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Das Parlament

Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Ralf Wieland zur Eröffnung der Ausstellung "Refugees in Arts & Education. Kulturelle Bildungsprojekte von und mit Kindern und Jugendlichen"

11.05.2016 18:00, Wandelhalle

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Ich freue mich sehr, Sie am heutigen Abend im Abgeordnetenhaus von Berlin begrüßen zu dürfen. Und ich freue mich besonders, heute eine Ausstellung zu eröffnen, die ein außerordentlich aktuelles und wichtiges Thema aufgreift. Es ist ein Thema, dass uns alle angeht und dem wir tagtäglich – ob in den Medien oder vor der eigenen Haustür – begegnen.
 
Mehr als eine Million Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Fast 80.000 kamen in unsere Stadt. Mehr als 50.000 von ihnen sind bis heute in Berlin geblieben. Was diese Zahlen bedeuten, kann niemand übersehen. Auch ich kann und möchte es nicht.
 
Kurz vor Weihnachten zum Beispiel stiegen hier direkt gegenüber dem Abgeordnetenhaus Dutzende Menschen aus Bussen des Roten Kreuzes und gingen mit ihrem wenigen Hab und Gut zu einem leer stehenden Hotel in der Stresemannstraße. Mit Hilfe vieler Freiwilliger wurde dort in Windeseile eine Notunterkunft für mehr als 300 Flüchtlinge geschaffen, denen die Unterbringungen in Turnhallen und anderen Massenquartieren am wenigsten zuzumuten ist: für Alte, Kranke und Familien.
 
Diese Bilder vor Augen stelle ich mir die Frage, wie wir mit Menschen umgehen, die auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Gewalt und auf der Suche nach Sicherheit oder einfach einem besseren Leben zu uns kommen. Was können wir tun, um diesen Menschen das Ankommen in unserer Gesellschaft zu erleichtern? Ganz unabhängig davon, ob sie dauerhaft bleiben werden oder nicht. Ein Dach über dem Kopf und ein warmes Essen auf dem Teller sind sicher nur ein Anfang. Denn der Mensch – auch der geflüchtete Mensch – lebt nicht vom Brot allein. Umso mehr gilt das für Kinder und Jugendliche, die eine oft gefahrenreiche Flucht hinter sich haben. Die einen Krieg mit all seinen Folgen erleben mussten. Die Angehörige und Freunde, in jedem Fall aber ihre Heimat verloren haben. Diese Kinder und Jugendlichen bedürfen unserer besonderen Fürsorge und brauchen besondere Angebote. Angebote, die ihnen helfen, bei uns anzukommen und Frieden zu finden.
 
Umso wichtiger ist es, dass es Projekte wie die hier gezeigten gibt. Es sind Bildungs- und Kulturprojekte, in denen geflüchtete Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen mitzuteilen und zu verarbeiten. Nicht zuletzt sind es Projekte, die Brücken schlagen zwischen den Lebenswelten. Sie bringen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und kulturellen Hintergründen zusammen. Denn Integration ist eine Aufgabe für uns alle. Für diejenigen, die gerade angekommen sind ebenso wie für diejenigen, die seit langem in Berlin zuhause sind. Wir lernen von- und miteinander. Und manche Erfahrungen teilen Menschen, teilen Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt, egal, ob sie aus Deutschland oder Syrien stammen. Es geht in dieser Ausstellung also nicht nur um Fluchterfahrungen im engeren Sinne. Sondern es geht auch darum, gemeinsame, altersspezifische Erfahrungen zu teilen und miteinander neue Erfahrungen zu machen.
 
Auf einer der hier gezeigten Ausstellungstafeln habe ich einen Satz gelesen, der diese Idee – wie ich finde – wunderbar zusammenfasst:  „Du zeigst mir deinen Tanz. Ich zeige Dir meinen Tanz. Und dann tanzen wir gemeinsam.“ Inzwischen haben wir in unserer Stadt ein breites Netzwerk von Bildungs- und Kulturprojekten, die Kinder und Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrungen  zusammenbringen. Getragen werden diese Projekte von sehr vielen, sehr engagierten Menschen. Menschen mit guten Ideen, mit Überzeugungen und Ausdauer. Einige von ihnen sind heute anwesend. Ich freue mich, dass Sie zu uns gekommen sind. Und ich wünsche mir, dass Sie weiterhin mit so viel Engagement und Kreativität an Ihre wichtige Arbeit gehen. Dafür verdienen Sie unseren Dank.
 
Ein Dank geht auch an den Projektfonds Kulturelle Bildung, der seit seiner Gründung im Jahr 2008 zahlreiche Projekte mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gefördert hat und auch weiterhin fördern wird. Ebenso möchte ich der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft danken, die diese Ausstellung ermöglicht hat.
 
Zum Schluss möchte ich Ihnen noch die Musiker vorstellen, die unseren heutigen Abend so wunderbar begleiten: Es ist die Band Gülina mit ihrer Sängerin Gülin – herzlich willkommen bei uns im Abgeordnetenhaus. Mit dabei ist auch Yanal, der aus Damaskus stammt. Gülin, die – wenn ich das so sagen darf – bayrisch-türkische Wurzeln hat, und Yanal haben sich in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge kennen gelernt. Dort unterrichtet Gülin Deutsch und hält nebenbei nach musikalischen Talenten Ausschau. Danke, dass ihr heute für uns spielt. Zum Abschluss der Ausstellungseröffnung werdet ihr noch einmal zu hören sein.

Ich darf nun Frau Staatssekretärin Klebba an das Rednerpult bitten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
 
 
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