank.

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