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Ein Stapel Zeitungen

Parlamentspräsident Dennis Buchner: "Der 9. November - drei schicksalshafte Richtungswechsel im 20. Jahrhundert"

Parlamentspräsident Dennis Buchner, Foto: Doris Spiekermann-Klaas / Der Tagesspiegel

Zum Gedenktag 9. November erklärt der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Dennis Buchner:

„Drei Mal war der 9. November für uns ein Schicksalstag, an dem unsere Geschichte radikal ihre Richtung änderte. Zwei Mal führten die geschichtlichen Richtungswechsel in die Katastrophe, dann aber zur ersehnten deutschen Wiedervereinigung.

Die Rede ist einerseits vom 9. November 1918. Damals rief nach dem Untergang des Deutschen Kaiserreichs der SPD-Politiker Philipp Scheidemann die demokratische Republik aus, die spätere Weimarer Republik.

Natürlich geht es um den 9. November 1938, jenen Tag an dem in Deutschland die Synagogen und jüdische Einrichtungen und Geschäfte brannten und der so viel Schande über unser Land brachte – und unermessliches Leid für so viele Menschen.

Dem 9. November 1989 verdanken wir Deutschen unsere wieder geeinte Bundesrepublik, weil die Berliner Mauer, vor allem unter der Last der friedlichen Revolution in der DDR, fiel.

Große Hoffnungen 1918, unermessliches Leid 1938 und die grenzenlose Freude über ein freies Deutschland 1989 waren die emotionalen Begleiter dieser drei historischen Ereignisse. Insofern bleibt der 9. November ein äußerst denkwürdiger Tag in unserer Geschichte, der bis heute Nachdenken und Innehalten notwendig macht.


Weil in der Weimarer Republik sowohl in den Parteien als auch in der Bevölkerung der Grundkonsens auf demokratische Werte fehlte, konnte der letzte Reichskanzler Adolf Hitler 1933 die Deutschen in die NS-Diktatur führen und den Genozid an dem europäischen Judentum organisieren. Für alle diejenigen, die dies damals nicht glauben wollten, wurde der 9. November 1938 zum Fanal für den Holocaust.


Gerade die Judenpogrome und der Holocaust werfen einen langen Schatten auf uns Deutsche. Einen historischen Schatten, der uns immer begleiten muss, weil Menschen aus der Geschichte lernen und deshalb niemals vergessen dürfen.

Die deutsche Teilung von 1945 war auch ein Ergebnis der grausamsten Menschenvernichtung, die die Welt je gesehen hat. Die Existenz von zwei deutschen Staaten war deshalb eigentlich auf Dauer angelegt. Doch dann kam der 9. November 1989 und der ausgetreckte Arm der ehemaligen Kriegsalliierten. Dies sprengte die Grenzen des Kalten Krieges, führte zur deutschen Wiedervereinigung und zu einer neuen Weltordnung. Die bipolare Welt hatte ihr Ende gefunden.

Die Freude über diese Entwicklung am Ende des 20. Jahrhunderts ist immer noch groß. Alle Deutschen leben heute in Freiheit und in Frieden mit den europäischen Nachbarn und der Welt. Und dennoch: Dass Deutsche einst jüdische Frauen, Männer und Kinder verfolgten, töteten und in Gaskammern zwangen, ist  eine historische Schuld, die niemals vergehen wird. Deshalb muss uns alle aufrütteln, dass antisemitische und rassistische Gewalttaten bis heute in Deutschland vorkommen. Darauf muss unsere Gesellschaft mit harten Sanktionen reagieren. Das schulden wir den hier lebenden Menschen, ganz egal wo deren Wurzeln sind. Auch das ist eine Botschaft des heutigen Gedenktages.“
 

Teilnahme des Präsidenten an folgenden Gedenkveranstaltungen am 9. November 2021:

10.00 Uhr
Gedenkveranstaltung anlässlich des 32. Jahrestages des Mauerfalls in der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße/Ackerstraße, Berlin-Mitte

19.00 Uhr
Gedenkveranstaltung aus Anlass des 83. Jahrestages der Novemberpogrome am 9. November 1938, Jüdisches Gemeindehaus, Fasanenstraße 79/80, Berlin-Charlottenburg