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Ein Stapel Zeitungen

Präsident Dennis Buchner zum 100. Geburtstag von Egon Bahr: "Er war ein Meister der geschickten politischen Diplomatie"

17.03.2022
Porträt von Egon Bahr / Johannes Heisig: Öl auf Leinwand, 2002 / Foto: Abgeordnetenhaus von Berlin

Am 18. März 2022 jährt sich der Geburtstag des verstorbenen Berliner Ehrenbürgers Egon Bahr zum 100. Mal. Aus diesem Anlass erklärt der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses Dennis Buchner:

„Dass Deutschland wiedervereinigt ist und die Berliner Mauer fallen konnte, haben wir nicht zuletzt der beharrlichen Diplomatie von Egon Bahr zu verdanken. Sein Konzept ‚Wandel durch Annäherung‘, das er Anfang der 1960er Jahre öffentlich machte, stellte die bisherige Ostpolitik der Bundesregierung vom Kopf auf die Füße. Bahr erkannte, dass man die innerdeutsche Grenze anerkennen müsse, die gleichzeitig der Eiserne Vorhang durch Europa war, um sie einen Tages durch eine Politik der kleinen Schritte überwinden zu können.

Als Politiker stand Egon Bahr eher in der zweiten Reihe, trotzdem erwies sich sein Konzept als richtig, wie wir heute wissen. Zu Recht ist Bahr also einer der Architekten, die eine friedliche Einheit erst möglich machten. Berlin hat ihm viel zu verdanken, das haben wir mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde deutlich gemacht.

Egon Bahr war ein enger Berater von Willy Brandt. Beide verband aber auch eine sehr tiefe persönliche Freundschaft. Derartige Konstellationen gibt es im politischen Betrieb nur selten. So war es aber ein Segen für Berlin, Deutschland und für Europa, dass sich beide nahezu blind verstanden.

Vor allem war Bahr ein geschickter Diplomat, der auch erkannte, dass eine solide Gesprächsbasis zur Sowjetunion nötig war, um in kleinen Schritten erfolgreich zu sein.

Egon Bahr war bis zum seinem Tod im Jahr 2015 und damit bis ins hohe Alter Erzähler, Mahner und Ratgeber. Gerade heute wäre es sicherlich für uns alle ein Gewinn, könnten wir den Rat Egon Bahrs zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hören. In solchen kritischen Zeiten merken wir wieder, wie wichtig geschickte Diplomatie für unseren Kontinent und die hier lebenden Menschen sein kann.“